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Designer-ABC Versace, Donatella

Für die Vergangenheit der Medusenhaupt-Marke steht ihr Bruder Gianni, die Zukunft des Hauses wird wohl ihre Tochter Allegra bestimmen - doch derzeit hält Donatella Versace das modische Zepter der Marke Versace in der Hand.

Sie ist wieder da: Donatella Versace, seit Jahren mit Spott bedacht, bringt seit dem Jahr 2005 wieder Kollektionen auf den Laufsteg, die sich auf die alten Stärken ihres Modehauses besinnen.

Alfons  Kaiser Folgen:

Die Versace-Frau steht in Zukunft sexy da, ohne peinlich zu wirken. Sie ist verführerisch, aber sieht nicht wie ein allzu bunter Vogel aus. Die Kollektion für Frühjahr und Sommer 2006 zum Beispiel zeigt das in bewundernswerter Konsequenz: Die Farben sind abgetönt auf Sand und Beige, also auf Wüstenfarben, die Donatella auf einer Inspirationsreise in Palm Springs sah. Von dort brachte sie auch originelle Drucke mit, die Kakteen und Swimmingpools andeuten. Den am Rücken viel Haut zeigenden und knalleng geschnittenen Jerseykleidern gibt sie mit Kristallstickereien sogar üppigen Glanz mit auf die Reise in den nächsten Sommer.

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Schwerer Start nach dem Tod ihres Bruders

Die neue Blüte des Modehauses verdankt sich äußeren Umständen. Denn die wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben wurden Donatella Versace abgenommen, einmal vom Mörder ihres Bruders, das andere Mal von ihrer Tochter. Als Gianni Versace, der gemeinsam mit Giorgio Armani (siehe auch: „Designer ABC“: A wie Armani) die italienische Mode seit den siebziger Jahren zu Weltgeltung geführt hatte, am 15. Juli 1997 vor seiner Villa am Ocean Drive in Miami Beach niedergeschossen wurde und kurz darauf starb, mußte seine kleine Schwester die Marke fortführen: Sie wurde Chefdesignerin des Hauses, für das sie vorher nur die junge Linie „Versus“ entworfen hatte. Donatella Versace füllte die Rolle mit mäßigem Erfolg aus, wie es bei Designern der Fall ist, die auf Mode-Ikonen folgen. Ihre Kollektionen wurden jahrelang verrissen, und an den Laufstegen von Mailand spottete man über nichts lieber als über die Designerin, die unter Drogenproblemen litt und sich dennoch am Ende jeder Schau tapfer auf dem Laufsteg verbeugte.

Aber ihr Bruder Gianni hatte weitsichtig ihre Tochter Allegra Versace Beck als Haupterbin seines Unternehmens eingesetzt. Nur wenige Wochen nach ihrem 18. Geburtstag am 30. Juni 2004 zeigte wiederum Allegra Weitblick. Eigene Ambitionen stellte sie zugunsten ihres Studiums zurück. Stattdessen etablierte sie mit all der Macht ihres fünfzigprozentigen Anteils an dem Familienunternehmen Giancarlo Di Risio als neuen Vorstandsvorsitzenden. Allegras Onkel Santo Versace, der 30 Prozent besitzt, und Donatella, die 20 Prozent ihr eigen nennt, mußten vom gemeinsam ausgeübten Vorstandsvorsitz zurücktreten. Santo nennt sich heute Präsident, seine Schwester blieb Kreativdirektorin. In ebenjenem Sommer der Wende verbrachte Donatella mehrere Wochen in einer Entzugsklinik. Seitdem scheint sie ebenso clean zu sein wie ihre schönen und schlichten Entwürfe.

Die Marke konzentriert sich auf ihre Stärken

Und auch die Zahlen sehen heute sauberer aus. Di Risio, einst Vorstandsvorsitzender bei Fendi, zieht einen harten Sanierungskurs durch. In dem Unternehmen, das seit 2001 rote Zahlen schrieb, verringert er die Schulden. Bis zum Jahr 2007 will er Versace in die Gewinnzone bringen. Er verkaufte unter anderem das Haus der Familie in New York, schloß unrentable Geschäfte, entließ rund 200 Mitarbeiter, gab die Haute-Couture-Schau in Paris auf und entfernte das allzu markentypische Medusenhaupt von vielen Produkten.

Nun konzentriert sich die Marke auf die Mode und die Accessoires und expandiert mit mehreren weiteren Läden in China, wo Versace zu den bekanntesten ausländischen Marken zählt.

Brachte Madonna und Demi Moore auf den Laufsteg

Donatella Versace, die am 2. Mai 1955 in Reggio Calabria geboren wurde, scheint die Wandlungen nicht nur zu ertragen, sondern sogar zu forcieren. Ihre seltsame Rolle als Ersatzfrau mußte sie schon früh einüben. Eine Schwester, zwei Jahre älter als der 1945 geborene Bruder Santo, kam mit elf Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Donatella, die Nachzüglerin, kam als eine Art Trostkind gut ein Jahr nach diesem Schicksalsschlag zur Welt. Die Jungen waren ihrer kleinen Schwester entsprechend zugetan: Gianni brachte sie vom Studium der italienischen Literatur ab und holte sie zu sich ins Atelier. So erlebte Donatella, die schon früh Model und Muse ihres Bruders war und sich seitdem auch ihre Haare platinblond färbt, den Aufstieg des Modehauses aus nächster Nähe.

Und nun kann sie sich, mit dem Erfolg und mit dem Scheitern gleichermaßen vertraut, auf die Zukunft ihrer Marke konzentrieren - zumal die Ehe mit Paul Beck, dem Vater ihrer beiden Kinder, längst geschieden ist. Schon die Auswahl der Models für die neuen Werbekampagnen zeugt von neuer Reife. Madonna und Demi Moore geben dem Haus auf den von Mario Testino geschossenen Anzeigenfotos eine Glaubwürdigkeit zurück, die Donatella fast verspielt hätte. Bis ihre Tochter richtig ins Unternehmen eintritt, hat Donatella Versace nun noch ein bißchen Zeit, von dem neuen Glanz des Namens zu profitieren.

Das Designer ABC:
Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen im „Designer ABC“: „W wie Vivienne Westwood“

Quelle: FAZ.NET

 
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