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Veröffentlicht: 01.01.2012, 22:20 Uhr

Designer-ABC Dolce, Domenico

„Wenn ich aufstehe, gehe ich ins Atelier und arbeite, arbeite, arbeite.“ Domenico Dolce, der kahlköpfige Teil des Designer-Duos „Dolce & Gabbana“, ist kein Freund von Small Talk. Während sich sein Ex-Geliebter und Immernoch-Geschäftspartner gerne weltmännisch gibt, ist Dolce auf dem Boden geblieben.

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Wer mit Domenico Dolce redet, muß sich nicht auf allzu viel Small Talk einlassen. Das kahlköpfige Mitglied des Designerteams „Dolce & Gabbana“ kommt gleich zur Sache. Er redet eigentlich nur über die Herren- und Damenkollektionen, an denen er gerade sitzt: „Wenn ich aufstehe, gehe ich ins Atelier und arbeite, arbeite, arbeite.“ Sein Partner Stefano Gabbana kümmert sich stärker um die Außendarstellung, da muß sich schließlich einer um die Arbeit am Modell verdient machen. Aber der Streß scheint Dolce nicht viel auszumachen. Er wuchs in einer Schneider-Familie auf. Da ist es kein Wunder, dass Dolce, dessen Name im Mund so süßlich zergeht wie schwerer sizilianischer Wein, im Akkord an der Mode zu arbeiten scheint.

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Domenico Dolce, der am 13. August 1958 in Polizzi Generosa auf Sizilien in seine Karriere hineingeboren wurde, arbeitete schon als Kind mit seinem Vater Saverio in der kleinen Bekleidungsfirma der Familie. Mit sieben Jahren schneiderte er angeblich seine ersten Jacken. Wie so viele Provinzler floh der Jugendliche aus dem dörflichen, christlichen, barocken, strengen, langsamen Alltag in die dynamischste Stadt Italiens am anderen Ende des Landes: Er kam nach Mailand, um Sizilien hinter sich zu lassen. Stattdessen fand er in Mailand Sizilien wieder. Denn 1980 lernte er Stefano Gabbana kennen. Sie kamen privat und geschäftlich zusammen. Domenico führte Stefano, den Grafik-Designer, ins Schneiderhandwerk ein. Stefano fragte ihn über Sizilien aus, wo er in seiner Kindheit die Ferien verbracht hatte. Die Firma blieb ein Familienunternehmen: Dolces Vater arbeitete bis zu seinem Tod vor wenigen Jahren mit, und Dolces Bruder Alfonso sitzt im Vorstand des Konzerns.

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Modischer Inbegriff des Südens

Heute gilt die Mode von Dolce & Gabbana mit der fast frommen Strenge dunklen Tuchs, schwarzer Spitze und nadelgestreifter Anzüge und gleichzeitig mit der überbordenden Phantasie leuchtender Farben und erotischer Schnitte als Inbegriff des Südens. Selbst in Techno und Punk entdecken die beiden ihr Sizilien, in der Welt die Provinz, in den Trends die Traditionen. Der sizilianische Komplex erstreckte sich bis zu Madonna, die sich in den Kleidern als Italienerin wiederfand - mit all den Gegensätzen von Hart und Weich, von Bunt und Dunkel, von Blumig und Streng.

Die gemeinsamen Kollektionen wuchsen, die Zahl der Kollektionen auch. „Es ist einfach zuviel“, sagt Dolce und meint damit wohl: „Es ist uns noch nicht genug.“ Denn Dolce und Gabbana wollen die Kontrolle über ihr Unternehmen behalten, das mittlerweile einen Jahresumsatz von etwa 700 Millionen Euro macht und etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie haben Lizenzen zurückgeholt und müssen sich jetzt neben ihrer Hauptlinie „Dolce & Gabbana“ und ihrer Zweitlinie „D&G“ - jeweils für Damen und Herren - auch noch selbst um Wäsche und Brillen kümmern. Nicht einmal mit Parfums, Schuhen und Accessoires haben sie genug. In ihrem Herren-Flagshipstore am Corso Venezia in Mailand kann man eine Massage über sich ergehen lassen, sich vom sizilianischen Barbiere seinen Bart rasieren und abends einen Champagner in der Bar einschenken lassen. Wie Armani („Designer ABC“: A wie Armani) und Ralph Lauren wollen die beiden, die im Herbst 2005 ihr zwanzigjähriges Firmenjubiläum feierten, ein Lifestyle-Imperium schaffen.

Auf dem Boden geblieben

Domenico Dolce bleibt aber auf dem Boden. Noch heute spricht er etwas schlechter englisch als sein weltläufiger Partner. Während Stefano mit Schmuck und Aussehen kokettiert, trägt Domenico nur Jeans und Hemd - so stört nichts bei der Arbeit. Nach den Schauen, wenn sie den Applaus entgegennehmen, zeigen sich die Unterschiede in Sekunden: Stefano badet im Applaus, Domenico sucht den Ausweg aus der Aufmerksamkeit.

Wahrscheinlich will er wieder an die Arbeit. Einen Verkauf der Marke schließt er bei der Freude, die er daran hat, aus: „Niemals!“ Vielleicht wolle er eines Tages den Arbeitsrhythmus verlangsamen und sich um sich selbst kümmern. „Aber zur Zeit kann ich es mir nicht vorstellen, ohne die Arbeit auszukommen.“ Von Helmut Lang und Jil Sander haben sie gelernt: „Wenn die Bezugsperson nicht mehr da ist, ändert sich auch die Wahrnehmung der Marke. Wir sind die Marke: Wir sind nicht nur Dolce und Gabbana, sondern auch unsere Mode, unsere Geschäfte, unsere Büros und unsere Angestellten.“ Daher gibt es für Domenico Dolce keine andere Wahl: Er muß einfach präsent sein, jede Geschäftstätigkeit überwachen und jeden Rock noch selbst abstecken. Kein Wunder, daß Domenico Dolce in jedem Gespräch schon verschwunden ist, wenn Stefano Gabbana noch redet.

Quelle: FAZ.NET

 

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