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Designer-ABC : de la Renta, Oscar

Was haben Laura Bush, Hillary Clinton und Sarah Jessica Parker gemeinsam? Sie alle schwärmen für die Abendroben von Oscar de la Renta.

          „Soll ich Dir ein wenig aus meinem Lieblingsgedicht vorlesen?“, fragt Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw in „Sex and the city“ ihren Lover Aleksandr Petrovsky. „Please.“ Sie klappt die aktuelle Vogue auf und zitiert folgende Bildunterschrift: „‚Cocktails bei Tiffanys verlangen nach klassischem Charme. Ärmelloses Seidenkleid mit Tellerrock und Schleifengürtel aus schwarzem Lackleder.‘ Das ist wahre Poesie.“

          Oscar de la Renta, beziehungsweise seine Mode, ist mit der Serie ebenso verknüpft wie die High Heels von Manolo Blahnik. Doch nicht erst seit Carrie in just diesem Kleid vor der Metropolitan Opera ohnmächtig wurde und bei McDonald's aß, gehört De la Renta zur Premiumklasse der Designer.

          Haute Couture aus Amerika

          Aufgewachsen unter sechs Schwestern in der Dominikanischen Republik verlässt der Achtzehnjährige 1940 die Insel, um in Spanien Kunst zu studieren. In Madrid entdeckt Cristóbal Balenciaga das zeichnerische Talent des Lateinamerikaners, stellt ihn zunächst als Illustrator, dann als Designer an. Zwölf Jahre bleibt De la Renta Ballenciaga treu, dann wechselt er unter anderem zu Elizabeth Arden nach Paris. 1965 übernimmt er das New Yorker Modehaus von Jane Derby und führt seitdem die Geschäfte unter eigenem Namen.

          Berühmt wird De la Renta für seine glamourösen und luxuriösen Abendkleider, die dem Namen Roben alle Ehre machen. Sie sind aufwendig verziert mit Perlen und Federn – geschaffen für den großen Auftritt. Seide, Satin, Chiffon verwendet er verschwenderisch wie kaum ein anderer Designer aus den Vereinigten Staaten. Während Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Ralph Lauren in erster Linie für ein „casual“-Image stehen, verkörpert De la Renta so etwas wie die amerikanische Haute Couture. Auch als Chefdesigner für das französische Modehaus Balmain bleibt er seiner Cinderella-Linie treu. Zehn Jahre (von 1992 bis 2002) prägt er das Gesicht der Marke, die zwei Jahre nach seinem Ausscheiden Konkurs anmelden muss. Oscar de la Rentas Kleider sind elegant und trotzdem verspielt. Weiche, fließende Stoffe in Pastellfarben oder glänzendem Gold und Silber, dazu Schleifen, Spitze, Stickereien – was bei anderen kitschig wirkt, verleiht seinen Entwürfen einen klassischen Look. Seine Kundinnen sind daher ursprünglich alles andere als modebegeisterte New Yorkerinnen, die Kolumnen über Schuhe und Sex schreiben.

          Roben für die First Ladies

          Eigentlich haben Laura Bush und Hillary Clinton wenig gemeinsam – abgesehen davon, dass sie beide in der Ballnacht nach der Vereidigung ihrer Ehemänner jeweils von Kopf bis Fuß in Oscar de la Renta gekleidet waren. De la Renta – der Designer der First Ladies. Schon Jackie Kennedy und Nancy Reagan trugen die Kleider des Mannes, der selbst auf steifen Empfängen schelmisch schaut, als schmunzle er über einen Scherz, den nur er gehört hat. Senatorin Clinton redete er übrigens das Business-Schwarz aus ihrem Kleiderschrank – es lässt sie seiner Meinung nach immer viel zu tough wirken. Ihm persönlich sind die smarten Damen der Ostküste allemal lieber als die kapriziösen Schauspielerinnen aus Hollywood – trotzdem ist Oscar bei den Oscars natürlich immer bestens vertreten.

          Auch seinem Einzug ins Weiße Haus hat der Designer es zu verdanken, daß er vor 2004 angeblich Platz 29 der reichsten Latinos in Amerika eingenommen hat; mit einem geschätzten Privatvermögen jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke.

          Die Geschäfte bleiben in Familienhand

          Mehr als vierzig Kollektionen hat Oscar de la Renta nun schon unter seinem Label präsentiert – aber ans Abdanken denkt er noch lange nicht. In einer Zeit, in der Designer ihre Marken, wenn diese ganz oben sind, gerne an große Luxusunternehmen verkaufen (wie zum Beispiel Donna Karan, Kenzo oder Marc Jacobs), ist De la Renta einer der wenigen, die seine Geschäfte noch nicht aus der Hand gegeben haben. Zumindest nicht aus der Familie. Eliza Bolen, die jüngste Tochter von De la Rentas zweiter Frau Annette, kümmert sich um die Lizenzrechte des Unternehmens. Der Schwiegersohn, Alex Bolen, ist Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Selbst sein Adoptivsohn Moises – ihn holte der Modeschöpfer nach dem Krebstod seiner ersten Frau Françoise 1983 von der Dominikanischen Republik in die Vereinigten Staaten – hat den Wunsch, Designer zu werden. Auch wenn er dazu wohl noch eine große Portion Erfahrung sammeln muss.

          Alex Bolen und sein Schwiegervater erscheinen auf den ersten Blick wie zwei unterschiedliche Pole: der eine kreativer Künstler, der andere knallharter Kalkulierer. Doch was nach einem vorprogrammierten Desaster aussah, funktioniert bislang äußerst erfolgreich. Eine eigene Home-Kollektion unter Kreativdirektor Miles Redd, die jüngere (und günstigere) Linie „O Oscar“ und neue Boutiquen in Amerika und Europa sind nur einige Beispiele für die neuen Wege, die das Unternehmen betreten hat.

          Mehr als alles andere, so gestand der Designer vor einiger Zeit in einem Interview, hasse er es, alleine zu sein. Geht man davon aus, dass zu seinen engsten Freunden inzwischen die Clintons, die Kissingers, Sarah Jessica Parker, Gore Vidal und der Portier des Ritz zählen, scheint Oscar de la Renta wohl kein Mensch zu sein, der in absehbarer Zeit von Einsamkeit bedroht ist.

          Quelle: FAZ.NET

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