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Designer-ABC Bailey, Christopher

Christopher Bailey hat es geschafft, der leicht angestaubten Marke Burberry zu einem Rockstar-Image zu verhelfen, ohne die traditionelle Herkunft zu leugnen.

© REUTERS Designer-ABC: Die Mode von Christopher Bailey

Burberry – das ist das Britischste, was es in der Mode gibt. Die textile Version von Shortbread und Minzsauce. Burberry kleidet seit mehr als einem Jahrhundert den englischen Gentleman und auch den, der es nicht ist, aber sein möchte. Burberry hat der Welt den Trenchcoat gebracht und das Karomuster. Burberry wird von der Queen getragen, von Premierministern, von Polospielern. Mit Burberry verbindet man alle Klischees, die es über die Briten gibt, positive wie negative. Wie hat man sich also den Mann vorzustellen, der seit dem Jahr 2001 das Design von Burberry verantwortet? In Tweed und Trenchcoat?

Anke Schipp Folgen:

Auf den ersten Blick hält man Christopher Bailey am Eingang des Münchner Burberry-Ladens für einen ganz normalen Kunden. Einen unauffälligen, der sich nur mal umschauen möchte. Er trägt ein fein gestreiftes Hemd mit schwarzem Sakko über der Jeans. Er sieht aus wie Ende Zwanzig, könnte Jurastudent sein oder angehender Literaturdozent. Tatsächlich ist Bailey Anfang Vierzig und der Mann, der mit dazu beigetragen hat, dass Burberry in vier Jahren seinen Umsatz fast verdoppelte und sich mit der Prêt-à-porter-Linie Burberry Prorsum zu einer der wichtigsten Marken in der Modewelt etablierte. Das „Time-Magazine“ zählt ihn zu den einflussreichsten Machern in der Modebranche. Man könnte ihn deshalb als Stardesigner bezeichnen, wenn das nicht so wenig zu ihm passen würde wie Coca-Cola zum Fünf-Uhr-Tee.

„Ich bin vom Land und sehr bodenständig“

Bailey ist nicht der Mann, der sich gerne in der Öffentlichkeit präsentiert. Statt auf Partys zu gehen, bevorzugt der höfliche Brite ein Essen unter Freunden. Das Interview nutzt er ganz offensichtlich nicht zur Selbstdarstellung, vielmehr hört Bailey genau zu, antwortet präzise, analysiert genau. Nicht sehr viel anders wird es sein, wenn er mit seinem für die Bedeutung der Marke auffällig kleinen Team die Kollektionen bespricht. „Ich bin vom Land und sehr bodenständig“, sagt Bailey lächelnd und ganz ohne Koketterie, „das erklärt vielleicht einiges.“ Aber nicht alles, nämlich: Wie hat es der zurückhaltende Designer geschafft, einer konservativen Marke so viel Glamour zu verleihen? Als Bailey vor mehr als zehn Jahren bei Burberry anfing, hatte sein Vorgänger Roberto Menichetti gerade dem berühmten „Check“ – das beige-rot-schwarze Karo – zu einer Renaissance verholfen.

Aber die Marke war in der Sackgasse gelandet, denn das massenhafte Tragen des Musters führte nach weniger als zwei Saisons zum Overkill. Keiner konnte es mehr sehen. Bailey ging die Sache besonnen an. Man ließ ihm alle Freiheiten. Er verkroch sich in die Archive des Unternehmens und beschäftigte sich mit der Geschichte von Burberry. „Ich merkte sehr schnell, dass es da ein riesiges Potential gab“, erzählt er heute. Eines jenseits des Karomusters. Er begriff Burberry als eine demokratische Marke, die in der Lage war, den Mann auf der Straße und gleichzeitig die königliche Familie einzukleiden. Bailey kam damals von Gucci, einer Marke, die sich ausschließlich an äußerst modisch orientierte Menschen richtete. Burberry aber war mehr als Mode – es war die Kultur eines ganzen Landes, die nicht für schnelle Saisongeschäfte taugte. Sie war allerdings mit einer feinen Staubschicht überzogen. „Ich wusste: Burberry ist eine wundervolle Welt, aber eine, die modernisiert werden muss.“

Rockstar-Image, aber ohne Provokation

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