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Designer-ABC : Lacroix, Christian

„Kleider müssen Kostüme sein“, hat der Großvater dem jungen Christian Lacroix eingebleut. Der französische Couturier hat sich den Rat zu Herzen genommen und den Laufsteg zu seiner Bühne erklärt.

          Der französische Couturier gehört zu den beständigsten Aktivsten der Pariser Modeszene. Seit fast dreißig Jahren entwirft er farbenfrohe, extravagante Kleider die trotz immer neuer Modeerscheinungen von seinen Kundinnen geliebt werden. Seine Inspiration holt er sich aus seiner Heimat Südfrankreich, wo ihn die Landschaft der Camargue, die Stierkämpfe und die folkloristische Kleidung maßgeblich prägten.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lacroix wurde im Mai 1951 in Arles geboren. Schon als Kind zeichnete er viel und war an Mode interessiert. Früh entwarf er früh Kostüme für Theateraufführungen von Laienspielgruppen. Darin bestärkte ihn sein Großvater, der ihm einen Satz mit auf den Weg gab, der sein Schaffen später stark beeinflusste: „Kleider müssen Kostüme sein.“ Lacroix studierte zunächst an der Universität von Montpellier Kunstgeschichte und Kostümkunde, bevor er 1973 nach Paris ging, um sich als Museumskurator ausbilden zu lassen.

          Goldbestickt und mit Kordeln verziert

          Entscheidend war für ihn die Begegnung mit Francoise Rosensthiel, seiner späteren Ehefrau – sie brachte ihn zur Mode. 1978 begann er als Assistent bei Hermès, wo sie als Beraterin arbeitete. Weitere Lehrjahre hatte er bei dem Designer Guy Paulin und später im Haus Jean Patou, bevor er sich selbstständig machte. Aber er betrat die Modebühne nicht – wie es üblich ist – mit einer Prêt-à-porter-Kollektion, sondern eröffnete mit 22 Näherinnen ein Atelier in der Rue du Faubourg Saint-Honororé und präsentierte gleich Haute Couture – Entwürfe der Hohen Schneiderkunst. Das war im Juli 1987.

          Damals sorgte er mit seiner beschwingten, farbenfrohen Mode, die goldbestickt und mit Kordeln verziert war, für Furore, weil das so gar nicht dem Look der minimalistischen japanischen Designern entsprach, die in den achtziger Jahren in Paris den Ton angaben.

          Folkloristische Elemente

          Lacroix nimmt bis heute die Haute Couture so ernst wie kaum ein anderer Modemacher. Er versteht sie tatsächlich als kreativen Akt und als einem Kunstprozess. Nicht umsonst präsentiert er seine Mode in der Eingangshalle Ecole Nationale des Beaux Arts – der berühmten Pariser Kunsthochschule. Seine Kollektionen leuchten wie ein Feuerwerk, das schnell vergeht, aber gerade in dieser Explosion des Ephemeren lassen sie einen matten Glanz der Ewigkeit erahnen.

          Lacroix nimmt immer Bezüge zu seiner Herkunft und verfremdet die bunten Trachten Südfrankreichs, setzt folkloristische Elemente ein oder Muster, die man von Tapeten oder Kacheln in provencialischen Häusern kennt. Auch die im Süden verehrten Heiligenfiguren des 19. Jahrhunderts gehören zu den Inspirationsquellen des Designers. Seine erste Prêt-à-porter-Kollektion präsentierte er 1988, ein Jahr später eine Accessoire-Linie. Außerdem stattet er Ballett- und Opernproduktionen aus.

          Lacroix hauchte „Pucci“ neues Leben ein

          Für Aufsehen sorgte er auch, als er 2002 den Posten des Kreativdirektors bei dem italienischen Modehaus Pucci übernahm, das berühmt ist für seine extravaganten Muster. Er hauchte der Marke neues Leben ein. Schon als Junge war er von Emilio Puccis Drucken begeistert. In seinen Kollektionen setzte er sie aber dosiert ein, wohlwissend, wie schnell man an sich an ihnen satt sehen kann. Er kombinierte sie unter anderem mit unifarbenen Teilen, mit den neutralen Farben Schwarz und Weiß. Im Jahr 2005 beendete er seine Zusammenarbeit mit Pucci.

          Sein eigenens Label gehörte lange zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH und wurde im Frühjahr 2005 von der amerikanischen Falic Group übernommen, die die Marke stärker in Nordamerika und Asien etablieren wollte. Mitte 2009 meldete Lacroix dann Insolvenz an – das Geschäft schwächelte, ein neuer Finanzier konnte nicht gefunden werden. Fast alle Mitarbeiter wurden entlassen, die Produktion gestoppt. Lediglich die Lizenzgeschäfte laufen weiter. Christian Lacroix selbst besitzt noch ein weiteres Unternehmen, das nicht von der Insolvenz betroffen ist. Für die Firma entwirft der Designer Kostüme, Parfüms und Interieur. Lacroix zeichnet verantwortlich für die neuen Uniformen von Air-France-Mitarbeitern und die Inneneinrichtung der neuen TGV-Baureihe.

          Quelle: FAZ.NET

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