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Designer-ABC : Klein, Calvin

Das Nähen lernte Calvin Klein von seiner Großmutter in der Bronx. Der Waschbrettbauch von Mark Wahlberg und eine Kate Moss im Magersucht-Look verhalfen dem amerikanischen Designer zum endgültigen Durchbruch.

          Zwei lolita-hafte Frauenkörper und ein Waschbrettbauch sind untrennbar mit der Marke Calvin Klein verknüpft. Denn der „König der Schlichtheit“ oder auch „Supreme master of minimalism“, wie die Amerikaner einen ihrer erfolgreichsten Designer nennen, hat als einer der ersten in der Modebranche erkannt, wie wichtig eine weltweite Werbestrategie mit bekannten Gesichtern für die Etablierung einer Marke ist.

          1942 in der New Yorker Bronx geboren und aufgewachsen, lernt Calvin Klein von seiner Großmutter den Umgang mit der Nähmaschine. Nach der Schulausbildung erhält er einen Studienplatz an der New Yorker High School for Art and Design und am berühmten Fashion Institute for Tehnology, wo er 1962 seinen Abschluss macht. Danach schneidert Calvin Klein bei Dan Misstein Mäntel und Anzüge und träumt von der Selbstständigkeit. So setzt er auch in seiner ersten eigenen Kollektion, die er 1967 präsentiert, einen Schwerpunkt auf Damenmäntel. 1968 gründet er mit seinem Jugendfreund Barry Schwartz sein eigenes Label „Calvin Klein Ltd.“, das sich neben den Marken Tommy Hilfiger und Ralph Lauren zu einem der einflussreichsten und bekanntesten Modeunternehmen der Vereinigten Staaten entwickelt.

          Was kommt zwischen Brooke Shields und ihre Calvins?

          Für verspielte Mode mit Rüschen, Stickereien, Schleifen hat Calvin Klein nichts übrig. Tragbare, lässige und trotzdem schicke Freizeitmode ist sein Ziel, im Kontrast zum Polyester-Wahn der Siebziger immer aus natürlichen Materialien wie Leinen, Baumwolle, Tweed, Kaschmir, Wildleder geschneidert. Der neue Klassizismus aus Amerika wird „All-American-Look“ getauft und Calvin Klein ist der Vater dieses bis heute äußerst populären Modekindes. Seine Damenkollektionen sind stark an der Männermode orientiert. Die Entwürfe wirken einfach und schlicht, sind minimalistisch und ohne Schnörkel – ohne dabei bieder zu sein. Die Schnitte konzipiert Klein eng, gerade und unisex.

          Anfang der Siebziger, die Marke Calvin Klein hängt bereits im New Yorker Kaufhaus Bonwit Teller und war zum ersten Mal auf einem Vogue-Cover zu sehen, erweitert er seine Linie um Sportbekleidung, Hot Pants, klassische Blazer, Hosenanzüge und Unterwäsche. Ähnlich wie Benetton schafft Klein es mit schockierenden Werbeslogans und -fotografien seine Mode ins Gespräch zu bringen. 1979 steckt er eine noch pubertäre Brooke Shields in eine hautenge Röhrenjeans, verpflanzt sein Label von der Innen- auf die Außenseite und läßt die „Blaue-Lagune“-Darstellerin mit Unschuldsmiene fragen: „Weißt Du was zwischen mich und meine Calvins kommt? Nichts!“ Das „prüde Amerika“ reagiert vorhersehbar geschockt – und die Calvins, wie seine Jeans von nun an nur noch genannt werden, avancieren zu Bestsellern.

          Schauspieler als Werbe-Ikonen

          Wird die Mode durch Klein nahezu geschlechtslos, so nimmt er ihr doch die bisherige Namenlosigkeit und prägt das, was heute als Label- oder Markenkult bekannt ist und vor allem in den Achtzigern und Neunzigern durch den Logowahn bei Versace, Gucci oder auch Louis Vuitton zu einem der Kennzeichen von Designer-Mode wird.

          Als erster Designer lässt der Amerikaner Schauspieler für seine Kampagnen modeln. Neben den Beinen von Brooke Shields ist es Mark Wahlbergs Waschbrettbauch über einem weißen Slip mit Calvin-Klein-Schriftzug auf dem Bund, der Kleins Strategie, aus alltäglichen Kleidungsstücken etwas Besonderes zu machen, aufgehen lässt. Seine Nebenlinie „ck“ wird zu einer der erfolgreichsten weltweit – ebenso wie seine Parfums, bei deren Verkaufszahlen er wohl nur von Armanis Düften übertroffen wird. Mit einer Kate Moss im Magersucht-Look prägt er das neue Model-Image der kommenden Jahrzehnte. In den Achtzigern räkelt sie sich als nackte Lolita auf einem Sofa für den Calvin-Klein-Duft „Obsession“. Durch die Lancierung des Unisex-Parfums „ck one“ im Jahr 1994 wird ihr Gesicht zur Verkörperung einer geschlechtsneutralen Schönheit.

          Übernahmegerüchte zum Wohl der Marke

          Wie auch seine Landsmännin Donna Karan wird Klein in den Vereinigten Staaten mit vielen Modepreisen geehrt. Anfang der Siebziger erhält er drei Jahre in Folge den „American Coty Award“, 1993 wird er als „Bester amerikanischer Designer“ ausgezeichnet und „Time“ zählt ihn zu einem der 25 einflussreichsten Amerikaner. Ende der Neunziger kursieren Gerüchte über den Verkauf von Calvin Kleins Imperium an den Sportswear- und Unterhosen-Konkurrenten Tommy Hilfiger. Der Deal kommt zwar nie zustande, die Marke Calvin Klein hat von dem Gerücht jedoch nur profitiert.

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