http://www.faz.net/-gut-vebm

Designer-ABC : Sui, Anna

  • -Aktualisiert am

In den wild gemusterten Entwürfen von Anna Sui verschmelzen Einflüsse des Rock’n’Roll und farbenfrohe Prints miteinander. Über ihren charakteristischen Sui-Stil sagt sie: „Ich habe die Theorie, dass Sachen nicht cool sind, wenn sie Keith Richards und Anita Pallenberg nicht gefallen.“

          Wenn man den Namen Anna Sui hört, denkt man an bunte, großflächig gemusterte Kleider und an Rock’n’Roll. Doch wie passt das zusammen? Einerseits die mädchenhaften bunten Kleider, andererseits die Musikrichtung, die in einem Atemzug genannt wird mit Sex und Drogen? Anna Sui selbst sagt über ihre Kollektionen: „Es geht immer um Rock’n’Roll und um Kleider, die Marianne Faithful getragen hätte.“ Das scheint zu funktionieren, wenn man, wie Sui, brave Kleidchen mit zerrissenen Netzstrumpfhosen und Bikerboots kombiniert und ab und zu ein Kleid einstreut, das nicht mit Blümchen-, sondern mit Totenkopfmuster bedruckt ist.

          Kein Wunder, dass in ihren wild gemusterten Entwürfen Rock'n'Roll und farbenfrohe Prints verschmelzen: Am liebsten hört sie die Musik der „White Stripes“, und Hippiedesigner Ossie Clark, Mustermeister Emilio Pucci sowie der Couturier Paul Poiret gehören zu ihren Lieblingsdesignern. Wenn man die so entstehende Mustermischung mit einer Prise Rock’n’Roll mischt, entsteht daraus der charakteristische und unverkennbare Sui-Stil: frech und romantisch zugleich. „Ich habe die Theorie, dass Sachen nicht cool sind, wenn sie Keith Richards und Anita Pallenberg nicht gefallen. Das behalte ich immer in meinem Hinterkopf“, sagt sie über ihre Designs.

          Spaß in und an der Mode

          Mit unterschiedlichsten Elementen, die auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen scheinen, kreiert sie ihren unverwechselbaren Look. Für das Mischen der Muster, Schnitte und Accessoires lässt sie sich vor allem von den sechziger und siebziger Jahren inspirieren. Ihre Kollektionen orientieren sich nicht am Rest der Modewelt, denn bei Anna Sui steht vor allem der Spaß in und an der Mode im Vordergrund.

          „Wenn mich etwas interessiert, dann will ich alles darüber wissen“, sagt Anna Sui. „Ich muss dann unbedingt wissen, was dahinter steckt.“ Durch ihre Ideen ist sie der Zeit voraus und unabhängig von Trends. Eher ist es so, dass sie die Trends setzt, an denen sich Stylisten und Moderedakteure orientieren. „Alle meine Ideen entstehen daraus, was um mich herum passiert – von Musik über Jugendkultur bis Street-Style.“

          Schon mit vier Jahren wollte sie Designerin zu werden

          Anna Suis Karriere erinnert an eine klassische amerikanische Erfolgsgeschichte. Sie wurde 1955 als Kind chinesischer Einwanderer in einem Vorort von Detroit geboren. Die Leidenschaft für Mode entdeckte sie schon im Alter von vier Jahren, als sie begann, eigene Kleider zu entwerfen und ihre Barbiepuppen neu einzukleiden. Damals schwor sie feierlich, niemals ein und dasselbe Outfit zweimal im Jahr anzuziehen. Im Nachhinein sagt sie darüber: „Ich war vollkommen besessen von dieser Idee. Ich weiß nicht, wie meine Eltern das mit mir ausgehalten haben.“

          1972 begann sie ihr Studium in New York an der berühmten Parsons School of Design, wo sie den damals noch unbekannten Steven Meisel kennen lernte. Für ihn stylte sie einige Modestrecken, die er fotografierte. Ihr Laufsteg-Debüt gab sie allerdings erst 1991, nachdem ihr Studienfreund Meisel, der inzwischen einer der begehrtesten Modefotografen der Welt war, sie dazu überredet hatte. Ihre extrovertierte Präsentation mischte die New Yorker Modeszene auf. Bereits zwei Jahre später, 1993, gewann sie den Perry Ellis Award for New Fashion Talent des Council of Fashion Designers of America.

          In über 30 Ländern werden ihre Kollektionen verkauft

          Heute ist Anna Sui geradezu eine Klassikerin des New Yorker Designs. Sie hat 32 eigene Boutiquen, und ihre Kollektionen werden in 300 Geschäften in über 30 Ländern verkauft. Ihre erste Boutique eröffnete sie 1992 in Soho. Diesen Laden hat sie mit viktorianischen Möbeln eingerichtet. Die Wände, an denen Rock’n’Roll-Poster hängen, sind Violett gestrichen. Das Interieur, das ihren Geschmack widerspiegelt, wurde für all ihre anderen Shops übernommen. Vor allem auch bei jüngeren Kundinnen ist Sui sehr beliebt, denn sie entwirft Mode zu erschwinglichen Preisen, zum Beispiel indem sie auf luxuriöse Materialien verzichtet. Zusätzlich brachte sie 1995 auch die preisgünstigere Linie „Sui by Anna Sui“ auf den Markt. Außerdem hat sie 1997 Accessoires, Schuhe, Kosmetik und Beautyprodukte lanciert. Die Flakons der fünf Parfums, die sie herausgebracht hat, sind inzwischen zu Sammlerstücken avanciert.

          Seit ihrem vierten Lebensjahr hat sie davon geträumt, Designerin zu werden. Da klingt es fast etwas desillusioniert, wenn sie sagt: „Ich habe festgestellt, dass Modedesign keine Kunst ist. Du machst ein Produkt für die Konsumenten, also muss es sich verkaufen.“ Vielleicht hat das, was sie heute macht, nicht mehr so viel mit ihrem Traum von damals zu tun, doch ihre Produkte sind erfolgreich. Und die Kunst zu beherrschen, den Konsumenten zufrieden zu stellen – das ist doch auch schon etwas.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Sie bleibt

          Porträt von Roksanda Ilincic : Sie bleibt

          In ihrer Jugend im zerrissenen Jugoslawien stand Roksanda Ilincic schwierige Zeiten durch. Heute ist sie eine der wichtigsten Londoner Designerinnen. Ihre Lebenserfahrung kann sie in Brexit-Zeiten gut gebrauchen.

          Wenn ich noch mal klein wär

          Pariser Modewoche : Wenn ich noch mal klein wär

          Große Modemarken wollen sinnlich bleiben. Das fällt schwer in der Stadt der Sonnenkönige. Von Euphorie keine Spur, doch die Influencer kommen brav in die erste Reihe.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Forcadell: Europa kann nicht mehr wegsehen!

          Die Präsidentin des katalanischen Parlaments kritisiert die Untätigkeit der EU im Katalonien-Konflikt. Diese ignoriere eine „offensichtliche Verletzung von Grundrechten in einem ihrer Mitgliedstaaten“, schreibt Carme Forcadell in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. In Spanien gebe es wieder politische Gefangene.
          Am 20. März 2012 herrschten an der Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse Trauer und Fassungslosigkeit. An diesem Tag wurden die Leichen von drei Schülerinnen und eines Lehrers überführt, die der Islamist Mohamed Merah mit Kopfschüssen ermordet hatte. Ihre letzte Ruhe fanden die Opfer in Israel. In Frankreich scheint das vergessen.

          Judenhass in Frankreich : Die Täter machen es wie die Nazis

          Verbrechen an Juden werden totgeschwiegen – und in der Banlieue grassiert der islamische Antisemitismus: Die feministische Philosophin Elisabeth Badinter klagt Frankreichs Medien und Politik an.
          Turbinenherstellung von Siemens in Berlin.

          F.A.Z. exklusiv : Siemens schließt Standorte in größter Konzernsparte

          Die Nachfrage nach Kraftwerken ist wegen der Energiewende fast um die Hälfte gesunken. Siemens hat dafür zu viele Werke und muss mit drastischen Maßnahmen reagieren. Tausende Stellen sind betroffen.

          Streit bei den Republikanern : Bannons Krieg gegen die eigene Partei

          Trumps ehemaliger Chefstratege Bannon nimmt dessen Versprechen, in Washington „den Sumpf trockenzulegen“, ernst. Dafür will er moderate Republikaner aus dem Kongress werfen und durch Ultrarechte ersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.