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Veröffentlicht: 08.10.2012, 16:39 Uhr

Chloé-Chefdesignerin Keller Auf Nähe genäht

Clare Waight Kellers Alltag spielt in mehreren Welten. Für die Chefdesignerin von Chloé ist das eine Chance – sie hat die Marke wieder nach vorne gebracht.

von , Paris
© privat Clare Waight Keller ist erst seit einem Jahr bei Chloé. Rechtzeitig zum sechzigjährigen Jubiläum hat sie die Marke nach vorne gebracht.

Frauen, die sich viel vorgenommen haben, beginnen den Tag oft in Jogginghosen. Clare Waight Keller ist so eine Frau. Nicht dass sie in Jogginghosen die ersten fünf Kilometer des Tages draußen im Grünen im Lauftempo zurücklegt, mit Stöpseln in den Ohren, aus denen Musik dröhnt. Nein, sie meistert eine andere sportliche Herausforderung: den Alltag, denn der ist für jemanden wie sie nicht weniger anstrengend. Komplexer ist er auf jeden Fall, und da kommt der Chloé-Chefdesignerin die Jogginghose, die Uniform des Morgengrauens, gerade recht.

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Schließlich ist sie nicht nur ein Stück Baumwolle. Die Jogginghose sei doch charmant, meint die Designerin, und so zwanglos, dass sie einen schon fast wieder verjünge. Die Frage, ob man eine solche Hose jemals wieder ausziehen sollte, so wie die meisten Frauen, bevor sie dann das Haus verlassen, hat sich damit er-übrigt. „Jogginghose und hohe Schuhe“, urteilt die Designerin selbstbewusst über ihren eigenen eigenwilligen Aufzug um zehn Uhr morgens beim Frühstück in Paris – und lacht.

Modisch jedenfalls scheint sich Clare Waight Keller in dieser Stadt schon ganz gut eingelebt zu haben. Draußen auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré eilen lauter Pariserinnen zur Arbeit, die jetzt keine Jogginghosen mehr tragen, aber ähnlich wie Keller nicht perfekt gestylt aussehen, sondern nur so, als hätten sie sich ganz schnell etwas angezogen. Das gibt dem ungekämmten Auftreten einen gewissen Charme – chaotisch kann toll aussehen. Die ausgetragenen Leinen-taschen mit Pailletten von Vanessa Bruno, die auf der Straße an den Händen der Pariserinnen baumeln, werden wohl niemals aussterben.

Draußen beginnt es jetzt zu regnen. Drinnen, im Hotel Le Bristol, löffelt Clare Waight Keller erst einmal Rührei und schüttet sich Milch in die Tasse Earl Grey. Very british. Selbst den Namen ihres neuen Arbeitgebers spricht sie englisch aus: Chloï. London ist eben nicht weit weg. Bis vor gut einem Jahr arbeitete sie dort bei Pringle of Scotland. Das heißt: Sie war damit beschäftigt, unter dem angestaubten Kaschmir-Twinset der Marke ein Modeherz zu suchen. Sie wurde schnell fündig, reanimierte es und ließ es anschließend höher schlagen. Als sich die Chefdesignerin einen Namen gemacht hatte, kam er – der Anruf.

Ob sie nicht zu Chloé nach Paris wechseln wolle? Clare Waight Keller war gerade mit ihrem dritten Kind schwanger und sagte trotzdem ja. Einen Monat nach der Geburt des Sohns fing sie wieder an zu arbeiten. Sie pendelte zunächst mit dem Zug zwischen der Familie, die noch in London wohnte, und dem Pariser Modehaus. „Mein Leben war ja noch dort.“ Die Zeit war Fluch und Segen zugleich. Denn all die Lebens- und Berufsdinge zu organisieren war schwierig. Aber der Halt, den ihr die Familie gab, ermöglichte erst das neue Projekt. „Zum Glück war ich schon mal Mutter geworden. Nur deshalb war ich imstande, das alles auf die Reihe zu bekommen.“

Transit zwischen Paris und London war auf Dauer keine Lösung

Der dauernde Transit war eine kreative Inspiration. In ihrer zweiten Chloé-Saison, der Kollektion für diesen Herbst und Winter, zeichnete sie die modischen Porträts der Städte auf dem Laufsteg nach. Sie schaute sich in Paris um, in London, auf Street-Style-Blogs und in ihrem eigenen Kleiderschrank. Dann mischte sie ihre Beobachtungen – und zeigte Seidenblusen mit blumiger weißer Spitze zu Jogginghosen, dicken Strick und gesteppte Röcke, ein kräftiges Rot und puderige Pastelltöne. Und große Handtaschen, die sich derart rundlich nach unten wölbten, als hätten die Models sie nicht erst hinter der Bühne in die Hand genommen, als trügen sie die Taschen schon ihr halbes Leben mit sich herum. Aus den Models werden Mädchen, denen man im Herbst wirklich auf der Straße begegnen könnte.

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