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Burberry-Chefdesigner Christopher Bailey Soft Power

Christopher Bailey, der nette Junge von nebenan, krempelt seit einem Jahrzehnt Burberry als Chefdesigner um. Gespräch mit einem, der auszog „schöne Sachen zu machen“.

© Helmut Fricke In Demutsgeste holt sich der Chefdesigner auf dem Laufsteg seinen Applaus ab.

Bei der Burberry-Schau für Frühjahr und Sommer 2012 in London saß wirklich jeder in der ersten Reihe: die amerikanische Schauspielerin Sienna Miller, der Gandhi-Darsteller Sir Ben Kingsley, der Star-Fotograf Mario Testino, die First Lady Samantha Cameron, die Hollywood-Stylistin Rachel Zoe, das Model Rosie Huntington-Whiteley. Die drei wichtigsten Menschen aber saßen nicht zwischen ihnen: Mutter, Schwester und Lebensgefährte des Burberry-Chefdesigners Christopher Bailey. Sie saßen in der zweiten Reihe.

Alfons  Kaiser Folgen:

So etwas muss man in Zeiten, in denen um Front-Row-Sitze Bürgerkriege geführt werden, natürlich symbolisch verstehen. „Klar waren sie stolz auf mich“, sagt Christopher Bailey zu der Szene vom vergangenen September. „Aber sie wollen sich eben nicht so gerne in den Vordergrund rücken.» Und er ist geradezu erleichtert über die Bemerkung, dass auch die Mutter von Yves Saint Laurent gerne in der zweiten Reihe saß, um möglichst wenig Aufhebens zu machen.

Typisch zweite Reihe

Ja, das Seating, die größte Geheimwissenschaft der Modehäuser, sagt in diesem Fall wirklich etwas aus. Nicht nur über die Bescheidenheit von Mutter und Schwester, die eigens aus der Heimat Yorkshire angereist waren und ihren Christopher nach der Schau backstage kaum herzen konnten, weil er von Fotografen, Fans und Celebritys erdrückt wurde. Sondern auch über diesen Christopher selbst, der ähnlich bescheiden ist, auf dem Laufsteg mit verknoteten Händen den Applaus entgegennimmt, kein lautes Wort verliert und jedem höflich den Vortritt lässt. Typisch zweite Reihe eben.

Dabei sitzt dieser Christopher Bailey längst in der allerersten Reihe. Seit fast elf Jahren ist er nun Chefdesigner der wichtigsten britischen Modemarke. Am Tag nach der Schau bringen fast alle nationalen Qualitätszeitungen ein Bild von der Kollektion auf der ersten Seite. Burberry wächst mit ungeheurem Schwung; den Umsatz hat er in seiner Zeit etwa verdreifacht. Noch wichtiger für Fashionistas: In der modischen Linie „Burberry Prorsum“ ist man nicht unter Niveau gekleidet. Die Frühjahrskollektion kann sich in ihrer starken Farbwahl, in den mutigen Kombinationen, den hervorragend ausgearbeiteten Silhouetten und dem gekonnten Styling mit den besten Kollek tionen in Paris und Mailand messen. Und das kann man seit dem Tod Alexander McQueens, der Verkitschung Vivienne Westwoods und dem Dior-Rauswurf John Gallianos von wohl keiner Kollektion eines britischen Modeschöpfers sagen.

Immerhin kündet sein Büro von seiner Macht. Im obersten Stockwerk des vollkommen renovierten und erst vor drei Jahren bezogenen gigantischen Horseferry House lädt er zum Gespräch. Zur Vor-standsvorsitzenden Angela Ahrendts sind es nur etwa zehn Meter über den Flur. Von hier oben blickt man herab auf den Stadtteil Westminster und hinüber bis zur Themse. Und man blickt herab auf die unteren sieben Stockwerke mit den 1200 von 8000 Burberry-Angestellten, die hier in der Zentrale arbeiten.

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