http://www.faz.net/-hs1-6xy67
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.03.2012, 16:25 Uhr

Burberry-Chefdesigner Christopher Bailey Soft Power

Christopher Bailey, der nette Junge von nebenan, krempelt seit einem Jahrzehnt Burberry als Chefdesigner um. Gespräch mit einem, der auszog „schöne Sachen zu machen“.

von
© Helmut Fricke In Demutsgeste holt sich der Chefdesigner auf dem Laufsteg seinen Applaus ab.

Bei der Burberry-Schau für Frühjahr und Sommer 2012 in London saß wirklich jeder in der ersten Reihe: die amerikanische Schauspielerin Sienna Miller, der Gandhi-Darsteller Sir Ben Kingsley, der Star-Fotograf Mario Testino, die First Lady Samantha Cameron, die Hollywood-Stylistin Rachel Zoe, das Model Rosie Huntington-Whiteley. Die drei wichtigsten Menschen aber saßen nicht zwischen ihnen: Mutter, Schwester und Lebensgefährte des Burberry-Chefdesigners Christopher Bailey. Sie saßen in der zweiten Reihe.

Alfons  Kaiser Folgen:

So etwas muss man in Zeiten, in denen um Front-Row-Sitze Bürgerkriege geführt werden, natürlich symbolisch verstehen. „Klar waren sie stolz auf mich“, sagt Christopher Bailey zu der Szene vom vergangenen September. „Aber sie wollen sich eben nicht so gerne in den Vordergrund rücken.» Und er ist geradezu erleichtert über die Bemerkung, dass auch die Mutter von Yves Saint Laurent gerne in der zweiten Reihe saß, um möglichst wenig Aufhebens zu machen.

Typisch zweite Reihe

Ja, das Seating, die größte Geheimwissenschaft der Modehäuser, sagt in diesem Fall wirklich etwas aus. Nicht nur über die Bescheidenheit von Mutter und Schwester, die eigens aus der Heimat Yorkshire angereist waren und ihren Christopher nach der Schau backstage kaum herzen konnten, weil er von Fotografen, Fans und Celebritys erdrückt wurde. Sondern auch über diesen Christopher selbst, der ähnlich bescheiden ist, auf dem Laufsteg mit verknoteten Händen den Applaus entgegennimmt, kein lautes Wort verliert und jedem höflich den Vortritt lässt. Typisch zweite Reihe eben.

Dabei sitzt dieser Christopher Bailey längst in der allerersten Reihe. Seit fast elf Jahren ist er nun Chefdesigner der wichtigsten britischen Modemarke. Am Tag nach der Schau bringen fast alle nationalen Qualitätszeitungen ein Bild von der Kollektion auf der ersten Seite. Burberry wächst mit ungeheurem Schwung; den Umsatz hat er in seiner Zeit etwa verdreifacht. Noch wichtiger für Fashionistas: In der modischen Linie „Burberry Prorsum“ ist man nicht unter Niveau gekleidet. Die Frühjahrskollektion kann sich in ihrer starken Farbwahl, in den mutigen Kombinationen, den hervorragend ausgearbeiteten Silhouetten und dem gekonnten Styling mit den besten Kollek tionen in Paris und Mailand messen. Und das kann man seit dem Tod Alexander McQueens, der Verkitschung Vivienne Westwoods und dem Dior-Rauswurf John Gallianos von wohl keiner Kollektion eines britischen Modeschöpfers sagen.

Immerhin kündet sein Büro von seiner Macht. Im obersten Stockwerk des vollkommen renovierten und erst vor drei Jahren bezogenen gigantischen Horseferry House lädt er zum Gespräch. Zur Vor-standsvorsitzenden Angela Ahrendts sind es nur etwa zehn Meter über den Flur. Von hier oben blickt man herab auf den Stadtteil Westminster und hinüber bis zur Themse. Und man blickt herab auf die unteren sieben Stockwerke mit den 1200 von 8000 Burberry-Angestellten, die hier in der Zentrale arbeiten.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tim Cook Der einsame Apple-Chef

Tim Cook führt den Elektronikkonzern seit fünf Jahren. Er muss sich oft Rat von außen holen – ob es um sein Outing geht oder um die Apple-Dividende. Mehr Von Roland Lindner, New York

15.08.2016, 21:58 Uhr | Wirtschaft
F.A.Z.-Umfrage Schauen die Frankfurter noch Olympia?

Schauen die Frankfurter noch Olympia? Dieser Frage sind wir in der Frankfurter Innenstadt nachgegangen. Mehr

15.08.2016, 15:19 Uhr | Sport
Möbel für Hund und Katze Der will doch nur wohnen

Lange Zeit waren Kratzbaum und Katzenklo unschöner Bestandteil deutscher Haushalte. Doch nun hat die Designbranche Tiere für sich entdeckt und damit spezielle Kuschelkissen, Zelte, Betten. Mehr Von Anja Martin

25.08.2016, 09:22 Uhr | Stil
Steinmeier zu Visa-Freiheit Türkei muss noch nacharbeiten

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat auf das Ultimatum reagiert, das die Türkei zu EU-Visafreiheit und Flüchtlingsabkommen gestellt hat. Steinmeier sagte, er sehe keine deutlichen Anzeichen dafür, dass die Vereinbarungen infrage stünden. Die Türkei habe die Bedingungen für eine Liberalisierung der Visa-Bestimmungen in der EU noch nicht vollständig erfüllt, sagte er weiter. Mehr

02.08.2016, 13:42 Uhr | Politik
Belebte und öde Straßen Hier Geschäfte, dort nur Glasfassaden

Warum sind manche Straßen in den Stadtzentren verwaist und andere belebt? Der Schlüssel zu dieser Frage liegt im Erdgeschoss. Mehr Von Rainer Schulze

18.08.2016, 13:31 Uhr | Rhein-Main