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Bettina Wulffs versteckte Botschaften : Schweigen in Schwarz-Weiß

Während ihr Mann modisch „middle of the road“ blieb, setzte Bettina Wulff gekonnt ein starkes Zeichen des „political dressing“. Bild: dapd

Bettina Wulff, die als Präsidentengattin nicht viel zu sagen hatte, spricht – oder besser: sprach – durch ihre Mode. In ihrem Kostüm von Rena Lange legte sie einen starken Auftritt hin.

          Er trug eine mittelblaue Krawatte zum dunkelblauen Anzug, sie ein schwarzes Kostüm mit weißen Borten. Der Rücktritts-Garderobe des Präsidenten muss man nicht allzu viel Bedeutung beimessen: Christian Wulff gab sich wieder einmal als Mann der Mitte. Aber Bettina Wulff, die als Präsidentengattin nicht viel zu sagen hat und auch am Freitag nur stumm dastand wie all die amerikanischen Politikergattinnen bei den Rücktritten ihrer Männer, diese Präsidentengattin spricht – oder besser: sprach – durch ihre Mode.

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Das macht schon der Unterschied zu Luise Köhler deutlich. Sie stand ihrem Mann Horst Köhler am 31. Mai 2010 bei seinen elf Sätzen ebenfalls bei. Aber sie hatte sich dezent links hinter ihn gestellt. Bettina Wulff hingegen stand am Freitag rechts neben ihrem Mann, auch auf dem Podest, auf gleicher Höhe und dank Pumps mit Sechs-Zentimeter-Absatz sogar auf gleicher Augenhöhe. Christian Wulff versagte ihr die Anerkennung nicht. Dankte Horst Köhler noch „den vielen Menschen in Deutschland, die mir Vertrauen entgegengebracht und meine Arbeit unterstützt haben“, so erwähnte Wulff seine Gattin gleich nach den Bürgern und Mitarbeitern recht ausführlich: „Vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und eines modernen Deutschland wahrgenommen habe. Sie hat mir immer – gerade auch in den vergangenen Monaten – und auch den Kindern starken Rückhalt gegeben.“

          Das hätte er gar nicht sagen müssen, denn es erschloss sich aus dem Bild von Bellevue. Während Wulff ausgezehrt wirkte nach zwei Monaten Dauerkritik, gab seine Frau ein rundum positives Bild ab: Sie kam dynamischen Schrittes herein, lächelte eisern und stand kerzengerade, ein Muster an Haltung.

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          Bettinas schöne Kleider : Sag zum Abschied leise Servus

          Und während ihr Mann modisch „middle of the road“ blieb, setzte sie gekonnt ein starkes Zeichen des „political dressing“. Denn in dem Kostüm von Rena Lange versteckte sie viele Botschaften. Die erste ist, natürlich, Noblesse. Denn die Kostüme der Münchner Marke gehören zu dem besten, was die deutsche Mode zu bieten hat. Dieses Kostüm besteht aus strukturierter feinfädiger Virgin Wool mit weißen Paspeln aus Seidencady und Schleifendetails. Die zweite Botschaft: gute deutsche Sparsamkeit. Denn das Kostüm stammt aus der Kollektion für Frühjahr und Sommer 2011, Bettina Wulff hat es also schon öfters getragen, unter anderem in Kuweit an der Corniche und beim Besuch des Islamischen Museums am 13. Dezember, als die Wulff-Affäre begann. Der Preis des Kostüms mag hoch sein – das Jacket kostete damals etwa 1195, der Rock 395 Euro, beides ist heute nicht mehr erhältlich. Aber immerhin leidet die First Lady nicht an Verschwendungssucht: Sie trägt die guten alten Sachen auf. Die dritte Botschaft: Gegen Luise Köhlers Schwarz setzt sie die typischen weißen Rena-Lange-Paspeln als Zeichen der Hoffnung.

          Und wie jeder gelungene Look, so weist auch dieses Kostüm – wahrscheinlich unbewusst gesetzt, aber ikonographisch schlagend – über sich hinaus. Denn viertens ist dem Outfit auch eine politische Botschaft eingewebt. Die weiße Paspelierung rahmt das Kleid ein wie im Hintergrund auf der Bundespräsidenten-Standarte der rote Rand das goldene Viereck mit dem schwarzen Adler. Der Adler reißt den Schnabel in Farbe auf. Bettina Wulff schweigt in Schwarz-Weiß. Auch ihr stilisiertes Tier – das Tribal-Tattoo am rechten Oberarm – lässt sie nicht raus. Sie will stärker sein an diesem Tag als dieser Bund mit seinem Adler.

          Quelle: F.A.Z.

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