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Veröffentlicht: 18.01.2013, 09:44 Uhr

Berliner Modewoche (Tag 3) Schwabylon in der Hauptstadt

Bei der „Fashion Week“ zeigen schwäbische Unternehmen, was sie besonders gut können: verkaufen. Die Berliner Designer setzen ihr großes kreatives Kapital dagegen. Tag 3 der Modemesse

von , Florian Siebeck und
© Helmut Fricke Berliner Modewoche (Tag 3): Schwabylon in der Hauptstadt

Schon wieder haben die Schwaben den Berlinern etwas voraus, dieses Mal die schönste Location der Modewoche. Früher pinselten die Theatermaler hier oben im Malsaal des Bühnenservice ihre Kulissen. Im obersten Stockwerk ließ das Glasdach so viel Licht herein wie in ein Künstleratelier. Wenn die Maler etwas gemalt hatten, stiegen sie auf einen Steg oben unterm Glasdach, blickten auf ihr am Boden liegendes Werk hinab, stiegen wieder hinunter und malten weiter an ihrem Kunstwerk, das am Ende zum Beispiel als gigantische Kulisse für die Staatsopernbühne diente.

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Am Donnerstagabend bietet sich ein anderes Bild. Aus den Kulissen kommen nun die Models, auf dem Boden liegt ein Laufsteg, das Gestänge oben unterm Glasdach dient als Leuchtenhalter, und statt der Kulissenmaler mit Pinsel stehen hier nun Schlips-Schwaben mit Champagnerglas. Denn wenn Boss zur Modenschau lädt, dann wird das zum Groß-Event. Im alten Bühnenservice an der Zinnowitzer Straße haben zwei Wochen lang bis zu 250 Menschen alles vorbereitet und aufgebaut, für Strom, Heizung, Wasser und jetzt auch Unterhaltung gesorgt.

© Andreas Brand Berliner Modewoche: Die besten Kleider der Hauptstadt

Fast hätte das schwäbische Unternehmen darüber die Mode vergessen. Denn während für die Organisation des Events mit rund 1000 Gästen (unter ihnen Renée Zellweger) keine Mühen gescheut wurden, spart man etwas an der Herbst-Winter-Kollektion der Linie Hugo. Natürlich gibt es die typischen schmalen Hosen, schönen Jacken (mit dekorativem doppelten Kragen) und hübschen Kleider zu sehen – aber ein bisschen mehr fürs Auge könnte es schon sein. Die allzu wenigen farbstarken Drucke wären ein schöner Anfang gewesen.

Andererseits ist das natürlich auch ein Trick. Wenn die Kollektion nicht so viele Ecken und Kanten hat, verkauft man sie besser. Und an den Zahlen erkennt man die Schwaben, besonders in Berlin. Nur ein Rechenbeispiel: Das Unternehmen Boss, das in diesem Jahr rund zwei Milliarden Euro erwirtschaftet, macht etwa so viel Umsatz wie die gesamte Berliner Modebranche. In dieser langen Donnerstagnacht mit toller Party herrscht hier an der Zinnowitzer Straße wirklich das von manchen Schwaben in Prenzlauer Berg ersehnte „Schwabylon“.

Berlin kontert mit kreativem Kapital

Dagegen setzen die Berliner kreatives Kapital. Man sieht es bei Michael Sontag, der mit seinen drapierten und asymmetrisch geschnittenen Kleidern ein starkes Markenzeichen gefunden hat. Ein graues Kleid erhält mit Raffungen am Bauch verblüffende Eieruhr-Form und schenkt den Frauen eine Taille. (Ob man dazu dicke Glitzerstiefel tragen muss, ist hoffentlich nur eine Stylingfrage.)

Man sieht es auch bei Mongrels in Common: Ein Print sieht aus wie eine vorbeirauschende Landschaft auf dem Motorrad. „Wir sind Basic-Freaks“, sagen die Designerinnen Livia Ximénez Carillo und Christine Pluess – ihre tannengrünen Jacken oder Trenchcoats könnten durchaus auch öfters mal in schwäbischen Boutiquen hängen.

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