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Berliner Modewoche : Das Stühlerücken vor der Schau

„Am Seating kann man sehr viel ablesen“, sagt Modeschöpferin Dorothee Schumacher. Bild: Jan Bazing

Am Mittwoch beginnt die Berliner Fashion Week. Doch bevor das Licht ausgeht und das erste Model Einzug hält, plant nicht nur das Modelabel Schumacher genau: Wer sitzt bei der Schau wo?

          Von außen ist sie blassrosa, von innen mit weißer Seide ausgelegt. In dieser flachen, oval geformten Collierbox könnte ohne Probleme ein Schmuckstück liegen, dessen Wert hoch genug ist, dass sich ein Botendienst um die Versendung kümmert. Am kommenden Mittwochabend wird diese Schmuckschachtel in vielfacher Ausfertigung mit besagten Boten an die Gäste von Dorothee Schumachers Modenschau geschickt, die tags darauf stattfindet. Wenn die Empfänger ihre Sendung dann öffnen, finden sie darin: einen Zettel.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Buchstabe von A bis F, dahinter eine Zahl mit zwei Ziffern - aus dieser Kombination kann man noch nicht einmal ein sicheres Internet-Passwort erstellen. Dafür aber eine Sitzplatzangabe. Denn hinter den Zahlen und Buchstaben des Zettels steht eine genauestens durchdachte Sitzplatz-Organisation. Und auch wenn das Kästchen keinen Schmuck enthält, kann doch jeder, der es öffnet, seinen eigenen Wert erkennen.

          Dorothee Schumacher ist jetzt gedanklich schon in Berlin, physisch aber noch in Mannheim. Und so breitet sich vor ihrem Atelier auch nicht die Spree aus, sondern ein Seitenarm des Rheins, der in dieser lethargischen Januar-Stimmung selbst so ruhig wirkt, als würde er tief schlafen.

          Bei Dolce & Gabbana darf Scarlett Johansson in der ersten Reihe sitzen, hier in Mailand im vergangenen Herbst.
          Bei Dolce & Gabbana darf Scarlett Johansson in der ersten Reihe sitzen, hier in Mailand im vergangenen Herbst. : Bild: REUTERS

          Von Müdigkeit ist drinnen, im Hause Schumacher, nichts zu spüren. Im Gegenteil, Schumacher erinnert im schwarzen, mit Metallfäden durchbrochenen Oberteil aus festem Wolltweed und einer großen am Kragen angesteckten Brosche an eine Kriegerin, die sich für den Kampf am nächsten Donnerstag vorab in die Rüstung geworfen hat.

          Das Szenario heute: die Besprechung der Sitzplatz-Organisation für die Modenschau. Es treten an: Dorothee Schumacher und zwei ihrer PR-Managerinnen. Wie also organisiert sich ein Label, dem das kreative Chaos nach außen hin völlig fremd ist, in einer so hektischen Situation?

          „Der Plan ist kein Zufall“

          Das ganze Jahr über entwirft Schumacher Kleider für Frauen, die sich als Kinder gewünscht haben, eine Prinzessin zu sein, mittlerweile dem Ernst des Lebens nahegekommen sind und zwischendurch wahrscheinlich schon mal ein straffes Hochzeits-Seating durchgezogen haben.

          Entsprechend erinnert jetzt auch die Sitzplatzplanung der Schumacher-Modenschau an die Organisation eines Banketts im Königshaus. Wer wo unterkommt, wird ein halbes Jahr lang überlegt, abgewogen und schließlich entschieden. „Der Plan ist kein Zufall“, beginnt Schumacher. „Am seating kann man sehr viel ablesen. Schon seit der letzten Modenschau gehen wir den Plan für die nächste Schau im Geist durch.“

          Dorothee Schumacher
          Dorothee Schumacher : Bild: Matthias Lüdecke

          Seit dem 5. Januar ist die Gästeliste nun geschlossen, wenigstens offiziell. Bevor es am 18. Januar nach Berlin geht, beugt sich das Team in zwei Sitzungen auf Mannheimer Boden über den Plan „und wirft dann in Berlin noch einmal alles um“, sagt Schumacher und lacht.

          Vor ihr auf dem Tisch liegen ein paar blassrosa DIN-A3-Bögen mit groben Rastervorlagen. „Ändert sich kurzfristig noch ein Kästchen, verschiebt sich auch alles andere“, weiß Viktoria Gisbertz, eine der PR-Managerinnen.

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