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Berliner Modewoche (4) Nur ein Chinese schläft

Die „Mercedes-Benz Fashion Week“ endet mit einem Tag voller Höhepunkte. Nicht jeder Besucher bekommt das mit. Denn die Veranstaltung changiert zwischen hellwach und todmüde wie ein Chiffon-Lamé-Kleid der Marke Achtland zwischen glitzernd und düster.

© AP Vergrößern Kreation von Issever Bahri

Der Tag begann und endete flüssig. Am Anfang flossen Tränen, am Ende Champagner, aber beide mit dem gleichen Ziel: ins Meer der Sehnsucht zu fließen, ins Jenseits der Zeitlichkeit, wo alle Fragen um Mode aufgehoben sind in Vergebung und Vergessen.

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Dürfen wir ausnahmsweise einen solchen Franz-Josef-Wagner-Anfang wagen? Ja, das dürfen wir. Denn erstens fehlt uns zum Franz Josef Wagner noch die Mutterbrust oder der Bruderstreit oder der Vatermord. Und zweitens ist der Freitag, der vierte Tag der „Mercedes-Benz Fashion Week“, wirklich ein Tag, der zwischen hellwach und todmüde changiert wie ein Chiffon-Lamé-Kleid der neuen Trendmarke Achtland zwischen glitzernd und düster.

Tränen der Rührung

Es beginnt schon früh am Morgen, als man immerhin länger geschlafen hat als Derya Issever und Cimen Bahri, die kein Auge zugetan haben. Verblüffend, was man da mit halboffenen Augen sieht: eine perfekt ausbalancierte Kollektion, in der gehäkelte Applikationen und Intarsien aus der Hand von Cimens Mutter zum Leitmotiv werden und die Basics aus Schwarz, Weiß und Oliv aufwerten. Hier wird die eigene Tradition mit internationalem Style so gut verschränkt, dass im Modezelt am Brandenburger Tor viele verblüfft von einem „fashion moment“ sprechen. Es flossen sogar Tränen der Rührung, nicht nur bei der Mutter. Technisch konnte man es sich jedenfalls nicht erklären. Wer das Styling für diese Ausnahmekollektion gemacht hat? „Na, wir!“

Das war aber noch nicht alles an diesem Freitag. Vladimir Karaleev hatte nicht das Lampenfieber vor seiner Blockbuster-Schau ergriffen, sondern das richtige Fieber. Die Nacht vorher arbeitete er trotzdem durch und schluckte die Grippe mit Aspirin weg. Wirkte er deshalb nach der Schau sediert? Oder war es der übermächtige und übernächtigte Eindruck der eigenen Schau mit den Hosen aus Wolle und Seide, in Farben wie Steingrau, Perlmutt und Dunkelblau, die eine gute Grundlage für sein Markenzeichen sind, den nie perfekt sitzenden Lagenlook? Jedenfalls sind alle begeistert, auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), die sich backstage gleich mal von „Vogue“-Chefin Christiane Arp überreden lässt, gemeinsam die Berliner Mode zu fördern.

22844057 Issever Bahri präsentiert schwarz-weiße Streifen © AP Bilderstrecke 

Auch bei Michalsky hat man zunächst den Eindruck, der Designer sei krank. Wie sonst erklärt sich die Entschuldigung auf der großen Leinwand dafür, dass es heute Abend keine Show gibt? Dieses Mal ist eben vieles anders. Vom Showeffekt der großen Bühne lässt er ab. Statt dessen rückt er die Stühle ganz nah an den Laufsteg, so dass man die Kleidung samt Details besser erkennt. Dabei fällt auf: Sie ist nicht so schlecht, wenigstens die für die Männer. Ein schönes Steppmuster taucht überraschend auf Hemden und Jogginghosen auf, und die Hosen enden, wie es gerade auf der Straße zu sehen ist, knapp über dem Knöchel.

Die Damenkollektion hingegen schneidet mit den knappen Miniröcken samt großen Expeditionstaschen an der Seite, den Anzügen im Streifenhörnchenlook und dem obligatorischen Schleifengürtel nicht so gut ab. Aber besser als die neue Sofalinie. Angeblich soll es bald sogar Fußmatten geben. Andererseits: Wenn der beste Gastgeber ganz Berlins die Party veranstaltet – dann haben wir nichts dagegegn.

War es der Jet-Lag?

Wir sprechen hier von uns. Unklar, was mit den Chinesen ist. Denn in der ersten Reihe saßen vier Herren und in ihrer Mitte eine Dame aus China, die sich eigentlich geschmeichelt fühlen mussten. Denn auf dem Laufsteg sahen sie neben all den blonden zwei chinesische Models. Auch die Musik klang fernöstlich. Und dennoch nickte der Chinese links mit der weißen Hose immer wieder ein. Entweder war es der Jet-Lag, der ihn ermüdet hatte. Oder es waren schwierige Vertragsverhandlungen mit „Michi“.

Denn warum sonst sollten die Chinesen mit den unbewegten Gesichtern da sein, als mit Michalsky einen weiteren Deal  abzuschließen? Aber keine Gefahr: Der wichtigste Chinese, der Ältere, der ganz rechts saß, war voll bei der Sache. Beim Champagner wurden sie nicht gesehen. Aber wer weiß, wo und wie und warum und was sie getrunken haben?!

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Quelle: FAZ.net

 
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Veröffentlicht: 19.01.2013, 09:46 Uhr