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Anatomie der Regenjacke „Wie ein Volvo“

Der Gründer der Herrenmarke Stone Island, Carlo Rivetti, ist seit drei Jahrzehnten mit der Herstellung von Regenjacken vertraut. Hier spricht er über Männer in Funktionsjacken und Funktionsjacken im Theater.

© Hersteller Eine Regenjacke ist heutzutage ein Multitalent, eine eigene Gebrauchsanweisung keine Seltenheit.

Herr Rivetti, Sie haben die Herrenmarke Stone Island vor 30 Jahren gegründet und sind besonders für Ihre Jacken bekannt. Wie hat sich die Regenjacke seitdem verändert?

Alles um die Regenjacke hat sich in den vergangenen 30 Jahren verändert, besonders die Männer darin. Früher fielen die Größen dieser Jacken weitaus geräumiger aus. Heute sitzt die Jacke enger am Körper, denn Männer wollen nun schöner und trainierter aussehen.

Ihre Jacken haben interessante Oberflächen, etwa aus Baumwolle oder Wolle. Wie können solche Materialien dem Wetter standhalten?

Das sind ja Naturfasern, die muss man in der Fertigung entsprechend behandeln. Bei Funktionsjacken ist es zum Beispiel nicht unwichtig, dass diese komplett wasserdicht sind und atmen können.

Funktionsjacken, die beinahe so viel können wie ein Smartphone, sind seit einigen Jahren sehr präsent. Da hat die Jacke zum Spazierengehen ein eigenes Kühlungssystem. Welche Funktionen sollte so eine Jacke wirklich haben?

In Italien haben die Leute irgendwann angefangen, ihre Funktionsjacken auf dem Weg ins Konzert in die Mailänder Scala zu tragen. Sie tragen so eine Jacke also selbst in Situationen, die früher mal als formell galten. Trotzdem sollten Ausstattung und Praktikabilität bei der Jacke an erster Stelle stehen.

Inwiefern?

Taschen sind zum Beispiel sehr wichtig. Ich habe beobachtet, dass Männer, sobald sie eine Jacke anprobieren, sofort versuchen, die Hände in irgendwelche Taschen zu stecken. Unsere Jacken sind eigentlich nicht für die Höchstleistung in den Bergen geeignet, aber viele Leute machen darin trotzdem Sport. Deshalb sind unsere Jacken auch wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv. Dennoch, den Mount Everest sollte man damit wohl eher nicht besteigen.

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Was fasziniert die Leute, besonders die Deutschen, eigentlich so an Funktionsjacken?

Das ist dann doch wieder der Gedanke an Höchstleistung. Die Leute wollen das Gefühl haben, etwas Besonderes zu tragen. Die Technologie in der Jacke gibt ihnen dieses Gefühl. Ganz speziell in Deutschland wird das deutlich, aber auch allgemein in Europa. Das hat auch damit zu tun, dass der Kunde in dieser Hinsicht hier sehr gebildet ist. Auf der anderen Seite haben wir zum Beispiel große Probleme unsere Produkte in China zu verkaufen. Die chinesischen Kunden verstehen nicht, warum eine besondere Funktion die Jacke unbedingt verbessern soll.

Welche Jacke ist für Sie persönlich die schlauste in Ihrem Sortiment?

Wenn ich wählen müsste, würde ich mich für eine „Field Jacket“ entscheiden, mit versteckter Kapuze und abnehmbarem Innenfutter.

Ihre Jacken sind nicht billig. Wie lange hält so eine „Field Jacket“?

19 Jahre. Ich sage immer, so lange wie ein Volvo.

„Archivio ’982-’012“

Ein Bildband über Stone Island, „Archivio ’982-’012“, ist erschienen im Verlag Silvana Editoriale. 644 S., 120 Euro.

Die Fragen stellte Jennifer Wiebking.

Quelle: F.A.S.

 
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