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Veröffentlicht: 02.02.2016, 13:59 Uhr

Mode von und für Musliminnen Glauben und gut aussehen

Weil die Modeindustrie sie ignoriert, gründen manche Musliminnen jetzt einfach eigene Labels. Ihre Stücke erzählen von einem Leben in zwei Welten.

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© Daniel Pilar In ihrem Atelier in Gelsenkirchen macht Neslihan Kapucu Mode für religiöse und für nicht religiöse Frauen. Die ist ein bisschen westlich und ein bisschen orientalisch, hat aber nie „zu viel Muster oder Bling-Bling“.

Kann ein Kopftuch hip aussehen, lässig, attraktiv, elegant? Ja. Zum Beispiel gebunden als Turban und kombiniert mit einem langen Mantel, hochhackigen Schuhen, einer Sonnenbrille. Frauen, die so auftreten, sind Inspiration für junge Musliminnen, die so religiös sind wie ihre Mütter, aber sich nicht so kleiden wollen wie sie. Eine seltene Inspiration.

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Neulich tauchte in einer H&M-Werbung zwar so eine modische Frau mit Kopftuch auf – allerdings neben Homosexuellen, Alten, Männern in Frauenkleidung. Mainstream sieht anders aus. Und bei anderen Bekleidungsketten werden modebewusste Musliminnen gar nicht erst angesprochen. Auch wenn das Mailänder Haus Dolce & Gabbana jetzt eine erste Kollektion für muslimische Frauen entwirft – Kleider und Accessoires finden die vor allem in kleinen Geschäften in Migrantenvierteln und nicht in Fußgängerzonen.

Weil die Modeindustrie sie so oft ignoriert, haben einige Musliminnen eigene Labels gegründet. Etwa Ibtihaj Muhammad, Mitglied im amerikanischen Fechtteam. Ihr Prêt-à-porter-Label heißt Louella by Ibtihaj Muhammad und kombiniert Kleidung in kräftigen Farben und Ethnomustern mit auffälligem Schmuck. Auf ihrem Twitter-Account muss man die Posts für neue Stücke zwischen Fechtfotos und politischen Statements suchen, etwa gegen Donald Trumps Hetze gegen Muslime.

Mode und Politik

Auch viele muslimische Modeblogs sind politischer als andere Beauty- oder Fashion-Seiten. Eine Bloggerin zum Beispiel schreibt, sie wolle als modebewusste muslimische Doktorandin gleich mit zwei Vorurteilen aufräumen: dass Musliminnen nur Heimchen am Herd seien und dass sie mit ihrem Kopftuch eher graue Mäuse denn modische Hingucker abgäben. Für muslimische Frauen, das wird schnell deutlich, sind Mode und Politik enger verknüpft als für nichtreligiöse.

Neslihan Kapucu - Die Designerin und Muslima  macht Mode für religiöse und für nicht religiöse Frauen. © Daniel Pilar Vergrößern Den Begriff „muslimische Mode“ mag Neslihan Kapucu nicht. Sie entwirft und näht alle ihre Stücke selbst.

Das ist auch bei Neslihan Kapucu so. Kapucu, klein, schlank, ein Gesicht wie eine antike griechische Büste, ist 27 Jahre alt und arbeitet am Düsseldorfer Fashion Design Institut als Dozentin. In Gelsenkirchen, wo sie noch bei ihren Eltern lebt, arbeitet sie an den Wochenenden in ihrem Atelier. Das liegt an einer vielbefahrenen Straße zwischen Dönerbuden, Spielhallen und einigen wenigen Galerien.

Hier mixt sie westliche und orientalische Schnitte und Muster und erzählt in der Mode ihres Labels Nes Kapucu von ihrer Herkunft als Kind türkischer Gastarbeiter. Kapucu sagt, dass sie es schwer hatte als Kind, das bei der Einschulung kaum Deutsch sprach, und dass sie immer wieder erklären muss, dass niemand sie zum Kopftuchtragen zwingt.

Auch wenn all diese Erlebnisse sie und ihre Mode geprägt haben, ist Kapucu eines wichtig: Sie ist zwar eine muslimische Modemacherin, macht aber Mode für alle Frauen, ob mit oder ohne Kopftuch. „Muslimische Mode“ - schon der Begriff hat etwas Trennendes für sie, das ihr missfällt.

Westlich-orientalische Stilmixe

Denn sie entwirft enge Hosen und kurze Kleider – und zieht selbst eine Hose unter ihr Kleid oder einen langen Pullover über die Taillenhose. Wenn andere Frauen das Kleid mit einer Strumpfhose und die Taillenjeans mit einem kurzen Oberteil tragen, gefällt ihr das. Sie würde es bloß selbst nicht tun, sondern kombiniert die Stücke mit einem Turban, befestigt daran einen orientalisch gemusterten Schal, dazu Schmuck und Stiefel mit silbernen Schnallen.

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