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Volants, Blümchen, Rosa : Die Rüschen sind zurück!

  • -Aktualisiert am

Die australische Schauspielerin Nicole Kidman in einem Kleid mit Rüschen auf der Goldenen Kamera 2017 in Hamburg Bild: dpa

In diesem Sommer zieren Rüschen und Volants Blusen, Tops und Kleider. Vor allem junge Frauen, die mit Jeans und Turnschuhen groß geworden sind, begeistern sich dafür. Muss man alarmiert sein?

          Und dann trug auch Herzogin Kate Rüschen. Der Anlass war die Gartenparty zu Ehren des 91. Geburtstags von Queen Elizabeth II., organisiert vom britischen Botschafter in Berlin während des Deutschland-Besuches von Prinz William und seiner Familie. Die Herzogin von Cambridge entschied sich an dem Abend für ein rotes Kleid mit Carmen-Ausschnitt der Marke Alexander McQueen. Das Modell bot anschließend reichlich Diskussionsstoff: Kate sehe aus wie das Tänzerinnen-Emoji von Apple. Was genau ein Flamenco-Kleid auf einer Gartenparty mit britisch-deutscher Färbung zu suchen habe. Und ob das Rot nicht sowieso seltsam sei, weder kräftig noch zart.

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          Dabei hätte zumindest ein Detail des Kleides nicht besser zum modischen Gefühl unserer Zeit passen können. Das Modell war am Dekolletee, in der Taille und am Saum mit kleinen Rüschen versehen. Damit ist die Herzogin in bester Gesellschaft. Nicht in jener, deren Mitglieder eine Einladung zum Fest in der britischen Botschaft in Berlin erhalten haben. Wer stattdessen in diesen Tagen aufmerksam durch Deutschlands Fußgängerzonen läuft, wird feststellen, dass fast jede zweite Frau ein Oberteil oder ein Kleid trägt, das an irgendeiner Stelle mit Rüschen oder Volants verziert ist.

          Die Teile sind mal längsgestreift mit Aussparungen an den Schultern und Riesenvolants bis knapp über die Ellenbogen, mal mit angenähtem Flatterrand am Saum, mal vom Hals bis zum Knöchel komplett gerüscht. Es ist das Detail des Sommers 2017, nicht nur bei Gucci, sondern ebenso bei Zara und H&M, bei Peek & Cloppenburg.

          Bluse mit Vogel-Print und Shorts mit kleinen Rüschen von Stella Jean (Fun Two Three Modestrecke Magazin, Februar 2016 )
          Bluse mit Vogel-Print und Shorts mit kleinen Rüschen von Stella Jean (Fun Two Three Modestrecke Magazin, Februar 2016 ) : Bild: © Horst Diekgerdes

          Damit meldet sich ein Thema zurück, das lange von der Bildfläche verschwunden war und bis zum vergangenen Sommer im selben miefigen Topf landete wie Rüschengardinen und allzu üppige Tischdecken. Selbst Großmütter und Großtanten boykottierten den Stoff mit Schwung zugunsten von klaren Linien und so wenig Überwurf wie möglich. Pomp schien nicht mehr aktuell. Oder geradezu bedrohlich, denn es erinnerte auch an längst vergangene Zeiten.

          Dass ausgerechnet jetzt Frauen ihre Liebe für das Thema Rüschen neu entdecken, mag einem somit auf den ersten Blick seltsam erscheinen. Mit einem modernen Frauenbild hat die Rüsche ungefähr so viel gemein wie Michelle Obama mit Melania Trump. Die Rüsche, das ist auch das Detail an Schürzen aus fester Baumwolle, mit der sich in dieser Form nie Herren an den Herd stellten. Ganze Generationen von Frauen verbrachten hingegen so viel Zeit in Rüschenschürzen, dass es vielleicht besser wäre, dem verzierten Stoff ein für allemal Nimmerwiedersehen zu sagen.

          Es geht nicht um Befeuerung des Genderklischees

          Andererseits liegt der Reiz eben auch in der Ironisierung eines so bedeutungsschweren Teils. Frauen tragen jetzt so unbekümmert Rüschen wie die Farbe Rosa, ein weiterer Modetrend dieses Sommers. Am besten in Kombination mit Rot. Oder Blumenmuster. Dabei geht es aber nicht um die Befeuerung von Genderklischees, sondern um Ausdruck. Eine alte Regel besagt, dass in schwierigen Zeiten die Mode expressiver wird. Trendforscherin Li Edelkoort bekräftigt diese These. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 biete die Mode eine Flucht aus der Realität, indem sie Geschichten erzähle. „Darum sind Marken wie Valentino so erfolgreich mit ihren traumhaften Märchenkleidern.“

          Zuletzt waren Rüschen vor einigen Jahrzehnten angesagt: Petra Schürmann und Artur Brauner auf dem 16. Mathäser-Filmball am 17.01.1974 in München.
          Zuletzt waren Rüschen vor einigen Jahrzehnten angesagt: Petra Schürmann und Artur Brauner auf dem 16. Mathäser-Filmball am 17.01.1974 in München. : Bild: dpa

          In den vergangenen 16 Jahren hat sich die Welt nicht gerade zum Besseren verändert, also darf die Mode umso ausdrucksstärker sein. Sie ist gemustert, farbenfroh und detailliert, so dass ihre Besitzerinnen darin auch auf Bildern in den sozialen Netzwerken mit Sicherheit auffallen. Das Outfit als Grundlage für Likes, Kommentare, neue Follower.

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