http://www.faz.net/-hrx-8mnbj

Inneneinrichtung : Mut zur Kunst

An Kunstobjekte für die eigene Wohnung trauen sich nur wenige heran. Bild: Silke Kammann

Accessoires sind Verkaufsschlager. Dabei verleiht echte Kunst einem Raum mehr Ausstrahlung als reine Deko. Über den Reiz von Kunstwerken in den eigenen vier Wänden.

          Herbstzeit ist Einrichtungszeit. Wenn es im Freien ungemütlich wird, soll es zu Hause umso wohnlicher sein. So hält vermehrt Einzug, was den Sommer über fürs Wohlbefinden noch entbehrlich schien: Kissen für die Couch und ein Plaid gleich dazu, Obstschalen und Vasen für Tisch und Sideboard. Von all dem saisonalen Nippes ganz zu schweigen. Und wann, wenn nicht in der dunklen Jahreszeit, schweift der Blick kritisch über die viel zu lange schon kahlen Wände. Dann heißt es fast ein wenig schuldbewusst: Da sollte doch ein Spiegel hin, und ein Bild über dem Sofa brauchen wir auch noch.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die ganz Schnellen shoppen ihre Wanddekoration im Internet bei Anbietern wie My Poster oder Posterlounge. Oder sie greifen in der Poster- und Kunstdruckabteilung der Einrichtungshäuser zu, quasi im Vorbeigehen, wie vorher schon zu Vorratsdosen, Kerzenständern und dem Badezimmerteppich. Im Netz wie im Möbelhaus findet der Käufer alles, was den Geschmack der Mehrheit trifft: Gustav Klimts „Der Kuss“, Dick-&-Doof-Motive, Audrey Hepburn und Marilyn Monroe, Zebras und Stiletto-Legionen - farbenfroh und fotogen in Szene gesetzt.

          Was will der Kunde?

          Zwischen diesem Angebot und den Galerien, die in der Regel nur ein kundiges Publikum anziehen, haben sich niederschwellige Anbieter positioniert. Sie zielen auf eine Käuferschicht, die gerne ein Original hätte, aber bisher noch wenig Sachverstand mitbringt. Unter den Fotogalerien hat sich zum Beispiel die Kette Lumas einen Namen gemacht. Auf dem Feld der Gemälde tummeln sich in der Regel einzelne Unternehmen wie „Artime“, das der Frankfurter Robert Spliet vor zwei Jahren gegründet hat. Bevor er seine Galerie eröffnete, war er als Innenarchitekt tätig. Nun reist er alle paar Wochen durchs Land auf der Suche nach Werken junger Künstler. Im Laufe der Zeit habe er einen Blick entwickelt, was bei seiner Kundschaft ankomme, sagt er. „Die Leute wollen keine Geldanlage, sondern ein schönes Bild, das zu ihnen und ihrer Wohnung passt“, beschreibt Spliet seine Kundschaft.

          Etwa die Hälfte der Interessenten, die in seine kleine Galerie kommen, habe schon eine Idee im Kopf, wie das Bild in etwa aussehen könnte. Farben und Größe schweben ihnen vor und auch die Frage, ob abstrakt oder gegenständlich, ist schon entschieden. Die andere Hälfte komme unbedarft. Doch auch bei diesem Kundenkreis kristallisierten sich schnell Vorlieben und Abneigungen heraus, hat Spliet beobachtet.

          „Ein Kunstwerk muss in seinem Umfeld bestehen“

          Was ein „schönes Bild“ ausmacht? Der Galerist beschreibt das mit Blick auf die Nachfrage so: Warme Farben kommen gut an. Kunst in Grün oder Blau findet dagegen nicht so leicht Abnehmer. Ansonsten gilt: Was der eine als wohltuend ruhig empfindet, ist dem anderen zu langweilig.

          Den „Artime“-Kunden sei es wichtig, ein Objekt zu bekommen, das einzigartig sei. Je nach Größe kosten die Gemälde, die Spliet verkauft, etwa zwischen 400 und 1000 Euro. „Das ist für Einsteiger dann aber schon viel“, sagt er. Die Käufer wollen die Garantie, dass es von einem Künstler stamme, der sein Handwerk versteht, ohne sich näher für diesen zu interessieren.

          Gerade darauf aber legt Hedi Probst Wert, deren Galerie in Nonnenhorn am Bodensee den Zusatz „Kunst im Raum“ im Namen führt. „Ein Kunstwerk ist ja kein austauschbarer Gegenstand, es soll Bestand haben und muss in seinem Umfeld bestehen“, sagt die Galeristin. Daher versuche sie ihrem Kundenkreis nahezubringen, was die angebotenen Werke ausmache, welche Arbeit und Idee dahinterstecke und auch welche Künstlerpersönlichkeit. „Der Wert ist ja sonst nur schwer zu erkennen“, weiß sie.

          Nie nur dekorativ

          Anbieter wie sie setzen sich ständig mit dem Phänomen auseinander, dass Kunst durchaus Dekoration ist, aber nie nur dekorativ. Das treibt auch Karin Srb um. Die ehemalige Escada-Erbin betreibt den Online-Kunsthandel artsation.com, der Fotokunst und Drucke berühmter und vor allem gefragter Künstler wie Roy Lichtenstein, Gerhard Richter oder Günther Uecker vertreibt, aber auch die Werke einiger Newcomer im Angebot hat. Signiert und in limitierter Auflage.

          Topmeldungen

          SPD vor Groko-Abstimmung : Muss Schulz Opfer bringen?

          In Bonn entscheiden am Sonntag 600 Delegierte darüber, ob die Sozialdemokraten regierungsfähig bleiben. In vielen Landesverbänden wird ein Zeichen des Neuanfangs verlangt – dabei geht es auch um die Zukunft des Parteichefs.

          Ein Jahr im Amt : „Trump hat Deutschland aufs Korn genommen“

          Von echter Zuneigung zwischen dem Kanzleramt und dem Weißen Haus lässt sich kaum sprechen. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger bezieht im FAZ.NET-Videointerview Stellung zum jüngsten Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

          Schmerzmittel : Ibuprofen am Pranger

          Viele Schmerzmittel versprechen Besserung, doch Nebenwirkungen werden oft unterschätzt. Eine neue Studie zeigt: Regelmäßige Einnahme von Ibuprofen kann den männlichen Hormonspiegel empfindlich verändern. Kann darunter gar die Zeugungsfähigkeit leiden?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.