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Manager Ben Lashes : Der Mann, der Grumpy Cat zum Klassiker machte

Garfield war nur montags schlecht gelaunt, Grumpy Cat ist es schon seit Jahren. Dafür lieben ihre Fans sie. Bild: AP

Die mürrische Katze aus Amerika wirbt nun sogar für Autos - und hat einen eigenen Manager. Wie macht man eine Katze zum Star? Und warum ist das Internet so fasziniert von Tieren?

          Dunkelheit umschließt Tardar, als sie in die Halle geleitet wird. Nur ein Fleck ist gleißend hell, und er wimmelt von Menschen. Sie drehen an Scheinwerfern und polieren das Cabrio, das dort fürs Shooting geparkt ist. Tardar kneift die Augen zusammen. Jemand richtet ihre Haare, dann plaziert ihre alte Freundin Tabby Bundesen sie auch schon behutsam neben die blonde Frau, die sich im Cabrio räkelt.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Tardar folgt bereitwillig Tabbys Anweisungen. Die Frau im Cabrio streicht ihr neckisch über die Nase, dann rückt sie mit dem Gesicht näher heran, ihre Wangen berühren sich. Die Geräuschkulisse ist überwältigend: das Klicken der Fotoapparate, das Rauschen der Windmaschine und das Zischen der Blitzlichter bei jedem Auslöser. Zwischendrin ein zackiges "TackTack". Woher kam das? Tardars Blick folgt der Richtung des spitzen Geräuschs. "Tack-Tack". Kurz neben der Kamera. Tardar blickt gelassen drein, ihre Mundwinkel hängen nach unten. Wenn man sie so sieht, scheint es fast, als wäre sie jetzt lieber irgendwo anders, egal wo, nur nicht bei diesem Fotoshooting.

          Sie wird von mehr Personal umsorgt als Georgia May Jagger, die blonde Frau im Cabrio. An Tardars missmutigem Blick ändert das nichts, und darüber sind hier alle froh. Denn die herabhängenden Mundwinkel sind Tardars Markenzeichen. Millionen Fans lieben sie dafür, auch wenn sie deshalb niemand mehr mit ihrem Namen Tardar anspricht. Für alle Welt ist sie nur noch Grumpy Cat.

          Da verblasst sogar Georgia May Jagger (hier links beim Fotoshooting für den Opel Kalender): Grumpy Cat hat mehr Follower als das britische Model. Bilderstrecke
          Da verblasst sogar Georgia May Jagger (hier links beim Fotoshooting für den Opel Kalender): Grumpy Cat hat mehr Follower als das britische Model. :

          Oder einfach Grumpy, so nennt sie ihr Manager Ben Lashes, der auf dem Betonboden vor der Cabrio-Tür kniet und mit den Fingern über den Lack kratzt. "TackTack." Er wird später darüber lachen: "Das Team um Grumpy besteht im Kern aus vier Leuten, wenn sie unterwegs ist. Und wenn wir auf unsere Knie gehen müssen, um den perfekten Auftritt hinzubekommen, dann gehen wir auf unsere Knie."

          Ben Lashes trägt schwarz: T-Shirt, Jeans, Schuhe, selbst das Haarband, das ihn irgendwo zwischen Rock'n'Roll und Skater ansiedelt. Nur ist der schwarze Komplett-Look nicht die weiseste Entscheidung in der Hitze der Scheinwerfer.

          In den Filmstudios Potsdam-Babelsberg nimmt Fotografin Ellen von Unwerth den neuen Opel-Kalender auf. Zwölf Motive, Opel-Autos im Wandel der Jahreszeiten. Im, aufoder am Auto räkeln sich Grumpy Cat und Georgia May Jagger, der man ihren Rolling-Stones-Vater schon an den vollen Lippen ansieht. Miss Jagger reist nicht nur mit weniger Personal als Grumpy. Sie hat auch auf Instagram und Twitter nicht so viele Fans wie die Katze.

          Wie vermarktet man eine Katze?

          Seit Grumpy im September 2012 zum ersten Mal auf einem Bild im Internet auftauchte, lieben die Menschen sie. Mittlerweile gibt es Hunderte Memes mit dem mürrisch dreinblickenden Tier, das unter genetisch bedingtem felinem Kleinwuchs leidet, der ihren Gesichtsausdruck erklärt. Unter ihrem Namen gibt es eine Website. Ihre Accounts auf Social Media füttern die Fans mit neuen Bildern und aktuellen Informationen. Und man kann sie buchen. Ben Lashes entscheidet, für wen (und wieviel) sie ihr Grummel-Gesicht hergibt.

          Aber wie, bitte, vermarktet man eine Katze? "Dafür gibt es jetzt keine mathematische Formel", sagt Ben Lashes. Er sei wählerisch bei der Auswahl der Aufträge. "Es kommt da mehr auf das Gefühl an. Meistens weiß ich schon, wenn ich zum ersten Mal mit jemandem rede, ob es sich nach etwas anfühlt, das wir tun könnten. Wir lassen da unser Gewissen entscheiden und fragen uns: Fühlt sich das für uns gut an? Passt es zu Grumpys Charakter? Würde es den Leuten dieses warme Gefühl vermitteln, nach dem wir bei Grumpys Auftritten immer suchen?" Deshalb habe er zehn Mal mehr Angebote für Grumpy abgelehnt als angenommen. Schließlich handele es sich ja um ein Lebewesen. "Sie ist kein Rennwagen, an den man beliebig viele Logos kleben kann."

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