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Mailänder Mode : A la tedesca

Die Prada-Kollektion für Herbst und Winter 2014 Bild: REUTERS

Bertholt Brecht und Prada - wie soll das zusammen passen? Zum Auftakt der Mailänder Modewoche schauen die großen Marken in die Vergangenheit.

          Das fängt ja gut an! In Mailand hat am Mittwoch die Modewoche begonnen, und sie scheint sogleich eine kleine Pause von knapp 20 Minuten eingelegt zu haben. „Act II“ steht zumindest auf der Einladung zur Prada-Schau am Donnerstagnachmittag. Sie knüpft somit an den ersten Akt an, die Schau der Herren im Januar. Schon vor fünf Wochen saßen die Gäste im von Prada eigens aufgebauten Improvisationstheater, mit Rängen, Operngräben, einem Orchester, einer Bühne. Dort steht jetzt zum zweiten Akt im „Teatro Prada“ zur großen Überraschung: eine Deutsche.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Barbara Sukowa, die zuletzt die umtriebige Hannah Arendt und in den achtziger Jahren die Lola in Rainer Werner Fassbinders gleichnamigem Film spielte, kann auch singen, so gut, dass sie die Lieder von Kurt Weill, darunter einige aus der „Dreigroschenoper“, tatsächlich in den Räumlichkeiten einer der führenden Modemarken aufleben lässt, die im Jahr 2013 einen Umsatz von knapp 3,6 Milliarden Euro verzeichnete und weiter nur ans Wachstum denkt. Passt das? Und was wohl Bertolt Brecht dazu gesagt hätte?

          Gucci Bilderstrecke
          Gucci :

          Aber Miuccia Prada war in einem früheren Leben schließlich selbst mal Kommunistin. Der Aufriss am Donnerstag, und, ach ja, die passende Mode dazu, weitere Fassbinder-Referenzen, die Art-Déco-Muster auf Kleidern mit zum Teil überkreuzten Trägern, die Mäntel mit struppigem Lammfellbesatz, die durchsichtigen Sackkleider, Schlabberpullis, die kastigen Jacken wie vom Flohmarkt, die gewagte Farbkombination von Lila zu Rot, und, als einzigen Schmuck, extraschmale flatternde Schals, gehören zu den Requisiten ihrer eigenen Vergangenheit. Es sind mehr als Reminiszenzen. Sie erinnern auch daran, dass heute die persönliche Note eines Modemachers für seine Kollektionen unerlässlich ist. Ein Haus steht und fällt mit dem Erfolg seines Chefdesigners. Dass Einkäufer zögern mögen, ist selbst im kommerziellen Mailand bei einer Kollektion mit eigener Idee und Ideologie erst einmal egal.

          Überhaupt zeigt sich in diesen ersten Tagen der Modewoche, dass sich ein Besuch im Archiv für Marken mit starker Vergangenheit lohnt. Beispiel Gucci: Nach Saisons des Herumexperimentierens zeigt Frida Giannini am Mittwoch eine ausgezeichnete Kollektion, die der Geschichte des Hauses im Hier und Jetzt einen Platz gibt. Die zotteligen Pelze, die Zweireiher aus Mohair, die Puderrosa-, Lindgrün- und Himmelblautöne, die entzückenden Chelsea Boots mit der typischen Horsebit-Schnalle erinnern an die besten Jahre des Hauses, die sechziger und siebziger. Dass die Models in diesen Looks nicht kostümiert wirken, liegt an den Hosen. Die sind aus Leder und, ja, aus Denim. Vor allem aber sind sie hauteng und spiegeln den Aufzug der Gäste in diesen Tagen. Auch Fendi weiß Funktionales mit Elegantem zu mischen und kombiniert Daunen mit Pelz wild durcheinander, lässt übergroße Pelzkapuzen wie Motorradhelme anmuten und zeigt mit Röcken, die an Thermodecken erinnern, wie alltagsnah große Modekunst sein kann.

          Die ersten Tage gehören auch den unabhängigen jüngeren Designern, die vielleicht, wie Giambattista Valli, auf eine Firmengeschichte von gerade einmal knapp zehn Jahren blicken können. An der Via Sant’Andrea hat er nun seinen ersten Laden in Italien eröffnet. Laden? „Es ist ein Haus“, sagt Valli, denn die Räume befinden sich tatsächlich in einem Hinterhaus.

          Da könnte man, wie Miuccia Prada in dieser Saison, gleich wieder auf Berlin kommen – und ist beim vielversprechenden Label Achtland. Das Förderprogramm „Vogue Talents Corner.com“, initiiert von der Chefin der italienischen „Vogue“, Franca Sozzani, und dem Online-Shop Thecorner.com, hat die zwei Berliner Modemacher Thomas Bentz und Oliver Lühr zur Modewoche nach Mailand geholt. „Mit Yoox schaffen wir den Schritt über den deutschen Tellerrand“, sagt Bentz – in einer Saison, da andere Designer in die Richtung schielen.

          Quelle: F.A.Z.

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