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Veröffentlicht: 02.07.2016, 23:33 Uhr

Louis Vuitton „Unser Duft wird kein Parfum du jour“

Louis Vuitton macht neben Mode jetzt auch Parfums. Doch an Couture wagt sich das Pariser Luxushaus nicht heran. Vuitton-Chef Michael Burke erklärt die neueste Erweiterung.

© AP Rampen wie die Kurven eines Körpers: Louis-Vuitton-Schau am MAC-Museum im brasilianischen Niterói im Mai.

Mister Burke, Sie kommen gerade aus Brasilien zurück, wo Louis Vuitton in Niterói die Cruise Collection, eine Zwischenkollektion, gezeigt hat, am MAC-Museum, das Oscar Niemeyer entworfen hat. Wie war’s?

Wunderbar. Ich habe Niemeyer im Jahr 2011, ein Jahr vor seinem Tod, noch getroffen. Nach unserer Schau zu den Olympischen Spielen in Peking wollten wir auch vor Rio de Janeiro 2016 etwas Großes auf die Beine stellen. Schade, dass Oscar das nicht mehr erleben konnte. Aber sein Geist war da.

Wieso aber ausgerechnet dort?

Es muss passen. Und weil Niemeyer mir sagte, er habe die Rampe des Gebäudes wie die Kurven eines Körpers geformt, fand er die Idee einer Modenschau sofort gut.

Brasilien scheint regelrecht modehungrig zu sein.

Ja, sie sind dort sehr fashion forward. Während der Umsatz mit Mode bei Louis Vuitton insgesamt nur im einstelligen Prozentbereich liegt, ist er in Brasilien zweistellig.

Die Orte von Cruise-Schauen sollen immer etwas symbolisieren: Chanel in Kuba, Gucci in der Westminster Abbey. Was wollten Sie aussagen?

Natürlich geht es um die Olympischen Spiele, auch um Südamerika als einen Markt, der wichtiger wird. Aber mit der Schau unterstützen wir auch Brasilien in schwierigen Zeiten und bringen viele ausländische Gäste herbei.

Das Land steckt in einer politischen und wirtschaftlichen Krise.

Genau in solchen Krisenzeiten muss man investieren. Das machen wir immer. Wir denken in langen Zeiträumen. Es geht nicht ums schnelle Business. Wir entwickeln eine enge Beziehung zu den örtlichen Kunden. Auch in China haben wir investiert, als alle meinten, das bringe nichts mehr.

Viele Modemarken machen heute auch Couture, sogar der Herrenschneider Brioni präsentiert sich in drei Wochen bei der Couture-Woche. Warum wagt sich Louis Vuitton nicht in die hohe Schneiderkunst vor?

Zunächst einmal sind wir ein Luxushaus, nicht zuallererst ein Modehaus. Monsieur Louis Vuitton war ja kein Couturier, bei uns ging es zunächst um Reisegepäck. Und überhaupt: Wenn Sie unser Prêt-à-porter sehen, erkennen Sie kaum einen Unterschied zu einer aufwendigen Couture-Kollektion. Aber man sollte nie „nie“ sagen.

40674916 © Louis Vuitton Vergrößern Louis-Vuitton-Chef Michael Burke

Dafür gehen Sie nun ein anderes neues Produkt an: Parfums.

Ja. Und das ist schon viel Arbeit. Vor allem braucht man Mitarbeiter, die in der Branche aufgewachsen sind. So haben wir es auch bei Schuhen, Uhren und Mode gehalten. Bei den Parfums war der Unterschied, dass wir früher schon welche im Angebot hatten.

Das ist lange her. In Ihrer Ausstellung „Volez, Voguez, Voyagez“ im Grand Palais in Paris konnte man es vor kurzem sehen.

Ja, zwischen 1927 und 1946 hat Louis Vuitton vier verschiedene Düfte herausgebracht: sehr fortschrittliche Parfums mit Flakons, die künstlerisch gestaltet waren. Darauf beziehen wir uns natürlich. „Heures d’Absence“ von 1927 - das klingt, als wäre der Name von Marcel Proust erfunden worden. Dann kam im Jahr 1928 „Je, tu, il“ . . .

Ideal für Menschen, die Französisch lernen: So kennt man schon mal die wichtigsten Personalpronomen.

So kann man es auch sehen. Ich meine: Wenn man an die gender fluidity von heute denkt, merkt man, wie modern der Name war. Dann kamen noch „Réminiscences“ und „Eau de Voyage“.

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Trotzdem: Vom Kern Ihrer Marke, also den Lederwaren, sind Parfums ziemlich weit entfernt.

Vorweg muss man sagen: Louis Vuitton ist sehr zurückhaltend, was die Erweiterung der Marke angeht. Auch in diesem Fall. Die Verbindung zu unserem Kerngeschäft besteht schon darin, dass Leder, wenn es aus der Gerberei kam, immer parfümiert wurde. Darf ich einen ganz kurzen Exkurs zu Grasse machen?

Gerne. Sie haben in der Stadt nördlich von Cannes Ihrem Parfümeur ein ganzes Forschungszentrum gebaut.

Aber kaum jemand weiß, wie Grasse überhaupt zur Welthauptstadt des Parfums geworden ist.

Ich nehme an, wegen der vielen Blumenplantagen und besonders der Jasminblüten.

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