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Veröffentlicht: 12.04.2015, 11:59 Uhr

Rimowa Vom Alu-Koffer zum Statussymbol


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Irgendwie sind die Alu-Koffer dann aber immer weiter gerollt. „Das, was wir damals im Jahr an Aluminiumkoffern verkauft haben“, sagt Morszeck, „produzieren wir jetzt an zwei Tagen.“ Heute unterhält der Unternehmer neben der Produktionsstätte in Köln drei weitere Fabriken, in der Tschechischen Republik, in Kanada und Brasilien.

Flagship-Stores in Hongkong und Beverly Hills

Den langen Weg zum Statussymbol bewältigte der Aluminiumkoffer auch dank der Technik, die in ihm steckt - und die stets im Haus blieb. „Natürlich hätten wir auch nach China gehen können und dort Aluminiumkoffer um 60 bis 80 Prozent preiswerter produzieren können. Aber wir hätten unser Know-How verschenkt. Es hätte dann kein halbes Jahr gedauert, und der Markt wäre voll gewesen.“ Statt in China zu fertigen, exportiert das Unternehmen nun in zunehmendem Maß dorthin.

Auch das hat vor allem mit den markanten Rillen zu tun - und mit den markenaffinen Japanern, die das Gepäck in den achtziger Jahren für sich entdeckten und es in den vergangenen Jahren auch im Rest von Asien populär machten. Besonders in China. Vor zwölf Jahren eröffnete Morszeck in Hongkong den ersten eigenen Flagship-Store. „Wir sehen uns heute nicht mehr ausschließlich im Umfeld von Kofferherstellern“, sagt er. „Wir haben 115 eigene Stores.“ Spätestens mit der Eröffnung des Flagships am Rodeo Drive in Beverly Hills war die Richtung klar. Die Mieten seien doppelt so hoch gewesen wie sonst, und dennoch: Schon nach einem halben Jahr konnte das Geschäft kostendeckend arbeiten. Mal ganz abgesehen davon, dass die Marke damit auch auf dem Radar der Hollywood-Prominenz und ihrer Stylisten auftauchte. Wenn Schauspieler wie Willem Dafoe, Jessica Alba oder Michelle Williams ihre Rimowa-Trolleys am Flughafen einchecken, nehmen erst die Paparazzi und später die Leser der Klatschmagazine Notiz von der Marke. Vom Werk in Kanada aus kann Rimowa den amerikanischen Markt, den zweitstärksten nach Deutschland, zollfrei beliefern. In Brasilien werde hauptsächlich der Bossa Nova gebaut, eine kleine Linie in Jet-Grün mit Lederapplikationen, sagt Morszeck. In Köln konzentriere man sich auf Aluminium, in der Tschechischen Republik vornehmlich auf Polycarbonat.

Den leichten, aber zähen Kunststoff entdeckte Morszeck durch Zufall. Begeistert wie kleine Kinder seien er und seine Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung gewesen, als sie auf die ersten Schalen sprangen und das Material anschließend einfach in die ursprüngliche Form zurückploppte. Morszeck investierte alles, was er hatte. Und gewann. Er bot neuen Kunden mit einem neuen Produkt einen Einstieg in die Marke, auch in Ländern wie Thailand oder Kambodscha, in denen zunächst vor allem Polycarbonat gekauft wurde - und mittlerweile zunehmend Aluminium gekauft wird.

Knapp zwei Stunden hat Morszeck erzählt, nun geht es wieder ans Packen. „Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihren Koffer gepackt, fahren zum Flughafen und müssen sich in eine Schlange stellen. Dabei geht es doch eigentlich darum, das Reisen zu vereinfachen.“ Deshalb arbeitet Rimowa nun mit Airbus zusammen. Das Projekt heißt Bag2Go. „Es wird in naher Zukunft ein System geben, mit dem Sie Ihren Koffer schon zu Hause einchecken können, zum Flughafen fahren und den Koffer dann recht einfach aufgeben.“ Alles andere sei bald zu aufwendig. Und Aufwand soll man schließlich mit Statussymbolen nicht haben.

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