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Recycelte Pullover : Aus alt mach nicht so einfach neu

  • -Aktualisiert am

Zweites Leben: Daniele Fiesoli arbeitet mit recyceltem Kaschmir. Bild: Hersteller

Kaschmirwolle wird immer beliebter, und es gibt sie schon richtig günstig, auch in den Zaras und H&Ms dieser Welt. Was Kunden freut, ärgert leider die Umwelt. Gute Ideen zum Recycling schon getragener Pullover sind dringend gesucht.

          Winterschlussverkauf: Neben den Trendartikeln der Saison, Karomuster, Stücken aus Samt, arktischen Parkamänteln, sieht man jetzt auf den Stapeln in den Läden der Modeketten Kaschmirpullover. Bei H&M, bei Uniqlo, bei Zara. Nun, zum Ende des Winters sind sie schon schnell mal ab 30 Euro das Stück zu haben. Diese Stapel zeigen vielleicht ein anderes Bild, aber Tatsache ist, dass die Nachfrage nach Kaschmir in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist.

          Die Wolle hat eine besonders hohe Wärmerückhaltfunktion, sie ist also praktisch. Und angenehm zu tragen. Zugleich ist die feine, besonders weiche Wolle längst kein Luxusprodukt mehr, sondern, oft in minderer Qualität, auch in Billigsegmenten zu finden. Und, das ist nun mal der Kreislauf, wenn es um Bekleidung geht, je mehr Angebot da ist, desto mehr Ausschussware und Abfall gibt es auch anschließend. Wenn sich immer mehr Menschen günstige Pullover statt aus kratziger Wolle aus Kaschmir kaufen, dann werden diese irgendwann abgetragenen Teile auch so aussortiert, als wären es billige T-Shirts. Nur handelt es sich dabei eben um eine besonders wertvolle Ressource.

          Denn im Gegensatz zu normaler Wolle, bei der das Schaffell mehrmals im Jahr komplett geschoren werden kann, wird für die Kaschmirwolle nur einmal im Jahr zum Fellwechsel das feine Unterhaar der Kaschmirziege ausgekämmt. Etwa 150 Gramm gibt eine Ziege. Für einen Pullover wird das Haar von etwa drei bis fünf Ziegen gebraucht. Zum Vergleich: Das geschorene Fell eines Schafs reicht für bis zu fünf Pullover – die Kaschmirproduktion erfordert also einen viel höheren Ressourcenaufwand als ähnliche Textilien. Und sie ist auch deswegen umweltbelastend, weil die Tiere, die vor allem in China und der Mongolei gezüchtet werden, das Gras mit der ganzen Wurzel ausreißen und mit den scharfen Hufen den Grund aufwühlen – zurück bleibt ein Boden, der nicht mehr bewirtschaftbar und für Erosion anfällig ist.

          Wiederverwertung der Luxusfaser

          Das sind die unangenehmen Fakten. Angesichts der ökologischen Folgen der Kaschmirhaltung und der von der Modeindustrie immer wieder heraufbeschworenen baldigen Kaschmirknappheit würde ein effizientes Wiederverwerten für die Luxusfaser naheliegen. Wenn Recycling in der Mode schon längst ein wichtiges Stichwort ist, dann müsste das doch auch bei Kaschmir eine Rolle spielen.

          Sucht man nach recyceltem Kaschmir, finden sich im Internet zunächst Anleitungen, wie man alte Kaschmirteile zu Accessoires oder Kuscheltieren näht. Das bieten mittlerweile auch kleine Manufakturen an, wie etwa Turtle Doves oder Belinda Robertson aus Großbritannien. Der Kunde kann alte Pullover zur Umverarbeitung einschicken. Daraus werden dann Handschuhe oder Stulpen.

          Aber allmählich setzt auch auf industrieller Ebene ein Nachdenken über die Wiederverwertung von Kaschmir ein. So gehörte zu den ersten das britische Unternehmen Marks & Spencer, das 2011 mit Hilfe von Oxfam in deren Läden ausgetragene Kaschmirbekleidung gesammelt und in italienischen Spinnereien zu neuem Stoff für Mäntel gemacht hat.

          Auch Ketten wie Hessnatur, Marc O’Polo, Patagonia oder Arket bieten mittlerweile Pullover und Accessoires an, die aus recyltem Kaschmir hergestellt sein sollen. Schaut man allerdings genauer hin, so besteht das genutzte Material nicht aus Altkleidung, sondern aus Verschnitten aus Textilfabriken, die in italienischen Spinnereien neu verarbeitet werden. Das hat auch finanzielle Gründe, so weiß es Giusy Bettoni, Geschäftsführerin von „Creativity, Lifestyle and Sustainable Synergy“ (kurz: Class), eine Organisation, die eine Handvoll Spinnereien in Norditalien mit dem Siegel Re.Verso zertifiziert.

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