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Jil Sander in Frankfurt : Die Schau und die Scheue

Der Mode ganz nah: Die ersten Besucher in der Ausstellung am Freitagabend. Bild: Helmut Fricke

Modedesigner locken überall auf der Welt Scharen von Besuchern in die Museen. Schafft es das Frankfurter Museum Angewandte Kunst mit Jil Sander?

          Ihr Auftritt am Donnerstagvormittag in Frankfurt erinnert an damals nach ihren Schauen in Mailand. Nachdem das letzte Model zum Finale vom Laufsteg Richtung Backstage abgetreten war, stand Jil Sander für gewöhnlich von einem Moment auf den anderen dort. Sie zeigte sich dann kurz den Fotografen, und weg war sie schon wieder. Sollten sich andere tief verbeugen oder gar ein paar Meter über den Laufsteg schreiten. Ihr Ding war das nie.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist die Frau Jil Sander schon länger nicht mehr an dem Haus Jil Sander tätig. Vor vier Jahren um diese Zeit verließ sie es zum dritten Mal in ihrer Karriere. Am Donnerstagvormittag aber erinnert ihr Auftritt trotzdem an damals. Auf der zweiten Etage des Frankfurter Museums Angewandte Kunst (MAK) haben sich etliche Fotografen und Journalisten versammelt, dann kommt die Modedesignerin um die Ecke. Dunkelblauer Strickpullover, dunkle Hose, so wie damals, wie immer. Dazu trägt sie eine Sonnenbrille auf der Nase. Sie schaut kurz in die Kameras, streckt die Arme hoch. Und weg ist sie wieder. Es ist der typische, scheue Jil-Sander-Auftritt. Nur, hier geht es um mehr als damals nach ihren Schauen. Es ist die überhaupt größte Schau dieser Designerin, und sie ist ihrer eigenen Person gewidmet. Seit gestern zeigt sie das Frankfurter Museum Angewandte Kunst, und Jil Sander hat daran in den vergangenen Monaten kräftig mitgearbeitet.

          Eine Einzelausstellung über eine prominente Figur aus der Mode. Mit dem Konzept locken Museen überall auf der Welt gerade Scharen in ihre Häuser. Wer zum Beispiel dieser Tage die Dior-Ausstellung im Musée des Arts Décoratifs in Paris sehen will, muss sich nicht nur an Wochenenden hinten anstellen, also Hunderte Meter weit vom Eingang entfernt. Vor den Türen des neuen Yves-Saint-Laurent-Museums der Stadt sieht es nicht besser aus, Besucher brauchen hier sogar noch mehr Geduld. Und das Victoria & Albert Museum in London zeigt in diesem Herbst das Werk des spanischen Couturiers Cristóbal Balenciaga. An die Besuchermenge, die vor zwei Jahren durch die Räume zur Ausstellung über Alexander McQueen zog, wird das Haus trotzdem nur schwer herankommen. 480 000 verkaufte Tickets waren es innerhalb von fünf Monaten, die am besten besuchte Ausstellung in der Geschichte des Museums.

          Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen. Bilderstrecke

          Kurz vor Schluss gab es sogar Zeitslots für mitten in der Nacht, zwischen 22 und 5.30 Uhr morgens. Es handelte sich dabei ja auch um jene legendäre Schau, die 2011 im New Yorker Metropolitan Museum (Met) zu sehen war (674 000 Tickets) und damit überhaupt erst das Konzept der Ausstellung über einen Modedesigner auf ein neues Blockbuster-Niveau gebracht hat, mit Warteschlangen um die Straßenecken. Klar gibt es seit Jahrzehnten Modeausstellungen, in jenem New Yorker Met etwa, seit die ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“, Diana Vreeland, dort 1973 als Beraterin anfing. Aber Mode im Museum, das war zugleich lange Zeit ein schwieriger Fall. Mode will getragen und nicht hinter Glaskästen konserviert werden. Mode im Museum, das könnte allerdings ebens0 gerade deshalb funktionieren. Da sie ihren Platz im Leben der Menschen selbstverständlicher hat als, sagen wir, die Alten Meister.

          „Man wusste, man zieht es an und ist gewappnet“

          Die vage Vorstellung, die man schon von einem Modemacher habe, bevor man in die Ausstellung gehe, sei ein Grund für den Erfolg in Museen, sagt auch Matthias Wagner K, Direktor des Frankfurter Museums Angewandte Kunst und verantwortlich für die Schau über Jil Sander. Seit fünf Jahren ist er hier tätig, Jil Sander habe von Beginn an ganz oben auf seiner Liste für eine Ausstellung gestanden. Vor anderthalb Jahren habe man sich dann zum ersten Mal getroffen. Matthias Wagner K bot Jil Sander nicht etwa eine Etage, sondern das gesamte Haus an, für die Gestaltung einer Ausstellung, die jene vage Vorstellung für Besucher konkretisieren sollte. Besonders Frauen, die mit der Designerin aufwuchsen, dürften sich angesprochen fühlen. Jene, die Jil Sander in den achtziger und neunziger Jahren einkleidete, als diese auf dem besten Weg waren, sich in der noch stärker von Männern dominierten Welt zu behaupten.

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