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Jette Joop : Mehr als nur die Tochter

Jette Joop in ihren Arbeitsräumen am Berliner Kurfürstendamm. Im Hintergrund ihre Designzeichnung aus dem Studium in Pasadena. Bild: Matthias Lüdecke

In Berlin dreht sich dieser Tage wieder alles um Mode. Seit 20 Jahren schon hält Jette Joop der Stadt die Treue. Sie ist eine der Top-Adressen in der deutschen Designbranche. Vom Geschäft hatte sie anfangs kaum Ahnung.

          Zwei Nächte hatte sie nun schon durchgearbeitet. Sie hatte Dutzende Ideen gehabt, hatte sie erst in einige Skizzen und dann in eine fertige Zeichnung gepackt. Schließlich stand sie mit ihrem Werk an dieser langen Bilderwand. 1992 war das, am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena. Jette Joop war nervös und aufgeregt. Ihr Professor kam den Flur entlang. Er sah sich die Arbeiten seiner Schüler an. Eine nach der anderen. Kommentare und Kritiken, Tipps, Hinweise und Verbesserungsvorschläge. Als er vor ihr Stand, blickte er lange auf das Werk. Ein großer weißer Karton, auf dem war in lockeren blauen Strichen eine Art Rennwagen skizziert. Das Thema: Ein Auto der Zukunft. Peter Bradley schüttelte den Kopf. Er riss das Blatt von der Wand und sagte nur: „Noch mal.“ Henriette, genannt Jette, Joop hatte eine weitere schlaflose Nacht.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich hatte einfach kein Benzin im Blut“, erklärt sie ziemlich genau 25 Jahre später. Pasadena sei eine harte Schule gewesen. Und wie das mit harten Schulen so ist: Sie war gut. Je härter, desto besser. Das zahlte sich aus. Heute ist Jette Joop in Deutschlands Designbranche eine der Top-Adressen. Sie machte in Amerika ihren Abschluss, wurde Industriedesignerin und war nun auf vieles vorbereitet: für Ideen und Skizzen, für den Job, aber noch nicht fürs Geschäft.

          Jette Joop sitzt im Besprechungszimmer ihres Büros. Berlin, Ku'damm, ein restaurierter Altbau. Treppenhaus, zweiter Stock, eine schwere hohe Tür. Poliertes Parkett, viel Stuck an der Decke und weißgetünchte Wände. Weiße Tische, weiße Stühle, weiße Teller und Tassen. In der Ecke des Raums steht ein alter dunkler Kachelofen. Aus Porzellan, aufpoliert und blankgeputzt. Ein Stück aus der Gründerzeit, ein Kontrapunkt in einem durchgestylten Ambiente.

          Jette Joop während ihrer Kampagne mit Aldi-Süd

          Ihr Name ist eine Marke, das Geschäftsmodell ist der Verkauf von Lizenzen. Vom Schmuck bis zum Kinderwagen, vom Schuh bis zur Uniform, vom Einfamilienhaus bis zum Parfüm hat sie so gut wie alles entworfen, was man sich vorstellen kann. Im vergangenen Jahr arbeitete sie mit Aldi, zwei Jahre zuvor mit der Telekom. Rewe, AS Creation, Coty und Douglas, WMF, Otto, Katag, Christ und Griffwerk stehen auf ihrer Partnerliste. Derzeit beschäftigt sie sich mit Möbeln und Künstlicher Intelligenz.

          Sie redet vom "sprechenden Kleiderschrank. Das wäre doch 'ne tolle Nummer, wenn der einem sagt, was man heute tragen kann." Sie blickt weit nach vorn und spricht viel vom Gestern. 2017 wurde ihre Firma zwanzig Jahre alt. Als sie Mitte der neunziger Jahre wieder nach Deutschland kam, habe sie erst ein wenig rumexperimentiert. Mit Silber und Gold. Sie fertigte Schmuck, hatte viel Aufmerksamkeit, aber wenige Kunden. Ihr Familienname war bekannt und öffnete Türen, doch keine Kassen. Jette wollte mehr als nur die Tochter eines berühmten Vaters - des Modedesigners Wolfgang Joop - sein.

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