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Jack Heuer im Gespräch : „Zur richtigen Uhr gehört das passende Auto“

  • Aktualisiert am

Trägt auch der Chef: Die TAG Heuer Carrera Calibre 1887 hat Jack Heuer vor 50 Jahren selbst konstruiert. Zum Jubiläum gibt es ein Sondermodell mit seiner Unterschrift auf der Rückseite Bild: Dieter Rüchel

Jack Heuer, 80 Jahre alt und Ehrenpräsident der Marke TAG Heuer, spricht im Interview über Pünktlichkeit, die Uhr von Barack Obama und den Trick, wie seine Modelle in Hollywoodfilme kommen.

          Jack Heuer, 80, kommt 25 Minuten zu spät zum Interview. Das ist die eigentliche Sensation, denn das passiert ihm sonst nie. Von seinem Wohnort Bern nach La Chaux de Fonds oberhalb des Neuenburger Sees, dem Sitz der Luxusuhren-Schmiede TAG Heuer, dauert es gewöhnlich nicht länger als eine Stunde. Aber heute ist die Straße entlang des Sees durch einen Unfall blockiert, und Heuer, Urenkel des Firmengründers, muss sein erstes ungeschriebenes Gesetz brechen, das da lautet: „Ich bin immer pünktlich!“ Sein Zuspätkommen ist ihm äußerst unangenehm.

          Herr Heuer, warum ist Ihnen Pünktlichkeit so heilig?

          Erziehung. Meine Schwester war allerdings nie so krankhaft pünktlich wie ich. Es gibt Leute, bei denen spielt plus minus zehn Minuten keine Rolle. Mein Vater, ein Kavallerie-Brigadier, war so pünktlich, dass man gar nicht pünktlicher sein kann. Punkt acht Uhr fünfzehn fuhren wir weg, nicht um viertel nach acht. Das ist mir geblieben. Ich werde halb krank, wenn ich einen Termin habe und ich nicht auf die Minute dort sein kann. Für die Menschen heute spielt die Zeit keine Rolle mehr. Die neue Generation ist Handy-orientiert, die Zeit ist überall.

          Sie sagen es: Man braucht heute keine Uhr mehr, um zu wissen wie spät es ist.

          Um 2005 herum hat man die Uhr als Statussymbol entdeckt. Auf der ganzen Welt kann man die Menschen am Wochenende kaum noch an der Kleidung unterscheiden, sie sind alle gleich leger gekleidet. Angefangen hat das interessanterweise in Japan. Dort tragen im Büro alle einen dunklen Anzug, weißes Hemd, dunkle Krawatte. Nur durch die Bücklinge, also den Grad der Verneigung, konnte man sich noch unterscheiden. Der Chef macht nur so (Heuers Finger seiner linken Hand sind leicht gebeugt), der Sous-Chef macht so (Finger deutlicher gebeugt), der Vorarbeiter macht so, und der Nobody macht den ganzen Bückling. Und dann haben einige japanische Direktoren angefangen, sich die Maßhemden am linken Ärmel kürzer schneidern zu lassen, damit auch jeder die teure Uhr sehen kann.

          Gemäß dem Motto: Zeig mir deine Uhr, und ich sage dir, wer du bist?

          Ja, ein bisschen stimmt das.

          Jack Heuer, Ehrenpräsident der Uhrenmarke TAG Heuer
          Jack Heuer, Ehrenpräsident der Uhrenmarke TAG Heuer : Bild: Hersteller

          Ist es nicht ziemlich neurotisch, den eigenen Wert an einem Ding wie einer Uhr festmachen zu wollen?

          Jein! Das ist die Entwicklung. Schauen Sie, ich habe 25 Jahre darum gekämpft, dass die Chronographen genauer gehen. Heute können wir mechanisch die Zehntausendstelsekunde messen. Mein ehemaliger Vorstandspräsident hat einmal in Bern den Zug für eine Verwaltungsratssitzung verpasst und kam eine halbe Stunde zu spät. Er war wütend auf mich. „Deine Uhr ist seit letzten Freitag eine Minute zu langsam“, sagte er zu mir. Heute fragt im Geschäft kein Mensch mehr, ob die Uhr genau geht. Die Leute fragen: Ist das wirklich Gold? Sind es 14 oder 18 Karat, oder ist es nur Plaqué?

          Es galt mal der Satz: Der Mann von Welt braucht nur drei Accessoires - einen Ledergürtel, handgenähte Schuhe und die richtige Uhr. Gilt das heute noch?

          Hat schon was für sich. Wenn ich einen Menschen beurteile, fange ich bei der Uhr an, und dann schaue ich sofort auf die Schuhe. Ich habe mir vor zwei Wochen den kleinen Zeh gebrochen, deswegen erlaube ich mir heute, einen offenen Krankenschuh zu tragen. Sie mögen entschuldigen ...

          Welche Uhr tragen Sie heute und warum?

          Heute trage ich die neueste Carrera Calibre 1887, deren 50. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Ich habe bei der Entwicklung der Uhr mitgeholfen, sie trägt auf der Rückseite meine Unterschrift und das Familienwappen. Dieser Chronograph sagt über mich, dass ich ein sportlicher Kerl bin, zumindest war ich es früher; dass ich mir diese komplizierte Uhr leisten kann; aber ich lebe nicht im übertriebenen Wohlstand, weil sie nicht aus Gold ist.

          Sie tragen eine Uhr mit weinroten Applikationen auf dem Ziffernblatt, perfekt abgestimmt auf Hemd, Krawatte und Pullunder. Mit 80 Jahren immer noch eitel?

          Auch das kommt von meinem Vater. Er war ein bisschen ein Geck. Er war klein, deshalb wollte er immer gut aussehen. Ich habe das von ihm geerbt. Ich wurde erzogen, dass man in Maßanzügen herumläuft, und ich habe das auch bis zur Krise durchgezogen. Dann war Schluss damit.

          Sie meinen die Quarz-Krise Anfang der achtziger Jahre, bei der das Familienunternehmen Heuer seine Eigenständigkeit aufgeben musste.

          Die Firma befand sich in einem Prozess des unfriendly takeover, und ich habe dabei leider alles verloren. Wenn man einmal so zerstört wird, dann passt man danach besser auf. Ich war in der zweiten Periode meines Berufslebens sicher überlegter und zurückhaltender. Wenn man bedenkt, dass ich mit 50 wieder bei Null angefangen habe, bin ich schon stolz drauf, was wir erreicht haben. Für meine Autobiographie habe ich jetzt eine Kiste geöffnet, in der die ganzen Unterlagen der Übernahme von 1982 waren. Übernahme ist ja ein schöner Euphemismus dafür. Ich hatte bis jetzt, also 30 Jahre später, nicht den Mut, mir das anzusehen. Die Schmerzen sind abgeklungen, die Narben bleiben.

          Der Legende nach waren Sie einer der ersten, die nach Amerika gingen, um Uhren mit dem Hollywood-Glamour aufzuladen. Sie haben aus einem profanen Zeitmesser einen Mythos gemacht. Wie ging das?

          Hollywood ist eine spezielle Geschichte. Ich habe Ende der fünfziger Jahre die Heuer-Filiale in New York gegründet und als Erstes die Branchenkollegen besucht. So auch den Direktor von Rolex USA. Der hatte ein Büro an der Fifth Avenue, und der ganze Treppenaufgang war bepflastert mit großformatigen Bildern von berühmten amerikanischen Filmstars. Und alle waren sie dem Chef gewidmet. Das hat mich ziemlich beeindruckt. Er hat stolz erzählt, dass er einen eigenen Prop-Master in Hollywood hat. Ich fragte, was ist ein Prop-Master? Er lachte mich aus. Erst mit einem eigenen Product-Placement-Manager kamen die ersten großen Stars wie Jack Lemmon, Burt Reynolds oder Charlton Heston zu uns, die in ihren Filmen gratis eine Heuer getragen haben.

          Und dann kam Bo Derek und sorgte im konservativen Uhrengeschäft für einen handfesten Nacktskandal.

          Das stimmt. Auch heute noch mit über 50 ist sie eine wunderschöne Frau. Wissen Sie, was ein Hobie Cat ist? Das ist ein kleines Katamaran, das man selbst zusammenbauen kann. Ein damals berühmter Hippie, der das allererste Surfboard aus Fiberglas entwickelt hatte, wollte in ganz Amerika Regatten für Hobie Cats organisieren. Und er wollte, dass wir in das Projekt einsteigen. Nach dem Meeting auf dem Weg zurück zum Flughafen nach Los Angeles erzählte mir sein Marketingmanager, dass er seiner Tochter gerne zum Geburtstag eine Uhr schenken wolle und ob ich da was arrangieren könne. Das tat ich dann auch. Wie sich später herausstellte, war das der Vater von Bo Derek. Ich habe dann lange nichts gehört, und irgendwann kriege ich eine Weihnachtskarte mit drei Bildern von Bo Derek. Ihr Ehemann John, er hatte sie mit dem Film „Zehn - Die Traumfrau“ gerade weltberühmt gemacht, hatte sie fotografiert. Sie lag splitterfasernackt im Wüstensand hinter Las Vegas, bekleidet nur mit unserer Taucheruhr am Handgelenk.

          Heute werben eine ganze Reihe hochkarätiger Prominenter für Ihre Marke. Leonardo di Caprio, Cameron Diaz oder Indiens Nationalheld Shah Rukh Khan, um nur die Berühmtesten zu nennen. Mal ehrlich: Wird deswegen auch nur eine Uhr mehr verkauft?

          Neulich erzählte mir ein Händler folgende Geschichte: Ein Mann kommt mit seiner Frau in den Laden und sagt, er möchte gerne die TAG-Heuer-Uhren sehen. Als er alle gesehen hat, ist er immer noch unentschlossen. Dann sagt die Frau: „Sag’s ihm doch, du willst die di-Caprio-Uhr!“ Die Leute kennen nicht das Modell, aber sie wissen, wer sie trägt. Eine gute Quittung für uns, dass die Botschaft wirkt. Der Kampf um die Marktanteile ist pickelhart, und dann versucht man alles, um sich von den Konkurrenten abzusetzen. Zumindest auf dem Niveau der fünf, sechs größten Uhrenfirmen geht das über Aufmerksamkeit und Prominenz. Zu meiner Zeit hat man fünf Prozent vom Umsatz in die Werbung gesteckt, heute sind es mindestens 20 Prozent. Gigantische Zahlen.

          Selbst Obama trägt eine TAG Heuer. Wie haben Sie das geschafft?

          Was der amerikanische Präsident trägt, ist natürlich sehr wichtig. Da schauen Millionen drauf. Obama hat sich selbst vor vielen Jahren eine TAG Heuer gekauft, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde. Als er dann Präsident wurde, musste er eine spezielle Uhr vom Secret Service tragen. Aber kürzlich hat er sie wieder angehabt. Und Vize-Präsident Joe Biden ist auch bekennender TAG-Heuer-Träger.

          Sie müssen erstklassige Verbindungen zu den Mächtigen haben.

          Nichts da. Beide kaufen am offenen Markt, von uns haben sie nichts geschenkt bekommen. Obama hat das Vorgängermodell der Aquaracer 1500, eine sportliche Uhr, nicht zu teuer, ungefähr 2000 Dollar. Wir wissen aus guten Quellen, er wollte genau diese Uhr unbedingt haben, und er hat sie auch selbst bezahlt.

          Bilderstrecke
          Jack Heuer : Uhren-Rätsel

          Dürfen Sie mit Obama werben?

          Offiziell nicht, aber wenn er sie trägt, ist das natürlich eine schöne Mund-zu-Mund-Propaganda für uns. Bobby Kennedy war in den Sechzigern ein begeisterter Läufer, und er hatte eine Joggingstrecke rund um das Weiße Haus. Als sich das herumgesprochen hatte, sind ihm Tausende junger Leute nachgelaufen. Er stand weltweit für Fitness, also organisierten wir in der Schweiz einen Preis, Kennedy wurde gewählt, und über den Generalkonsul in New York haben wir ihm eine goldene Carrera übergeben lassen. Er hatte nicht lange Zeit, sie zu tragen, sechs Monate später wurde er erschossen.

          Das beste Beispiel für gelungene Testimonial-Werbung dürfte immer noch Steve McQueen sein. Bei den Dreharbeiten zu dem Rennfahrerfilm „Le Mans“ von 1970 trug er eine Monaco aus Ihrem Hause, die Uhr ist seitdem Kultobjekt. Haben Sie McQueen persönlich kennengelernt?

          Ich habe ihn leider verpasst. Ich war eingeladen nach Le Mans zum Dreh. Sie hatten mir extra ein Flugzeug nach Paris geschickt, um mich abzuholen. Leider war es Steves freier Tag. Dafür habe ich mit der schönen deutschen Schauspielerin Elga Andersen, McQueens Affäre in dem Film, in einem großen weißen Zelt auf dem Renngelände zu Mittag gegessen. Wer mit einer schönen Frau essen gehen darf, der kann auch Steve McQueen verschmerzen.

          Es heißt, in Ihren jungen Jahren seien Sie ein ähnlicher Draufgänger gewesen wie McQueen. Stimmt die Geschichte, dass Sie Ihren privaten Porsche zu Schrott gefahren haben?

          Insgesamt waren es zwei. Zwei 911er. Das war halt damals so Ende der Sechziger. Einen hatte ich von Jo Siffert gekauft, er war der erste Rennfahrer, der von uns gesponsert wurde. Porsches hatten damals hinten noch eine Starrachse. Wenn die weggeht, ist es schwierig, das Auto aufzufangen. Das ist mir zweimal passiert. Einmal hat es mich gedreht, und ich bin gegen eine Mauer. Das zweite Mal bin ich am Flugplatz in Genf aus der Kurve ausgebrochen, da war die ganze Karosserie gestaucht. Beide Male bin ich ausgestiegen und hatte nichts. Das war mir eine Lehre. Danach habe ich aufgehört mit den Porsches.

          Siffert war ein überaus populärer Schweizer Rennfahrer. Wie funktionierte Ihre Geschäftsbeziehung: Sie gaben ihm Uhren, er Ihnen Porsches?

          Er bekam damals ein 25.000-Franken-Salär von uns und das Recht, die Uhren zum Einkaufspreis zu bekommen. Er war ein geborener Händler. In den drei Jahren, in denen er bei uns unter Vertrag stand, hat er praktisch an alle Rennteams Heuer-Uhren verkauft. Als sein Vertrag verhandelt war, sagt er zu mir: Aber Jack, du kannst doch nicht in einem Alfa herumfahren, wenn ich Porsche-Werksfahrer bin? Zur richtigen Uhr gehört das passende Auto. Da hatte er recht. Ist bis heute so.

          Unsere schnelllebige Zeit macht krank, klagen Mediziner, Psychologen und Wissenschaftler. Stress-krankheiten und Depressionen nehmen zu. Waren Sie selbst je gestresst durch die Zeit?

          Ich würde behaupten, dass SMS und speziell E-Mails einen unglaublichen Stress verursacht haben. Sachen, die man normalerweise am nächsten Morgen hörte, kriegt man heute sofort mit. Die heutigen Geschäftsleute schauen doch selbst vorm Schlafengehen noch schnell ins Internet. „Uuuh, was will der Chef schon wieder?“ Früher hatten wir ruhige Nächte, das ist vorbei. Als Chef ist es natürlich super, weil der selbst im Urlaub einmal am Tag seinen Adlaten sagen kann, was sie zu tun haben. Die Untergebenen dagegen sind immer unter Druck. Es ist fast unmöglich geworden, die Zeit, die jeder von uns hat, beherrschen zu können. Die Zeit beherrscht uns.

          Hat der Miterfinder der Stoppuhr einen Tipp für ein bisschen Entschleunigung und Seelenhygiene?

          Mein Sohn hat angefangen zu laufen, dreimal die Woche, er ist auch schon Marathon gelaufen. Das scheint zu helfen gegen den Stress. Ich geh auch mit zwei künstlichen Kniegelenken lieber Skifahren oder Langlaufen.

          Was machte Ihren Unternehmergeist aus?

          Meine Innovation war meine Spürnase. Die hatte ich von Anfang an.

          Ist die ähnlich gut wie die von Bernie Ecclestone, mit dem Sie seit vierzig Jahren in der Formel 1 Geschäfte machen?

          Bernie ist auch eine Nase, das stimmt (lacht).

          Wie ist Ihr Verhältnis?

          Recht gut. Ich habe ihn vor drei Monaten in Gstaad gesehen mit seiner dritten Frau. Er ist mir in der Apotheke über den Weg gelaufen und wir haben ein bisschen gequatscht. Ich kenne ihn seit 1969, er war noch ein Gebrauchtwagenhändler. In der Garage vor seinem Büro hatte er schon damals zwei Bodyguards sitzen. Heute ist er der Herrscher der Formel 1. Unglaublich.

          Entdecken Sie Parallelen zwischen Ihnen beiden?

          Nein, denn er war viel mehr Schlitzohr als ich. Ein pickelhartes Schlitzohr. Dafür war ich zu ehrlich, zu brav, zu gut erzogen. Etwas später hat er seinen ersten Rennstall gekauft, Brabham war ja pleite, und 1974 habe ich ihm die Formel-1-Zeitmessung als Prototyp vorgeführt. Er hat zu mir gesagt: „Jack, das ist sensationell. Du kannst das jetzt in der ganzen Welt für mich machen.“ Ich habe zu ihm gesagt: „Bernie, dann musst du dafür zahlen.“ Da hat er gesagt: „Das kommt nicht in Frage.“ Dann musste ich sagen: „Tut mir leid, das kommt für mich nicht in Frage. Dafür brauche ich zehn bis zwölf Leute, ich bin eine kleine Firma, das geht nicht.“ Es hat dann noch mal fast zwanzig Jahre gedauert, bis TAG Heuer 1992 als offizieller Zeitnehmer in die Formel 1 eingestiegen ist. Sein Geschäftsmodell hatte er schon in jungen Jahren gefunden: Alle müssen gratis arbeiten. Wenn einer kassiert, dann er. Ist heute noch so.

          Verdient er dafür Ihre Bewunderung oder Ihren Spott? Demnächst muss er sich vor einem deutschen Gericht wegen Untreue und Bestechung verantworten. Die Ära Ecclestone könnte kurz vor ihrem Ende stehen.

          Ich sehe das salopp. Es gibt viele Kerle, die steinreich geworden sind, das habe ich nicht geschafft. So what! Dafür habe ich nicht meine dritte Frau, sondern bin ich seit 50 Jahren immer noch mit der ersten verheiratet. Ich habe mein Glück anders gefunden. Geld hilft beim Glücklichwerden eh nicht.

          Dass Ihre drei Kinder nicht ins Unternehmen eingestiegen sind, macht Sie dennoch ...

          ... traurig. Es ist jetzt eben kein Familienunternehmen mehr. Aber so ist das Leben.

          Am 18. November, dem Tag vor Ihrem 81. Geburtstag, werden Sie das Unternehmen nach über sechzig Jahren endgültig verlassen. Und dann? Angst vor der vielen Zeit, die Ihnen noch bleibt?

          Nein, in meinem Alter schläft man viel. Ich halte heute regelmäßig ein Mittagsschläfchen, was ich mein ganzes Leben nie tat. Ich liebe Bücher über das Leben von interessanten Leuten. Die Biographie über Steve Jobs war eine große Freude. Ich habe dieses verrückte Leben im Silicon Valley zehn Jahre vor ihm ja selbst erlebt.

          Es gibt einen berühmten Film über zwei Rentner, gespielt von Jack Nicholson und Morgen Freeman, die am Ende Ihres Lebens eine Liste mit den letzten Dingen abarbeiten: Fallschirmspringen, Großwildjagd, eine Schönheitskönigin küssen. Haben Sie auch so eine „Bucket List“?

          Das Tolle an meinem Beruf ist, dass ich viele Highlights erleben durfte, die ein Normalsterblicher nie erleben wird. 1971 konnte ich direkt hinter Olympiasieger Jean-Claude Killy die Weltcup-Abfahrt von St. Moritz runterfahren. Ich durfte einmal allein drei Runden in einem Formel-1-Wagen drehen oder 2007 konnte ich in einem nagelneuen Ferrari auf der Hauptgeraden der Rennstrecke in Le Castellet so schnell fahren wie ich konnte. Es waren exakt 234 Stundenkilometer, da war ich 75. Ich bedauere die Leute, die mit 60 oder 65 aufhören und nicht wissen, was sie tun sollen. Ich bin sehr glücklich, dass ich bis 80 arbeiten durfte. Wenn Sie immer gefordert sind, hilft es, die Demenz in Schach zu halten (lacht).

          Die Fragen stellte Thilo Komma-Pöllath.

          Die Autobiographie von Jack Heuer „The Times Of My Life“ erscheint Anfang 2014.

          Quelle: F.A.S.

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