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Galeristensohn Lucas Zwirner : Merchandising mit intellektuellem Anspruch

Junger Mann heute: Unser Fotograf porträtierte Lucas Zwirner, 24 Jahre nachdem er seinen Vater fotografiert hatte. Bild: Tobias Everke

David Zwirner gehört zu den großen Galeristen. Sein Sohn könnte ihm helfen, noch wichtiger zu werden. Eine Begegnung mit Lucas Zwirner in New York.

          Er nennt ihn nicht Papa, er redet auch nicht von seinem Vater. Wenn Lucas Zwirner mit seinem Vater David Zwirner spricht, dann sagt er David. Er sagt das nicht einfach so, und er hat darin bis jetzt keine große Sache gesehen. „Ich dachte immer, das ist bestimmt etwas Deutsches, den Vater nicht Papa zu nennen“, sagt Lucas Zwirner. „In Amerika nennt ja kein Mensch seine Eltern beim Vornamen.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lucas Zwirner, 26 Jahre alt, Sohn von Monica und David Zwirner, in New York geboren und aufgewachsen, spricht ein Deutsch, als käme er aus Köln. Das ist die Heimatstadt seines Vaters, dessen Vater wiederum ein legendärer Kunsthändler ist: Rudolf Zwirner war 1967 Mitbegründer des Kölner Kunstmarkts, der späteren Art Cologne, der ersten Messe für zeitgenössische Kunst überhaupt. Und der Vater des Großvaters, Eberhard Zwirner, war schon Akademiker, „und ein formeller Mann“. Der Mediziner war ein Pionier der Quantitativen Linguistik, zuletzt bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1969 Inhaber des Lehrstuhls für Phonetik und Phonologie an der Universität Köln. Für seinen Sohn Rudolf hieß er immer Eberhard. Und Rudolf ist für seinen Sohn David nur Rudolf. So musste also David für Lucas einfach nur David sein. „Aber meine Mutter hasst es, wenn ich sie Monica nenne“, sagt Lucas Zwirner und lacht. „Ich versuche dann, Mama zu sagen.“

          Das Familienritual, das sich durch den Stammbaum zieht und also mindestens auf den Urgroßvater Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht, kommt ihnen nun gerade recht. Denn Lucas Zwirner ist jetzt Mitarbeiter seines Vaters und nennt ihn einfach so wie jeder andere in der New Yorker Galerie auch. Der Vorname ersetzt schließlich in den Vereinigten Staaten selbst in der höflichen Ansprache den förmlich klingenden Nachnamen.

          Junger Mann damals: David Zwirner 1994
          Junger Mann damals: David Zwirner 1994 : Bild: Tobias Everke

          David Zwirner ist einer der wichtigsten Galeristen der Welt. Auf den Power-Listen der Szene steht er für gewöhnlich an Nummer zwei, hinter dem Amerikaner Larry Gagosian. Und er hat eben diesen Sohn. Lucas macht im Unternehmen nicht das, was andere schon lange können. Mit David Zwirner Books, einem eigenen Verlag, will er die Marke Zwirner erweitern.

          Ausgerechnet ein Verlag, David Zwirner Books, in digitalen Zeiten wie diesen. Es geht um Kataloge, Monographien, Kurzgeschichten, die sich Sammler kaufen können, die noch nicht das Geld zum richtigen Sammeln haben. High-End-Souvenirs sozusagen, kleine Taschenbücher wie zum Beispiel Rainer Maria Rilkes „Letters to a Young Painter“, „Degas and His Model“ von Alice Michel, „Chardin and Rembrandt“ von Marcel Proust. Die Bände sind mal in Rosa eingeschlagen, mal in Dunkelblau, der Anfang einer Art zweiter Edition Suhrkamp, die schon bereitsteht. „Genau“, ruft Lucas Zwirner. „Suhrkamp in Amerika! So etwas gibt es hier nicht, ein Taschenbuch kann doch auch schön aussehen.“

          Merchandising mit intellektuellem Anspruch – das passt zur Kunstwelt, in der trotz der politischen und wirtschaftlichen Krisen auf der Welt noch immer Goldgräberstimmung herrscht. „Ich habe überlegt, was interessant wäre für die ersten Bände“, sagt Lucas Zwirner. „So kam ich auf zwei erste Texte. Der eine ist von meinem ehemaligen Professor in Yale, der andere von einer großartigen Übersetzerin aus Jerusalem. Sie hat gerade den ganz frühen Essay von Proust noch mal übersetzt, toll!“

          Die Idee mit dem Verlag ist eine der Überraschungen, wenn man sich mit Lucas Zwirner zusammensetzt, um über sein Leben zu sprechen. Warum sollte sich ein kluger junger Mann, der in Yale Literatur und Philosophie studiert hat und gerade 26 Jahre alt ist, ausgerechnet für Papier interessieren? Draußen haben sie an diesem sonnigen Tag ein Schild aufgestellt, „PopUp-Shop“, schwarz auf weiß. „Ich möchte diese Texte, die hochinteressant sind, auch für jüngere Leser attraktiv machen. So ein Buch in Pink sieht doch gut aus.“

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