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Innendesign : Das besondere Örtchen

Mit holzgerahmten Spiegeln auf graublauer Wand wirkt das Gäste-WC edel und urig zugleich. Bild: Ball & Albanese

Jeder muss mal hinein - aber viele kommen schaudernd wieder hinaus: die Gästetoilette wird oft stiefmütterlich behandelt. Dabei kann man sie zu einem echten Hingucker machen.

          Es gibt einen Ort, der ist seinen Bewohnern der zweitwichtigste im ganzen Haus, gleich nach der schicken Einbauküche. Für drei Viertel von uns kommt es bei der Suche nach einer neuen Wohnung auf genau diesen Ort an, so viel sagen wir dazu in Umfragen selbst. Der Rest ist Schweigen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn hat man diesen Raum erst einmal, spricht man nicht mehr darüber, nicht umsonst heißt er ja das „stille Örtchen“. Und so stiefmütterlich wird er meist behandelt. Dabei könnte dieser Raum auf seinen wenigen Quadratmetern ganz wunderbare Dinge sagen, die Besucher entführen in eine Wald-und-Wiesen-Landschaft, exotische Sphären, an den Strand, in eine Wellnessoase oder ein französisches Landhaus. Und jeder könnte sich in den paar Minuten, die er dort verbringt, fühlen wie in einer anderen Welt.

          „Die Visitenkarte der Wohnung und seiner Bewohner“

          Sie halten es für übertrieben so viel Aufhebens um die Gästetoilette zu machen, zumal sie nur wenige Quadratmeter hat, und richten sich lieber Küche, Wohn- oder Esszimmer gemütlich ein? Ja, so sehen die allermeisten stillen Örtchen dann leider auch aus. Oft sind es lange, kahle Schläuche, an deren Ende eine nackte Schüssel steht. Oder den Besucher begrüßen weißgekachelte Abstellkammern mit Krankenhaus-Charme. Dass manche Menschen versuchen, ihnen mit plüschigen Deckelüberziehern, Comicbildern oder bunten Bürsten wenigstens ein bisschen Farbe einzuhauchen, macht es nicht besser. Es verstärkt eher den Schauer, der dem Gast beim Eintreten über den Rücken läuft. Aber es geht auch anders, und man sollte es zumindest einmal versuchen. Das Gästebad ist schließlich der Ort, den jeder Besucher irgendwann zu sehen bekommt, und ist deshalb „die Visitenkarte der Wohnung und seiner Bewohner“, heißt es oft.

          Gerade weil dieses Örtchen so winzig ist, lässt es sich mit wenig Aufwand in einen komplett neuen Raum verwandeln. Es muss ja nicht gleich der Art-déco-Palast sein, den man dort zaubert. Obwohl sich das gut machen lässt mit einem Kronleuchter, geschliffenen Spiegeln, bestickten Handtüchern, schwarz-weißen Fliesen und allerlei edlen Seifenschalen und Accessoires. Oder warum nicht einen verwunschenen Rückzugsort daraus machen, indem man alte Holzmöbel aufstellt, vielleicht sogar ein kleines Bücherregal, geschwungene Wandlampen aufhängt, ihm dicke Gardinen gönnt und starke Tapeten? Man kann die Wände auch mit üppigen Blumenmustern überziehen oder mit Baumtapeten bekleben. Oder in leuchtenden Farben streichen. Schon das macht eine Menge her.

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          Nun werden sich viele sagen: Mein Gästebad ist für Einrichtungsexzesse viel zu klein. Mehr als 1,5 bis 4 Quadratmeter bringt das deutsche Durchschnittsörtchen nämlich nicht auf den Grundrissplan. Und es soll nicht noch enger wirken, als es ohnehin schon ist. Oft hat es außerdem nicht einmal ein Fenster und wirkt drückend und dunkel. Den Besitzern solcher Räume sei an dieser Stelle gesagt: Großartig! Gerade daraus lässt sich etwas ganz Großes machen, versuchen Sie dann einmal Folgendes: Streichen Sie die Wände gerade in einer dunklen Farbe (Dunkelrot, Schwarz oder Dunkellila), hängen sie großformatige Spiegel auf und dekorieren Sie mit Kerzen oder frischen Schnittblumen oder Orchideen. Schon ist der Wohlfühlraum komplett. Ganz mondän wirkt diese Kombination: Verpassen Sie den Wänden einen goldenen oder dunkelbraunen Glanzanstrich, hängen Sie Lampen mit Glasperlen oder Perlmutt auf und stellen Sie eine Vase mit asiatischem Vogelmuster auf, die mit großen Blütenzweigen geschmückt ist.

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