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Innendesign : Das besondere Örtchen

Eine Fototapete vergrößert den Raum

Nun sind die Geschmäcker verschieden, und einige Einrichtungsberater raten, das kleine Gästebad lieber in hellen Tönen zu halten und nur mit klaren Formen zu arbeiten, um es nicht zu überfrachten. Das sind die Vertreter des modernen Stils, und sie haben ihn in vielen Wohnungen verewigt: in Form von weißen Einheitsfliesenspiegeln, in die viele Bewohner kaum wagen, Leben und Farbe hineinzubringen. Aber auch das ist möglich. Im besten Fall sind die Bewohner von Naturmaterialien bei Armaturen und Wänden umgeben, etwa von Schiefer, Naturstein und geschliffenem Holz. Oder sie finden stylish-schnörkellose Edelstahl-Waschbecken vor, mit viel Glas kombiniert. Dieser „Industrial Chic“ liegt bei kleinen Bädern voll im Trend. Besonders bei Bädern mit so klaren Linien ist es wichtig, dass sie mit Pflanzen, flauschigen Tüchern und dicken Teppichen wohnlicher werden. Sonst wirken sie zu steril.

Die mutigen Einrichter dagegen sagen: Gerade auf engstem Raum darf mit Farben - auch dunklen -, Mustern und Texturen nur so geprasst werden. Mit einer Fototapete zum Beispiel kann man kleine Räume enorm vergrößern. Wer die Sichtwand mit einem Großformatbild von einem Bootssteg tapeziert und die übrigen Wände dunkel streicht, eröffnet auf vier Quadratmetern unendliche Weiten. Üppige Ornamenttapeten mit Bildern oder Blumenranken wirken sogar zu langweiligen Fliesenspiegeln behaglich - die dann aber unbedingt einfarbig sein müssen. Im besten Fall fühlt man sich in so einem Bad wie im Luxushotel, im englischen Landhaus oder in einem Schloss.

Das übliche Einheitsweiß von vielen Bädern lässt sich am besten durch reichlich Farbe aufpeppen. Selbst wenn Wände und Böden weiße Fliesen haben und die Armaturen ebenfalls weiß sind, kann man kräftige Farbakzente setzen. Entweder mit hochwertiger Klebefolie für die Fliesen, mit Wandfarbe darüber oder wenigstens mit ein paar Farbtupfern durch Bilder, Spiegel und Handtücher. Oder durch farbige Beleuchtung an Boden und Decke. Auf bunte Neonleuchtleisten etwa schwört der Koblenzer Einrichtungsberater Torsten Müller, der findet, auch im Bad müsse „das Zusammenspiel von Raum, Licht und Stimmung“ passen. Generell darf es in weißen Räumen ruhig eine krachende Farbe sein wie Pink, Lila oder Grellgrün. Aber bitte nur eine. Wenn es gleich zwei oder gar mehrere Farben sind, wird daraus schnell die Villa Kunterbunt.

Es muss ein stimmiges Gesamtkonzept geben

Bevor Sie sofort zum nächsten Farbenladen oder Einrichtungsgeschäft stürzen und ein paar poppige Accessoires kaufen, gehen Sie kurz in sich. Oder besser ins Bad. Und überlegen Sie, welches Motto Sie umsetzen möchten. Lieben Sie Natur und wenn ja: Soll es die klassische Strandszene sein, die Sie in Ihrem Bad bauen? Oder darf es der Wald oder eine Bergkulisse sein? Auch mit Hirschgeweih oder Safarilook lässt sich eine verwunschene Welt gestalten. Oder wählen Sie eine Einrichtungsepoche, etwa die Gründerzeit, die vierziger Jahre oder die siebziger, und möblieren Sie Ihr Bad entsprechend. Dazu rät der Hamburger Einrichtungsexperte Thai Công, der viele Luxuswohnungen ausgestattet hat: „Der Stil sollte möglichst zum Baujahr des Hauses passen.“ Denn nichts wirkt fehlplazierter als ein Loius-XIV-Bad im Fünfziger-Jahre-Hochhaus oder kantige Edelstahlwaschbecken im verwinkelten Altbau.

Wer es weniger verspielt mag, dafür aber grafisch, der kann allein mit Muster- oder Streifentapeten schöne Effekte zaubern. Wenn man dann noch moderne Fotografien aufhängt, schick gerahmt, und ein paar Euro in moderne Wasserhähne investiert, sieht es schon fast aus wie im Designerloft. Das letzte Stückchen Luxus holt man sich dann mit frischen Blumen und dicken Flauschhandtüchern ins Bad. Wichtig ist nur: Es muss ein Gesamtkonzept geben - ein möglichst stimmiges. Nichts wirkt unruhiger als ein Stilmix.

Und dann, ab ins Bad. Das Schöne ist nämlich: Wenn Sie sich bei der Wirkung von Farbe, Form oder Raum verschätzt haben, sind die paar Quadratmeter auch schnell wieder neu gestrichen oder umdekoriert. Haben Sie dagegen einen Stil gefunden, der Ihnen gefällt, können Sie sicher sein: Über dieses stille Örtchen werden Ihre Besucher demnächst reden.

In sechs Schritten zum perfekten Gästebad

1. Ein Motto muss sein

Lassen Sie der Phantasie freien Lauf, aber überlegen Sie sich zuerst auf jeden Fall: Welchen Stil soll das Gäste-WC haben? Alt oder modern? Stylish oder Shabby Chic? Wollen Sie eine Naturlandschaft in Szene setzen, also Strand, Aquarium oder vielleicht einen Urwald? Oder soll es eine Wellnessoase mit einem Hauch von Asien sein? Oder holen Sie sich doch Afrika und den Safarilook ins Haus. Alles ist möglich. Wer Inspiration sucht, kann sie auf Einrichtungsseiten finden wie: www.houzz.de (siehe Fotos), www.roomido.com, www.alleideen.com, www.solebich.de

2. Was bleibt?

Immobilienbesitzer können natürlich aus dem Vollen schöpfen und neue Fliesen verlegen oder Waschbecken und Badewanne austauschen. Mieter dagegen müssen oft mit dem arbeiten, was der Raum hergibt. Wenigstens über neue Armaturen aber könnten sie nachdenken. Die kosten nicht viel, werten ein altes Waschbecken aber enorm auf. Hässliche Bodenfliesen lassen sich vielleicht durch das Verlegen von Klicklaminat überdecken. Oder warum nicht aus einer dicken Holzplatte selbst einen neuen Waschtisch bauen, in dem das alte Handwaschbecken unauffällig verschwindet? Auch mit dem Austausch von Spiegeln, Lampen und Handtuchhaltern kann man optisch viel gewinnen.

3. Neuer Anstrich

Die Farbe ist das wichtigste Element, mit dem sich der Raum aufpeppen lässt. Sie sollte wasserbeständig und abriebfest sein (am besten Latexfarbe wählen) und muss natürlich zum Motto passen. Wer sich den Strand ins Bad holen will, der streicht in frischem Hellblau oder Sandfarben. Badezimmer mit wenig Lichteinfall werden durch Gelb freundlicher. Fensterlose Räume dagegen wirken mit dunklen, erdigen Farben unglaublich wohlig. Hellgrün oder richtige Knallfarben bringen den ultimativen Farbkick, sollten allerdings sparsam eingesetzt werden und sich in den Accessoires wiederfinden, damit sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Oder denken Sie doch mal über eine Mustertapete nach. Dabei gilt: Je üppiger, desto eindrucksvoller.

4. Ins beste Licht rücken

Die Beleuchtung ist gerade im Gästebad wichtig. Sie soll für eine Wohlfühlstimmung sorgen und muss nicht zu hell sein. Schminken tut man sich hier - im Gegensatz zum Hauptbad - nur selten. Indirekte Beleuchtung von unten oder oben wirkt dagegen Wunder. Alte, üppige Lampen sind ein echter Hingucker. Entweder verschnörkelt oder im Industrieschick.

5. Gut möbliert ist halb gewonnen

Wer nur Möbel nach dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“ wählt, darf sich nicht wundern, wenn keine Stimmung aufkommt. Omas Kommode, eine Antiquität vom Flohmarkt oder ein schickes Regal mit Bastkörben schaffen dagegen eine richtige Wohnatmosphäre.

6. Zugabe . . .

Das Beste kommt zum Schluss: Nun dürfen Sie alles verteilen, was zu Ihrem Motto passt. Erlaubt ist dabei, was gefällt: edle Bilder mit Rahmen, schöne Blumen, Accessoires wie Muscheln und Netze, Leopardenfelle oder alte Gründerzeitkoffer, Laternen und Lampions, Kerzenständer, Treibholzstücke - und natürlich die farblich passenden Handtücher dazu. Prassen Sie! Schließlich wollen Sie ja Ihre Gäste verwöhnen.

Quelle: F.A.S.

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