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Veröffentlicht: 16.02.2017, 14:29 Uhr

Award Season Off to the Oscars

Für Modemarken gehört die „Award Season“ zum Pflichtprogramm. Die großen Häuser kleiden Stars ein, die sie ohnehin unter Vertrag haben. Und die kleineren? Bei den Vorbereitungen des Labels Galvan.

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© dpa 2016: Sophie Turner trägt bei der Oscar-Verleihung Galvan

Die Anfrage kam eine Woche vor den Oscars: Sophie Turner, der Star aus „Game of Thrones", brauchte noch ein Kleid. Rebecca Corbin-Murray, die Stylistin der Schauspielerin, fragte bei Galvan an. Das Label ist gewissermaßen die Sophie Turner der Mode: Insidern ist es nach drei Jahren bestens bekannt, mit klaren Markenzeichen, so wie die Serienrolle bei Turner. Bei Galvan sind es fließende Abendkleider, coole Jumpsuits, nicht viel Tamtam, denn die Frauen darin sind interessanter, als ein Kleid es jemals sein könnte. Galvan ist, wie Turner, immer noch jung – und andererseits etabliert genug, um längst in Hollywood eine Rolle zu spielen.

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Wenn eine Oscar-Anfrage kommt, sollten sie nicht mehr in Panik geraten. Aber im vergangenen Jahr waren die Rahmenbedingungen denkbar schlecht. Das Label arbeitet zwischen Los Angeles, London und Düsseldorf. In London, im Galvan-Headquarter, bereiteten sich die beiden geschäftsführenden Gründerinnen, Katherine Holmgren und Carolyn Hodler, zu der Zeit schon auf die Modewoche in Paris vor. Die OscarVerleihung liegt meist zwischen der Mailänder und der Pariser Modewoche, nur eben am anderen Ende der Welt. Und in Düsseldorf, wo das Atelier der Marke sitzt, war der Sohn der Galvan-Designerin Anna-Christin Haas krank.

Unermesslicher Werbeeffekt bei den Oscars

Man muss sich heute nicht mehr persönlich sehen, um Entscheidungen zu treffen. Die Galvan-Frauen – nach drei Jahren Fern-Geschäftspartnerschaft sind sie Facetime- und Skype-Profis - wissen das. Aber nach Los Angeles musste trotzdem jemand fliegen, für das Fitting mit Sophie Turner. Denn Sola Harrison, die vierte im Bunde, die dort lebt, war zu der Zeit verhindert; wäre ja auch zu einfach gewesen. Also schickten die vier ein Stoßgebet zum Himmel und bekamen tatsächlich Antwort: Ihre Assistentin Mira Naurath arbeitet schon fast so lange im Atelier in Düsseldorf, wie das Label existiert. Also flog sie nach L.A. – fürs Oscar-Fitting.

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Meist haben solche Anfragen wochenlangen Vorlauf. Manchmal kommen sie aber auch in letzter Minute, vor den wichtigsten Verleihungen des Jahres oder vor der großen Premiere einer Schauspielerin. Wichtig für ein aufstrebendes Label wie Galvan: dass überhaupt jemand anfragt, was außergewöhnlich genug ist. Denn wenn Marken ihre Macht irgendwo besonders ausspielen, dann in Hollywood. Die Chancen sind hier einfach zu gut. Ein Kleid an einem Star kann über Nacht um die Welt gehen und den Werbeeffekt ins Unermessliche steigern. Kein Wunder, dass etablierte Marken, die es sich leisten können, Verträge mit Schauspielern abschließen. Bei offiziellen Anlässen trägt dann Jennifer Lawrence Dior oder Sophie Turner jetzt Louis Vuitton, denn sie ist nun Markenbotschafterin des französischen Luxushauses. Es ist ein Vertrag, den die meisten Menschen schnell unterschreiben würden.

Marken müssen Prominenz nutzen

Zum Glück gibt es noch genug inoffizielle Anlässe, bei denen die Regeln lockerer sind. Zum Glück für junge Marken wie Galvan. „Da wären nicht nur die Golden Globes, sondern auch die After-Party“, sagt Haas. „Nicht nur die Oscars, sondern auch die ,Vanity-Fair'-Party, Lunches, Cocktails.“ Auch ein Star will nicht immer dieselbe Marke tragen, selbst wenn er dafür bezahlt wird. „Vielen ist es wichtig zu zeigen, dass sie modebewusst sind", sagt Katherine Holmgren, die an diesem Nachmittag aus London ins Wohnzimmer von Anna-Christin Haas zugeschaltet ist, über das Facetime-Fenster. „Aber dafür müssen die Stars auch Marken entdecken, darin gesehen werden und mal ein Risiko eingehen.“ Galvan kann niemanden dafür bezahlen, Kleider zu tragen. Aber man kann berühmten Frauen helfen, mal etwas zu riskieren.

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