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Handwerker-Preis : Ein Mann, ein Stamm

Als wäre es vom Himmel gefallen: Ernst Gamperl drechselte eine Eiche so lange, bis die Teile geschmeidige Formen annahmen. Bild: Hersteller/Loewe

Wenn aus Baumstämmen himmlische Gefäße werden: Der Holzkünstler Ernst Gamperl aus Bayern gewinnt den Handwerker-Preis des spanischen Modehauses Loewe. Verkaufen will er seine Werke aber vorerst nicht.

          Es ist so etwas wie ein vorübergehendes Lebensthema. Ernst Gamperl arbeitet seit vier Jahren an seinem Lebensbaum. Dabei handelt es sich nicht nur um den Arbeitstitel für die 300 Jahre alte Eiche, die in Rott am Inn in Oberbayern bei einem Orkan entwurzelt wurde. Aus dem Stamm, 2,50 Meter im Durchmesser, macht Gamperl, der sich nicht als Künstler versteht, aber das Holz wie ein Künstler bearbeitet, eine komplette Kollektion.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das ist massives Holz, da wird nichts verleimt“, sagt er. „Ich arbeite immer mit dem gewachsenen Baumstamm.“ Trotzdem sind die Formen anschließend so rund und geschmeidig, als wären sie vom Himmel gefallen. Sie sehen jedenfalls nicht so aus, als hätte ein einzelner Mensch mit seinen Händen, seiner Vorstellung und ein paar Werkzeugen an ihnen gearbeitet. „Es geht mir immer um das Gefäß und um Schalen. 15 Arbeiten sind bereits fertig. Die zwei Besten hatte ich für den Loewe-Preis eingereicht.“

          Mode und Handwerk passen zusammen

          Das war vergangenes Jahr. Auf die Idee zu dem Preis kam der Kreativ-Direktor des spanischen Modehauses Loewe, Jonathan Anderson, der die Marke zurück in die erste Liga der Mode gebracht hat und nun mit dem „CraftPrize“ die Arbeiten von Handwerkern würdigen will, also von Glasmachern, Keramikkünstlern, Holzkünstlern.

          Gamperl wundert die Nähe nicht, die ein Modehaus zum Handwerk sucht. „Auch Gabriele Strehle hat das Handwerk sehr zu schätzen gewusst. Und Issey Miyake. Bei Jonathan Anderson ist es genauso“, sagt der Zweiundfünfzigjährige, der in Italien gearbeitet hat, bis er das Glück hatte, in Steingaden im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau einen Bauernhof kaufen zu können.

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          4000 Handwerker schickten ihre Arbeiten für den Loewe-Preis ein, 26 setzten sich bis ins Finale durch und stellten ihre Werke in einer Ausstellung in Paris vor. Die Handwerker erklärten sich gegenseitig ihre Arbeiten. Irgendwann standen alle um sein Werk herum, als wären sie magisch angezogen. Und wirklich: Gamperl gewann den Preis. Seine Werke wanderten daraufhin außerdem in Ausstellungen von Madrid bis New York und Tokio.

          Fertig ist er mit seinem Lebensthema Lebensbaum aber noch lange nicht. „Die Stücke werden deshalb auch nicht verkauft.“ Auch die Loewe-Stücke nicht. Die Kollektion soll erst vollständig sein, und das kann noch gut zwei, drei Jahre dauern. „Dann zeige ich sie noch mal in einer großen Ausstellung.“

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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