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Günter Kupetz : Der Mann hinter der Flasche

Die Normbrunnenflasche für Mineralwasser oder Brunneneinheitsflasche, umgangssprachlich auch Perlenflasche genannt. Bild: Genossenschaft Deutscher Brunnen

Jeder hat schon einmal Wasser aus der Perlenflasche getrunken. Kaum einer weiß aber, wer eines der erfolgreichsten Produkte gestaltet hat: der Designer Günter Kupetz.

          Es könnte der größte Fehler seines Lebens gewesen sein, dass Günter Kupetz 1969 mit der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) keinen Lizenzvertrag ausgehandelt hatte. Sonst wäre der gelernte Maurer und studierte Bildhauer heute zwar vielleicht nicht Milliardär, aber seine Mehrwegflasche hätte ihm viel Geld eingebracht. Kaum ein anderes Designobjekt auf der Welt wurde häufiger produziert als sein unscheinbares Alltagsprodukt. Hunderte Millionen seiner Flaschen sind im Umlauf - aus Glas, wie er sie entworfen hat, und seit bald 20 Jahren zunehmend aus dem thermoplastischen Kunststoff Polyethylenterephthalat, kurz PET.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Fürchterlich“, sagt Günter Kupetz dazu. „Daraus würde ich nie trinken. Wasser schmeckt nur aus Glas.“ Der Verbraucher sieht das anders. PET-Flaschen haben viele Vorteile: Sie sind leichter, was sie zugleich ökologischer macht, da die Energiekosten für den Transport gesenkt werden. Sie gehen auch nicht so schnell kaputt. Glasflaschen wiederum können 50 Mal wieder befüllt werden, die Mehrwegflaschen aus Kunststoff nur 15 bis 25 Mal. Rund zehn Milliarden Liter Flaschenwasser trinken die Deutschen im Jahr. Ein Drittel ist bis heute in Kupetz-Flaschen abgefüllt, von denen nach GDB-Angaben bisher fast sechs Milliarden hergestellt wurden.

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          Günter Kupetz, Jahrgang 1925, ist von seiner Flasche bis heute überzeugt: „Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, dass man ihn eigentlich nicht verbessern kann.“ Er könnte recht haben, schließlich hat niemand sein Werk je wirklich in Frage gestellt, auch wenn es mittlerweile vier Varianten seiner Arbeit gibt. Seine Normbrunnenflasche, die unter dem Namen „Perlenflasche“ in die Designgeschichte einging, wird seit mehr als 45 Jahren fast unverändert hergestellt. Schon äußerlich wird klar, was ihr Inhalt ist. Den oberen Teil hat Kupetz einem Wassertropfen nachempfunden, der auf einem Zylinder ruht. Markant ist zudem die Einschnürung, die auch kleinen Händen Halt gibt. Die Noppen aus Glas über der Flaschentaille sorgen ebenfalls für einen guten Griff.

          Die Perlen vor allem werden als Symbol für Frische erkannt, stehen sie doch für das Kohlensäure-Geblubber im Inneren. Kupetz schüttelt den Kopf, wenn er daran denkt, dass die GDB stilles Wasser in seiner Perlenflasche auf den Markt gebracht hat. Der Hersteller findet sich natürlich auch auf der Flasche wieder, dauerhaft: Während die Namen der Quellen mit den Etiketten abgelöst und jeweils neu aufgeklebt werden, stehen in der Einschnürung in gläserner Reliefschrift die Worte „Deutscher Brunnen“ und „Leihflasche“, dazu das Logo der GDB.

          1968 sprach man zum ersten Mal von Marketing

          Mineralwasser kommt in Deutschland aus 820 Quellen, rund 200 haben sich in der GDB zusammengeschlossen. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte jeder Brunnen seine eigenen Flaschen. Auch in den fünfziger Jahren gab es noch 300 unterschiedliche Typen. Das machte große Umstände: Die Flaschen mussten sortiert und zu ihrem Ursprungsort transportiert werden. So entschlossen sich die Mineralbrunnen, eine Gemeinschaftsverpackung in Form einer 0,7-Liter-Hebelverschluss-Flasche auf den Markt zu bringen. Bis in die Sechziger ging das gut, obwohl der Bügel-Mechanismus teuer und kompliziert war und das Metall des Porzellanverschlusses schnell rostete. Als dann über Amerika und England zum ersten Mal Flaschen mit Außenschraubengewinde aufkamen, sah die Einheitsflasche der Mineralbrunnen alt aus.

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