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Yves Saint Laurent : Die Leinwand als Laufsteg

Yves Saint Laurent, gespielt von Pierre Niney, mit seiner Muse Victoire Doutreleau (Charlotte Le Bon) Bild: dpa

Schon seit Marlene Dietrich prägen Stars auf der Leinwand die Mode. Heute sind die großen Modemarken eng mit der Filmindustrie verquickt. Der neue Film „Yves Saint Laurent“ rückt eine ganze Branche in ein neues Licht.

          Kino macht Mode. Nach den Kassenschlagern über Prada, Lagerfeld, Chanel und Valentino nun also Yves Saint Laurent. Ein großer Name mit bewegendem Schicksal. Leid und Lust, Aufstieg und Erfolg, Drogen und Depressionen. Szenisch gut verpackt und farbig-flott erzählt, werden wichtige Meilensteine im Leben des französischen Edelschneiders noch einmal abgeschritten. Von den ersten Versuchen als Modezeichner bis zu den einsamen Höhen eines Stars. Eine hundert Minuten währende Reise durch eine Epoche und ihre Trends. Film und Fashion - ein Geschäft mit Tradition.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Versace und Gucci setzen auf Dokumentationen; Fendi restauriert alte Streifen; Louis Vuitton dreht kleine Serien, Ralph Laurent investiert in Hollywood. Seit Marlene Dietrich vom Londoner Maßschneider Anderson & Sheppard im Jahr 1930 in Herrenanzüge gesteckt und auf die Leinwände der Welt gebracht wurde, gehört Mode zum Kino wie das Kino zur Mode.

          Audrey Hepburn verhalf den Kleidern von Hubert de Givenchy in Filmen wie „Frühstück bei Tiffany“ zu Weltruhm. Norton & Son stattete exklusiv Cary Grant aus. George Clooney lässt heute seine Anzüge nach den alten Grant-Schnitten schneidern. James Dean machte Jeans hof-, leinwand- und gesellschaftsfähig. So wurden Stile, Trends und Moden kreiert, ein heute 200 Milliarden Euro großer Markt für Luxusbekleidung und ein 35 Milliarden großer Filmmarkt geschaffen. Mode auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Kino nach Maß.

          Robert Altman hatte beide Branchen in seinem Film „Prêt-à-Porter“ von 1994 kräftig auf die Schippe genommen. Das zahlte sich aus. Er spielte 11 Millionen Dollar in die Kinokassen. Zwölf Jahre später wird der Streifen „Der Teufel trägt Prada“ von David Frankel und mit Meryl Streep in der Hauptrolle fast das Dreißigfache einbringen. Hatte Altman seinen Stoff als Satire erzählt, verpasste Frankel seinem Film das Kostüm einer bitterbösen Komödie. Nun kommt „Yves Saint Laurent“ auf die Leinwand. Nach Kleidern, Brillen und Parfüms sind Markenfilme en vogue. Ein Streifen über das Leben eines Manns, der das Geschäft mit Form und Flair revolutioniert hatte, letztendlich aber an ihm gescheitert und zugrunde gegangen war.

          Yves Saint Laurent starb verbittert

          Als der Pariser Edelschneider vor sechs Jahren starb, war seine Firma längst verkauft, sein Name versilbert und sein Label verscherbelt. Er war verbittert und gekränkt, schrieb dem Nachfolger und Verwalter seiner Marke, Tom Ford, böse Briefe und zog sich nach fast 50 Jahren Arbeit 2002 mit einem bissigen Defilée vom Laufsteg zurück. Ein Leben als Drama. Regisseur Jalil Lespert verstrickt es nun zu einem Mythos. Ende der Woche kommt der Film in die deutschen Kinos. Die Werbung läuft auf Hochtouren. Die Besetzung gilt als gut, die Kostüme sind echt, das Budget lag bei 11 Millionen Euro. Bisher zog der Streifen allein in Frankreich 1,6 Millionen Zuschauer in die Kinos und spielte das Doppelte seiner Kosten ein.

          Im Hause des Luxuskonzerns Kering hoffen sie auf einen Welthit. Filme sind gut fürs Geschäft, und Kering ist auf Expansionskurs. Die Pariser Luxusgruppe hat die Marke des einstigen Couturiers seit zehn Jahren unter ihrem Dach. Saint Laurent hatte sein Haus nach schweren Jahren, sinkenden Gewinnen und einem steil fallenden Aktienkurs Anfang der neunziger Jahre an einen Ölkonzern verkauft. Der Preis: eine halbe Milliarde Euro. Ende der Neunziger waren Firma und Marke in die Hände der gebeutelten italienischen Gucci-Gruppe gekommen.

          Yves Saint Laurent (links) mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé im Jahr 2006

          Der Gründer und Namensgeber spielte im eigenen Laden nur noch eine Nebenrolle, und Gucci wurde bald von der französischen Kering-Gruppe geschluckt. Heute wie damals kontrolliert die Industriellenfamilie Pinault den Kering-Konzern. Mit einem Umsatz von 10 Milliarden Euro und Labels wie Puma, Brioni oder Bottega Veneta ist der Konzern eines der größten Luxushäuser der Welt. Größer als Ferragamo und mächtiger als Prada. Auf den Leinwänden der Welt aber hatte der Konkurrent aus Italien bisher die meiste Aufmerksamkeit. Der Erfolg steht im Titel: „Der Teufel trägt Prada“.

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