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Aktualisiert: 20.10.2014, 06:29 Uhr

Fashion-Bloggerinnen Dick ist nur eine andere Farbe

Plus-Size-Bloggerinnen wollen, dass Kleidung in großen Größen genauso modisch aussieht wie in kleinen. Und es nicht immer heißt: Das können aber nur Schlanke tragen!

von Anna Schughart
© luziehtan.de Posen wie ein Supermodel: Luciana beim Shooting für ihren Plus-Size-Blog

Luciana verhält sich ganz wie ein Profi. Sie überkreuzt die Beine, legt die Hand an die Hüfte, an das Gesicht, schaut lächelnd in die Kamera, verträumt auf den Boden, dann wieder verführerisch in die Linse. Die Kamera hält kein Mode-Fotograf, sondern ihr Mann. Die zwei stehen auch nicht in einem Fotostudio, sondern auf einem kleinen Flecken Grün mitten in Hamburg. Es ist ein schöner, warmer Herbsttag. Ein paar Meter weiter rauschen die Autos vorbei.

Luciana ist Fashion-Bloggerin. Genauer gesagt, ist sie eine der bekanntesten Plus-Size-Fashion-Bloggerinnen in Deutschland. Wie viele andere Mode-Bloggerinnen fotografieren auch die Plus-Size-Frauen sich und ihre Outfits, testen Produkte, besuchen Veranstaltungen und stellen regelmäßig Fotos und Texte auf ihre Internetseiten. Doch die Plus-Size-Fashionblogs sind noch ein bisschen anders. Sie zeigen selbstbewusste Frauen, die sagen: Ich bin dick, aber darf ich mich deshalb nicht hübsch anziehen? Mit dieser Einstellung geben sie der Modelandschaft eine weitere Farbe, auch in Deutschland.

Kleidung zum Experimentieren lässt sich schwer finden

Luciana und ihr Mann sind ein eingespieltes Team. Nach 40 Minuten ist die Fotosession zu Ende. Luciana macht noch schnell ein Selfie für Instagram, mit dem sie den neuen Post auf ihrem Blog „luziehtan“ ankündigt. Heute hat sie einen etwas lässigeren Look gewählt: schwarze Lederleggins, braune Boots, dazu einen Pulli mit Camouflage-Muster. Doch die Fotos auf ihrem Blog zeigen, dass es auch ganz anders geht: enge Wickelkleider, bunte Röcke, alle Farben und Schnitte, Designerstücke kombiniert mit Teilen von der Stange. Luciana hält sich nicht an die gängigen und vermeintlich unumstößlichen Regeln, die da lauten: Du darfst als dicke Frau nicht deine Beine zeigen! Auch nicht deine Arme! Trage etwas, das deinen Bauch kaschiert! „Ich gebe mir sehr viel Mühe zu zeigen, dass man auch mit einem dicken Hintern enge Hosen tragen kann“, sagt Luciana selbstbewusst. „Wir alle geben uns sehr viel Mühe.“ Wir alle, das sind die deutschen Plus-Size-Bloggerinnen. Die Szene ist in Deutschland noch klein, verglichen zum Beispiel mit den Vereinigten Staaten. Doch sie wächst.

31423874 © reizende-rundungen.blogspot.de Vergrößern Rockig und edgy: Modebloggerin Katrin

Katrin von „reizende-rundungen“ war auf der Suche nach einem Abi-Ball-Kleid, als sie zufällig über einen amerikanischen Plus-Size-Fashion-Blog stolperte. „Ich dachte: ,Ach guck mal, die ist ja genauso dick wie ich und zeigt sich trotzdem im Rock.‘ Damit hatte ich nicht gerechnet“, erzählt die Fünfundzwanzigjährige. „Ich fand, dass das die deutschen Mädels auch kennenlernen sollten. Deshalb habe ich mit dem Bloggen angefangen.“ Seit etwas mehr als fünf Jahren schreibt Katrin nun auf ihrem Blog und ist, sagt sie, mit der Zeit immer mutiger geworden. „In diesem Sommer habe ich zum Beispiel Röcke getragen - ohne Strumpfhose und ohne Leggins. Man konnte meine Beine sehen, und davon ist die Welt nicht untergegangen.“ Ihren Stil beschreibt die junge Frau mit den blauen Haaren als edgy, rockig, „so wie mein Musikgeschmack“. Findet Katrin auf dem deutschen Markt genügend Auswahl, um diesen Stil auszuleben? „Definitiv nein.“

31423877 © kathastrophal.de Vergrößern Mehr Mut zur Farbe: Das propagiert Katha auf ihrem Blog

Auch Katha von „kathastrophal“ tut sich schwer, Kleidung zu finden, mit der sie experimentieren kann. „Es gibt genügend - wenn man online bestellt. Wenn ich nur hier in den Geschäften in Wiesbaden einkaufen gehen würde, würde ich nicht viel finden“, sagt die Siebenundzwanzigjährige. „Nur weil man dicker ist, muss man nicht die ganze Zeit Schwarz tragen. Ich finde es sehr schade, dass das oft so ein tristes Bild abgibt, wenn man die Plus-Size-Mode auf den Stangen sieht. In Deutschland fehlt der Mut.“ Sie würde sich wünschen, dass die Unterschiede zwischen Plus-Size- und „normalen“ Größen nicht so groß wären. Eine britische Marke, Dorothy Perkins, die sie sehr gut findet, bietet zum Beispiel von Größe 32 bis Größe 54 teilweise dieselben Röcke, Kleider oder Oberteile an. „Da gibt es keine gesonderte Linie für große Größen, sondern für alle das Gleiche.“

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