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Sorgte für viel Ärger im Internet: Julian Draxler präsentiert das neue Auswärtstrikot mit seinem Namen. Bild: dpa

Erik Spiekermann im Interview : „Das ist nur eckige Scheiße“

  • -Aktualisiert am

Draxler, Oraxlea oder Oaahler? Die Schrift auf den neuen Auswärtstrikots der deutschen Fußballnationalmannschaft ist nur schwer zu entziffern. Typograph Erik Spiekermann erklärt im Gespräch, warum der DFB beim Schriftdesign völlig daneben gegriffen hat.

          Herr Spiekermann, für die Schriftart auf den neuen Auswärtstrikots ist der DFB stark kritisiert worden. Was halten Sie von der Schrift?

          Ich hab schon viel erlebt, aber das ist schlechter als alles, was ich bisher vom DFB gesehen habe. Es ist unfassbar. Diese Institution hat ein Talent darin, daneben zu greifen. Wenn es um Fußball geht, dann haben wir ja schon eine sehr lange peinliche Geschichte von Maskottchen und Logos. Aber diesmal hat gar nichts funktioniert: inhaltlich, formal, ästhetisch, kulturell, historisch. Wenn sich Menschen, die mit Typographie nichts an der Backe haben, dermaßen aufregen, dann muss auch der DFB merken, dass er voll danebengegriffen hat.

          Was ärgert Sie als Typographen an der Schriftart?

          Eine Schrift ist historisch überliefert, ob Sie wollen oder nicht. Bei unserem Alphabet gibt es recht wenig Spielraum. Eine Eins darf nicht wie eine Sieben aussehen, eine Acht nicht wie eine Drei und eine Drei auch nicht wie ein B. Eine Schrift ist keine Schrift mehr, wenn die Eitelkeit des Designers zu groß wird. Dann ist es eine künstlerische Darstellung. Und das ist hier passiert. Da wollte jemand von Adidas unbedingt eine Schrift in Quadraten designen. Ich kann nicht sagen: Ein Quadrat ist ein reduzierter Kreis. Das ist Quatsch. Die Schrift hat nun mal Diagonalen und Kreise.

          Können Sie sich vorstellen, warum sich der DFB für diese Schriftart entschieden hat?

          Es ist modisch angesagt, weil die jungen Leute jetzt wieder Pixel entdecken, die wir schon lange entsorgt haben. In den achtziger und neunziger Jahren mussten wir Pixelschrift machen. Jetzt sind wir die Pixelschriften los und können richtige Schriften machen. Und dann kommen die, nehmen ein Rechteck und meinen, damit könne man Buchstaben machen. Das kann man aber nicht. Es soll aussagen: Wir machen eine coole Schrift, die auch die Sprayer-Kids benutzen. Auch die alten Videospiele mit dicken Pixeln sind wieder angesagt, die alten Siebziger-Jahre-Dinge kommen ja wieder. Das ist wohl auch so verkauft worden: Da stehen die jungen Leute drauf! Am Ende ist das aber nur eckige Scheiße.

          Was muss man beim Schriftdesign für die Nationalmannschaft beachten?

          Man muss die Namen ja unter erschwerten Bedingungen lesen können. Es muss von weitem lesbar sein, es sind kurze und lange Namen dabei. Es muss in der Bewegung lesbar sein. Man wird wahrscheinlich nur Großbuchstaben nehmen, weil das etwas plakativer ist. Auch Namen von fremden Fußballspielern muss man ja lesen können. Aber natürlich darf eine solche Schrift durchaus eine Eigenheit haben, soll sie auch.

          Was hätten Sie anders gemacht?

          Ich hätte sicherlich augenzwinkernd Vorurteile zitiert, die über Deutschland herrschen. Wahrscheinlich hätte ich die DIN-Schrift genommen, die man auf deutschen Autobahnschildern findet, vielleicht ein bisschen schmaler, damit die langen Namen darauf passen. Sie muss erkennbar sein und an deutsche Fußballspiele erinnern: kampfstark, präzise, kalkuliert, also strategisch, nicht nur taktisch. Das kann man schon in einer Schrift unterbringen. Aber hauptsächlich muss eine Schrift eine Schrift bleiben, die jeder erkennen muss. Man kann sie fetter oder feiner machen, Ornamente hinzufügen, paar Füßchen dran machen. Aber dieser Aufgabe hat sich offensichtlich niemand gestellt.

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