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Möbeldesign : Gesund sitzen

Bild: Hersteller

Falsch und lange zu sitzen kann tödlich sein. Daher hat der Designer Don Chadwick aus Los Angeles Stühle entwickelt, auf denen man gesund bleibt.

          Das hält kein Stuhl aus, sollte man meinen. Dutzende Roboter scheinen ihn auf Biegen und Brechen kaputt machen zu wollen. Seine Rückenlehne, zum Beispiel, wird von einem Seilzug Abertausende Male nach hinten gezogen, seine Armlehnen nicht weniger häufig von Maschinen mit sanfter Gewalt auseinander gedrückt. Ein Stück weiter in dieser High-Tech-Folterkammer des Möbelherstellers Herman Miller wird die Sitzfläche mit gleich zwei stampfenden Gewichten immer und immer wieder belastet, sie scheinen auf ihr geradezu einen Stepptanz in Zeitlupe zu vollführen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das wiederum tut der weit mehr als ein Zentner schwere Sack nicht, der sich mit Schwung auf dem Stuhl niederlässt, bevor er wieder hochgezogen und abermals fallengelassen wird - ein ewig erscheinendes Auf und Nieder. Daneben schieben Greifarme die Untergestelle auf ihren Rollen hin und her oder lassen sie sich Tag und Nacht im Kreis drehen: erst links herum, dann rechts herum, dann wieder links herum und immer so weiter.

          Ein guter Stuhl muss Prüfungen über sich ergehen lassen, als sollte er auf den Mond geschossen werden, um dort jahrzehntelang in unwirtlicher Umgebung klaglos seinen Dienst zu versehen. Die genormten Tests sind von solcher Eintönigkeit, dass sie einem menschlichen Wesen nicht zuzumuten sind. Auch darum wurde der Roboter erfunden.

          Das Symbol der „New Economy“

          Ein Stuhl, der die Torturen mit Bravour und unbeschadet übersteht, ist der Aeron von Donald „Don„ Chadwick und William „Bill“ Stumpf. Doch für ein Produkt von herausragender Qualität sind solche Prüfungen auch nur eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Der Aeron aber ist mehr als ein haltbares Möbelstück, auf dem sich gut sitzen lässt. Er ist sogar viel mehr als ein Möbelstück, wurde er doch in den Neunzigern zum Symbol der „New Economy“.

          Wer auf sich hielt, saß auf dem Bürostuhl, besonders in den Denkfabriken der kalifornischen Zukunftsbranchen. Als die Dotcom-Blase 2000 platzte, gingen Bilder von ausrangierten Aeron-Stühlen um die Welt. Sie waren genauso überflüssig geworden wie viele ihrer einstigen Nutzer: Gemeinsam wurden sie von den Startups im Silicon Valley auf die Straße gesetzt.

          Im „New York Magazine“ wurde sechs Jahre später der Informationsarchitekt Christopher Fahey in einem Nachruf auf den „Dotcom-Thron“ Aeron mit den Worten zitiert, dass die Bilder des „Stühle-Friedhofs“ symbolhaft für ein Jahrzehnt stünden, in dem die überheblich auftretenden Technologieunternehmen sich viel zu großzügig gegenüber ihren Mitarbeitern gezeigt hätten, obwohl es sich die jungen Firmen eigentlich gar nicht leisten konnten.

          Für einen Nachruf auf den Aeron war es aber zu früh. Trotz der auch für ihn wirtschaftlich schwierigen Zeit zählt er bis heute zu den meistverkauften Stühlen überhaupt. Herman Miller ist stolz darauf, dass alle 17 Sekunden ein Aeron sozusagen vom Fließband läuft, auch wenn jeder Stuhl aus 210 Teilen besteht, die meist von Hand zusammengesetzt werden und am Ende perfekt „zusammen arbeiten“, wie es heißt. Weit mehr als sieben Millionen Stühle hat Herman Miller seit 1994 in mehr als 135 Ländern verkauft. Schon 1996, nach nur zwei Jahren, übertrafen die Verkäufe alle Erwartungen - und das bei einem Preis von ursprünglich gut 1000 Dollar.

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