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Dunkles Dubai : Golfen bis Mitternacht? Aber ja doch!

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Spiel ohne Grenzen: In Dubai sind Golfer nicht auf Tageslicht angewiesen – im Dunkeln fängt der Spaß erst richtig an. Bild: NIGHT GOLF FALDO

In Dubai werden die Grenzen des Golfens verschoben – durch einen Kurs, der dank Flutlicht statt in der Hitze des Tages in der Wärme der Nacht aufs Grün lockt. Ist das der sportliche Sündenfall schlechthin?

          Nachtein, nachtaus geht das so. Die weißen Flugkörperchen steigen empor, werden für einen Moment von der Finsternis verschluckt und treten dann wieder ein ins Licht. Es ist ein Ausbruch aus den Grenzen des Spiels, eine neue Dimension, eine erleuchtete Utopie dieses Sports. Es ist ein Genuss.

          Golf ohne Tageslicht? Das scheint so sinnvoll wie Tennis ohne Schläger, Surfen ohne Wasser, Reiten ohne Pferd. Nicht so im Übermorgenland. Was der sonnenhungrige Mitteleuropäer daheim nicht mal im Traum von Tausendundeiner Nacht ersinnt, ist für die sonnenflüchtigen Bewohner von Dubai im Emirates Golf Club längst wirklich geworden: ein 18-Loch-Platz, komplett durch Flutlicht ausgeleuchtet wie der heimische Kühlschrank von innen. Golf bis Mitternacht? Aber ja doch. Bitte sehr, danke gleich. Statt in der Hitze des Tages bewegt man sich hier lieber in der Wärme der Nacht.

          Es ist ein eigentümliches Gefühl, eine Runde zu beginnen, wenn die Wüstensonne nur noch schwach glimmt. Wenn das Gewirr der Türme, die das Areal als futuristisch anmutende Kulisse umstellen, ein feurig rotes Abendlicht reflektiert. Nach dem Anknipsen bringen die Leuchten an den Flutlichtmasten zunächst nur ein zartes Glühen zustande. Doch ehe sich der Tag ganz verabschiedet hat, geht er hier in voller Luxstärke in die Verlängerung. Und im Nu ist der kleinere der beiden Kurse auf dem begrünten Gelände, der Faldo Course, hell erleuchtet. Von weitem sieht er aus wie ein geschäftiger Provinzflughafen, auf dem kleinrädrige Wagen umhereilen. Nur dass hier ausschließlich Bälle starten und landen.

          Auf Bahn 3, es ist kurz nach 19 Uhr, ist der Himmel schwarz – und die Fairways sind in allen Grüntönen illuminiert. Verstreute Trupps in den hier obligatorischen Elektrocarts, auf denen die bauchigen Golftaschen mit klirrenden Schlägern fixiert sind, düsen ihren Bällen hinterher. Das dürfte der Anblick sein, an dem Nicht-Golfer vom Glauben abfallen. An dem alle Klischees über die ach so begüterte golfende Klasse geballt erfüllt werden. 160 über das Areal verteilte Flutlichtmasten für ein paar Dutzend adäquat gekleideter Spieler an 365 Abenden im Jahr? Ist das nicht der sportliche Sündenfall schlechthin?

          Für Dubaier Verhältnisse ein geschichtsträchtiger Ort

          Wir, da uns das Golferherz aufgeht, trösten uns mit dem Gedanken, dass dies hier nur ein kleiner Ableger ist, eine winzige Facette der auf großes Business und besonderes Entertainment getrimmten Kunstwelt am Golf, die mit ökologischer Gleichgültigkeit immer weiter wächst.

          Immerhin: Die mit erheblichem Mitteleinsatz aus dem Sandboden gepäppelte Flora hat ihre eigene Fauna zu bieten. Ein Vogelschwarm in den Bäumen pimpt sein Abendlied zu einem vielstimmigen Konzert unter Flutlicht. Ein Reiher stakst noch am Ufer eines Wasserhindernisses und freut sich über die leuchtende Verlängerung der Jagdzeit. Und tatsächlich, am Abschlag von Bahn 5 kreuzt in Seelenruhe ein Fuchs das Fairway. Längst an Menschen gewöhnt, die Schläger schwingen, lässt er sie bis auf die Distanz eines mittellangen Putts an sich heran, ehe er, Eile simulierend, davontrabt. Das Tier wohne schon seit Jahren auf dem Gelände, heißt es. Vögel aller Art, die auf dem Golfplatz landen, sind seine Nahrungsgrundlage.

          Schwarz und glatt ruht der See entlang von Bahn 7

          Seine Vorfahren an diesem Ort werden vor genau 30 Jahren nicht schlecht gestaunt haben, als sich das ausgetrocknete Flussbett von einer staubigen, sandigen, steinigen Fläche zu einer grünen Oase in der City wandelte. Drei Jahrzehnte – für Dubaier Verhältnisse ist man damit schon an einem geschichtsträchtigen Ort. Es entstand hier nicht nur der erste Golfplatz im glitzerndsten aller Emirate, es waren auch die ersten in den Sand gesäten hiesigen Rasenflächen überhaupt.

          Der Golf-Star Nick Faldo, der nach seiner titelträchtigen Profikarriere auf der ganzen Welt Golfplätze entwirft, hat das Gelände im Jahr 2005 überarbeitet. Herausgekommen ist ein abwechslungsreicher Par-72-Kurs, der von einem Heer Gastarbeiter in einem perfekt manikürten Zustand gehalten wird. Und der durch die seit 2010 bestehende nächtliche Spieloption eine besondere Note erhalten hat. Ungleich berühmter als der Faldo Course ist aber auf demselben Areal der Majlis Course. Immer im Januar findet sich die Elite für das Profiturnier Dubai Desert Classic im Emirates Golf Club ein, und es entstehen schöne Bilder mit dem in Form von Beduinenzelten gestalteten Clubhaus im Zentrum.

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