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Ausstellung in Paris : Dior zum Siebzigsten

Ein Traum: Die Dior-Ausstellung ist Nabelschau und Marketingmethode zugleich. Bild: EPA

Die gigantische Dior-Ausstellung in Paris zeigt die Höhepunkte seit der Markengründung. Kann Designerin Maria Grazia Chiuri das überhaupt weiterführen? Ja, sie kann. Doch andere konnten es besser.

          Fällt ihr nicht mehr viel ein? Oder ist diese Frage schon so anti-feministisch, dass sie sich auch bald auf einem Oberteil von Dior wiederfinden wird? Maria Grazia Chiuri hatte mit ihren Motto-T-Shirts als Designerin einen guten Einstand bei der Marke von der Avenue Montaigne, vor allem, wenn man es aus Social-Media-Sicht betrachtet. „We should all be feminists“: Wer könnte diesen Appell ans Gute im Menschen verhallen lassen? Und welche Influencerin will ein solches Motto nicht vor sich her tragen?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          In ihrer letzten Schau Ende September fragte sie: „Why have there been no great women artists?“ Der Aufdruck ließ so manche Bloggerin zweifeln: Meint die das ernst? Dabei zitierte Chiuri nur den Titel eines Aufsatzes, der die feministische Kunstgeschichtsschreibung begründete. Das fiel dann aber nur richtigen Modekritikerinnen auf. Und die bemerkten dann auch, dass es vielleicht keine ganz so gute Idee ist, einen Motto-Shirt-Erfolg wiederholen zu wollen. Fällt ihr also womöglich nicht mehr viel ein? Noch grundsätzlicher: Kann auch eine Frau Dior?

          Neben den Höhepunkten der Ausstellung wirkt sie blass

          Diese Frage ist natürlich eine böse Unterstellung, denn great women designers gab es natürlich schon viele, und es werden immer mehr. Natürlich kann eine Frau das. In der gigantischen Dior-Ausstellung in Paris aus Anlass des siebzigsten Jahrestages der Markengründung muss sich Maria Grazia Chiuri aber in eine Reihe stellen lassen mit Designern wie Yves Saint Laurent, John Galliano und Raf Simons. Keine Frage, dass Saint Laurent der Beste war, dioresque und trotzdem mutig, couturehaft und trotzdem experimentell. Dazu ist gerade bei Assouline der wunderbare Bildband „Dior by Yves Saint Laurent“ erschienen. Wie gern wäre man bei diesen wenigen Schauen von 1958 bis 1960 dabei gewesen!

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          Sein Nachfolger Marc Bohan und dessen Nachfolger Gianfranco Ferrè wirken heute so verstaubt wie damals. Aber die Epoche John Gallianos wird durch die Ausstellung „Couturier des Rêves“ neu bewertet. Die theatralische Sendung des britischen Modeschöpfers führte in seiner Zeit (1997 bis 2011) zusehends in dramatische Weltferne und zerstörerische Alkoholabhängigkeit. Sein unwürdiger Abgang (“I love Hitler“) verdeckte dann vollends seine Leistungen. Nun entdeckt man die traumhaften Wunderkleider mit genialischer Schnittführung wieder.

          Das waren Höhepunkte der Modegeschichte. Dior hat sich immer noch nicht davon erholt. Sicher, Raf Simons gab dem Haus die Modernität zurück, Maria Grazia Chiuri fügt Frauen-Power hinzu. Aber ihre Anverwandlungen alter Dior-Ideen sehen oft blass aus. Eine „Couturière des Rêves“ braucht mehr als gute Sprüche.

          Die Dior-Ausstellung ist noch bis zum 17. Januar 2018 in Paris zu sehen.

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