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Interview mit „Miss Germany“ : „Es gibt eine Krankheit in der Gesellschaft“

  • Aktualisiert am

Höhepunkt des Jahres: Lena Bröder beim Papst. Bild: dpa

„Miss Germany“ Lena Bröder kehrt nach dem Ende der Amtszeit in ihren Beruf zurück: Lehrerin im Münsterland. Ein Interview über den Klassenraum als Bühne, den Besuch beim Papst und die Schattenseiten des Geschäftes.

          Frau Bröder, wie sah der Alltag als Miss Germany aus?

          Das Wort Alltag kann man streichen, denn den gibt es nicht für eine Miss Germany. In manchen Wochen hatte ich jeden Tag Termine. Dann bin ich aber auch wieder drei, vier Tage am Stück zu Hause gewesen.

          Wie schöpfen Sie bei diesem anstrengenden Job wieder Kraft?

          Wenn ich nach Hause fahre zu meinen Eltern, besuche ich zuerst immer das Grab meiner Oma – das ist für mich ein Ritual geblieben, um runter zu kommen, mich zu entspannen und vor allem wieder zu mir selbst zu finden. Ich habe aber auch tolle Menschen an meiner Seite, die dafür sorgen, dass ich auf dem Boden bleibe. Es gibt viele Leute in dieser Branche, die einem irgendwas versprechen, was nicht von dieser Welt ist. Hier musste ich unterscheiden lernen. Aber das ist mir Gott sei Dank recht gut gelungen.

          Was war Ihr Highlight im vergangenen Jahr?

          In dem Jahr gab es viele Highlights, ich kann das nicht auf eines beschränken. Natürlich war der Papstbesuch ein besonderes Ereignis. Ansonsten habe ich viele Prominente getroffen oder war in Fernsehshows.

          Gab es auch Schattenseiten?

          Ich habe in dem Jahr festgestellt, dass es eine Krankheit in der Gesellschaft gibt: Neid, also dem anderen nichts gönnen. Aber ich kann mittlerweile ganz gut damit umgehen. Wenn ich mir immer Gedanken darüber machen würde, was andere über mich schreiben oder wie sie mich anfeinden, dann könnte ich all das Schöne gar nicht genießen. Dementsprechend habe ich das ausgeblendet.

          Lena Bröder : Miss Germany unterrichtet katholische Religion

          Wie geht es jetzt weiter?

          Das Jahr als Miss Germany war schön, spannend und lehrreich. Ich konnte Erfahrungen machen, die durchweg bereichernd waren und die ich positiv in Erinnerung behalten werde. Aber langfristig ist es der Lehrerberuf, für den ich mich entscheide.

          Was heißt das konkret?

          Am 1. März kehre ich in meine Schule und damit an meine alte Wirkungsstätte zurück. Nach der Wahl zur Miss Germany hatte ich dort eine Auszeit genommen. Nun wird das Klassenzimmer wieder meine Bühne. Ich bin froh und dankbar, dass dies möglich ist.

          Wird die Rückkehr schwer?

          Am Anfang werde ich sicher auf Neugierde stoßen und Fragen beantworten müssen, wie es so war als Miss Germany. Doch das wird sich rasch legen. Letztlich geht es darum, einen guten Unterricht zu machen. Daran wird man mich messen. Läuft alles nach Plan, werde ich Ende Oktober mein Zweites Staatsexamen in der Tasche haben. Darauf freue ich mich schon jetzt.

          Keine Angst, von Schülern als ehemalige Schönheitskönigin blöde Sprüche hören zu müssen?

          Überhaupt nicht. Ich bin während meiner Amtszeit auf eine große Welle des Zuspruchs gestoßen. Bei Miss Germany geht es ja nicht allein um gutes Aussehen. Es zählt die Persönlichkeit. Es geht darum etwas auszustrahlen und etwas zu verkörpern, für etwas zu stehen und vor allem in Kontakt zu kommen mit Menschen und diese zu begeistern. Schöner Schein alleine reicht nicht. Das unterscheidet Miss Germany von Model-Contests.

          Und im Klassenzimmer?

          Ich denke, dass ich nun sicherer auftrete, weil ich es inzwischen gewohnt bin, vor Publikum zu stehen. Beim Schönheitswettbewerb treten die Teilnehmer vor eine Jury und werden von dieser bewertet. Das ist als Lehrer nicht anders. Und Schüler sind die härteste Jury der Welt. Ich bin zuversichtlich. Mit Applaus werde ich bei meinen Auftritten künftig, im Gegensatz zum jetzigen Job, wohl aber nicht mehr rechnen können. Aber das erwartet auch niemand.

          Was geben Sie ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?

          Ich wünsche der nächsten Miss Germany, dass sie sich selbst treu bleibt und lernt, auch mal Nein zu sagen. Außerdem wünsche ich ihr, dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt und nicht abhebt. Denn der Alltag kommt schneller wieder zurück, als man denkt.

          Quelle: KNA/dpa

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