http://www.faz.net/-hrx-8h5ou

Designer Raf Simons : „Ich will nicht von allen geliebt werden“

  • -Aktualisiert am

Nicht sehen, sondern begreifen: Raf Simons vor seinen Entwürfen für Kvadrat. Bild: Willy Vanderperre

Vor einem halben Jahr trennten sich die Wege von Raf Simons und Dior. Verarbeitet hat er die Trennung noch nicht. Ein Gespräch über die Ruhe nach dem Sturm.

          Raf Simons sitzt in einem Raum in einer Galerie in Berlin. An der Wand Bilder von Robert Mapplethorpe. Zur Straße hin ein Fenster, in das Passanten wie in ein Schaufenster blicken. Draußen tobt das Leben, innen ist es sehr still.

          Herr Simons, ein halbes Jahr ist es nun her, dass Sie Dior verlassen haben. Stehen Sie mit Ihren ehemaligen Weggefährten dort noch in Kontakt?

          Ja.

          Was macht man eigentlich, wenn man ein solches Haus verlässt und die erste Kollektion danach erscheint? Wo waren Sie? Haben Sie sie sich im Internet angeschaut?

          Ich habe sie gesehen. Aber ich möchte jetzt noch nicht darüber reden. Das ist alles noch sehr fragil, zu emotional. Die Leute bei Dior, das ist doch größtenteils noch mein Team. Ich liebe die Leute aus dem Atelier. Es war beileibe keine einfache Trennung. Ich habe die Marke verlassen, um mehr Zeit für mich zu haben. Das war schwierig für meine Mitarbeiter, schwierig für die Marke. Es ist noch zu frisch, um jetzt darüber zu reden.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Wie hat sich Ihr Leben seither verändert?

          Ich verbringe viel Zeit mit Freunden und mit meinem Lebensgefährten. Und ich mache Dinge, die allzu lange auf der Strecke geblieben sind. Wir reisen viel - gerade komme ich aus Afrika zurück, wir haben eine große Safari im Krüger-Nationalpark gemacht. Und wir haben uns einen Hund gekauft, einen Harlekin-Beauceron, eine französische Rasse, recht selten. (Er holt sein iPhone heraus, sucht kurz und zeigt das Video eines Hundes, der sich im Spiegel erblickt und darüber sehr erstaunt zu sein scheint.) Schauen Sie mal: Hier ist sie beim Friseur. Wir haben sie erst seit einem Monat. Das ist unser neues Familienmitglied. Toll, oder? Bevor ich in der Mode arbeitete, hatte ich eine Deutsche Dogge, einen Hund wie Scooby-Doo. Den habe ich mein ganzes Leben lang vermisst. Nach meinem Abschied von Dior habe ich gesagt: Ich nehme mir jetzt mal ein Jahr Auszeit. Ich habe mich nicht ganz zurückgezogen; ich habe ja noch mein eigenes Label, entwerfe Stoffe für Kvadrat, eine Kollektion für Fred Perry - aber das Tempo ist anders.

          Simons hat, zum dritten Mal in Folge, Stoffe für den dänischen Hersteller Kvadrat entworfen. Schon vor seiner Arbeit für die dänische Marke, während seiner Zeit bei Jil Sander, hat er mit den Stoffen von Kvadrat gearbeitet und die Marke Jil Sander, deren Palette hauptsächlich aus Schwarz, Navy, Weiß und Camel bestand, farbig aufgebrochen. Mit seiner Arbeit für Kvadrat begann er kurz vor Dior. In der Galerie hängen zwei Lift Chairs von Franco Albini, die mit seinen Blockstreifen bezogen sind.

          Und bei Möbeln läuft es entspannter?

          Bei Dior hatte ich anfangs noch sechs Wochen Zeit für eine Kollektion, dann wurde es immer weniger, manchmal war es nur ein Monat. Und das waren bis zu 150 Stoffe. Für eine Kollektion von Kvadrat - drei Stoffe - habe ich ein ganzes Jahr Zeit. Es ist ein Geschenk des Himmels; deshalb habe ich zugesagt. Ich bin nun gut 20 Jahre in der Mode. Der Rhythmus der Branche wurde immer schneller, gerade in letzter Zeit. Und hier dann das Kontrastprogramm: Wir haben anderthalb Jahre gebraucht, bis wir die ersten Ergebnisse hatten. Es braucht eben seine Zeit. Dann fangen die Leute an, ihre Möbel mit den Stoffen zu polstern, dann kommen die Architekten. In Paris sehe ich im Schaufenster die Re-Editionen von Cassina, Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, bezogen mit meinen Stoffen. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Weil ich weiß, dass es lange hält und dass Leute das fürs Leben kaufen. Das hat mir in den vergangenen Jahren viel gegeben.

          Weitere Themen

          „Am Ende kommt es zum Ruin“

          Spaniens Liga-Präsident : „Am Ende kommt es zum Ruin“

          Für Spaniens Liga-Präsident Javier Tebas sind die arabischen „Staatsklubs“ PSG und Manchester City das existentielle Problem des europäischen Fußballs. Er setzt auf mehr Regulierung – und nimmt auch den FC Bayern in die Pflicht.

          Topmeldungen

          Wird bald die erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene Deutschland regieren?

          Mögliche Koalitionsoptionen : Keiner will nach Jamaika

          Jamaika, Schwarz-Gelb oder doch wieder eine große Koalition? In der Theorie gibt es nach der Wahl verschiedene Möglichkeiten der Regierungsbildung für Angela Merkel. Aber welches Bündnis ist wie wahrscheinlich?
          „Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen.“ Doch begründet das auch ein Recht auf Einreise?

          Einwanderung : Fremde in unserer Mitte

          Jetzt sind sie da, die Migranten. Es kommen noch mehr. Da wird man doch grundsätzlich werden dürfen: Wen wollen wir reinlassen? Und wie viel Assimilation verlangen wir?
          Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani wirft Donald Trump vor, in seiner Rede vor den UN viele Lügen verbreitet zu haben.

          Iranischer Parlamentspräsident : „Trump verfolgt Goebbels-Doktrin“

          Mit Trumps Überlegungen, das Atomabkommen mit Iran zu kündigen, hat sich der Konflikt zwischen beiden Ländern zugespitzt. Der iranische Parlamentspräsident Laridschani wirft dem amerikanischen Präsidenten nun vor, Lügen zu verbreiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.