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Jasper Morrison im Gespräch : „Immer Sofas, das wäre der Horror“

  • -Aktualisiert am

Der Stuhl ist die Leidenschaft des Designers. Doch wann ist er perfekt? Jasper Morrison mit „Alfi“ Bild: Emeco

Jasper Morrison wird als König des Minimalismus gefeiert. Im Gespräch erklärt der Designer, warum das Quatsch ist, was ihm die Straßenbahn aus Hannover bedeutet, und woran der Eames Chair krankt.

          Montagmorgen auf der Möbelmesse in Köln: Der Trubel ist groß, doch an Jasper Morrison prallt die allgemeine Aufregung ab. Wir treffen den Designer am Stand von Vitra. Für die Schweizer hat er gerade Tabletts aus Kork entworfen – dem Material, das die Designwelt derzeit für sich entdeckt. Morrison indes hat schon vor Jahren damit gearbeitet. Der 56-Jährige ist ein Mann der leisen Töne. Trotzdem fällt er auf. Das gilt für seine Person genauso wie für seine Entwürfe. Dass er am Abend von der Zeitschrift „Architektur & Wohnen“ zum „Designer des Jahres“ gekürt werden wird, erwähnt er mit keinem Wort. Passend für jemanden, der sich gern im Hintergrund hält, trägt er einen grauen Anzug zum grauen Haar. Streng wirkt er trotzdem nicht, der Sitz von beidem ist ihm egal. Er hat gute Laune, was nicht heißt, dass er deshalb lachen würde. Es blitzt nur ab und zu hinter der Hornbrille und zuckt in den Mundwinkeln. Morrison hat Lust, zu plaudern und Tee zu trinken – wobei Letzteres für den Engländer nicht zu kurz kommen darf.

          Dreißig Jahre als Designer – haben Sie mal gezählt, wie viele Produkte Sie entworfen haben?

          Nein, aber es waren viele.

          Was würden Sie schätzen?

          Dreißig mal zwanzig macht sechshundert, also waren es noch mehr. Aber darunter sind nicht nur Produkte, auch Projekte.

          Und wie viele werden Sie dieses Jahr vorstellen?

          Eine Menge. Allein für die Möbelmesse in Mailand haben wir zehn. Das ist ziemlich überraschend, denn letztes Jahr hatten wir auch schon viele. Vermutlich wird es dann nächstes Jahr dünner. Aber man weiß es nie.

          Sie haben so viele verschiedene Dinge entworfen – vom Schuh bis zur Bushaltestelle. War das eine bewusste Entscheidung?

          Ich denke, es ist sehr hilfreich, mal etwas ganz anderes zu machen. Eine gute Übung. Sonst wäre es außerdem furchtbar langweilig. Immer Sofas zu machen wäre der Horror.

          Ist es nicht schwierig, sich in eine neue Thematik einzuarbeiten?

          Natürlich besteht das Risiko, dass man Fehler macht. Aber wenn man einen Stuhl entwerfen kann, kann man auch einen Schuh designen.

          Was war das überraschendste und spannendste Produkt?

          Die Straßenbahn in Hannover. Sie kam genau zur richtigen Zeit, denn ich war ziemlich desillusioniert davon, immer nur für die Möbelmesse in Mailand zu arbeiten. Das schien so unwirklich. Die Verkaufszahlen waren auch nicht gut. Ich war nicht überzeugt, dass wir das Richtige tun. Die Tram hat mich in eine andere Welt mitgenommen. Ich habe mich sehr nützlich gefühlt, und das war ein gutes Gefühl. Ich wusste, ich will dieses Gefühl der Nützlichkeit auch in dieser anderen Welt haben.

          Stapelware: der Air Chair von Magis Bilderstrecke

          In diesem Fall konnten die Leute Ihr Design in Besitz nehmen, ohne es zu kaufen.

          Es war ein schöner Gedanke, dass es eine halbe Million Menschen nutzen – jeden Tag.

          Fährt die Tram noch?

          Gestern hat mir jemand ein Foto gezeigt vom verschneiten Hannover mit der Straßenbahn.

          Gibt es für Sie als Designer eine Verbindung zwischen einer Straßenbahn und einem Kochtopf?

          So gesehen, gibt es eine Verbindung zwischen allem. Bei einem Topf versetzt man sich in die Position eines Kochs. Und überlegt, wie es sich gut anfühlen würde und wie er seinen Job gut machen könnte. Das ist genau dasselbe mit der Straßenbahn. Man denkt sich in einen Passagier hinein und wie der die Fahrt erlebt. Es ist also gar nicht so unterschiedlich.

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