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Design : Auf der Wiesn fing alles an

Nie ohne Hund: Ana Relvão und Gerhardt Kellermann mit Ada, einem Whippet. Bild: Jan Roeder

Das Münchner Designer-Duo Relvão Kellermann ist gut gestartet. Ihr nächstes Projekt: eine Ausstellung in Köln.

          Kennengelernt haben wir uns auf dem Oktoberfest.“ Schnell schiebt Gerhardt Kellermann hinterher: „Das stimmt wirklich!“ Dann beginnt er zu lachen, weil er ahnt, was sein Gegenüber womöglich denkt. Ganz so klischeehaft, wie man vermuten könnte, ist die Wiesn-Kennenlern-Geschichte von Ana Relvão und Gerhardt Kellermann aber nicht. Man muss nur weiter ausholen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Kellermann, 1983 in Rumänien geboren, ist in Stuttgart aufgewachsen. Dort verschlug es ihn an die Kunstakademie, von der er begeistert war, weil die Studenten in eigenen Werkstätten selbst viel Hand anlegen können. Darum trägt sie auch den Spitznamen „MacGyver-Schule“, benannt nach dem erfindungsreichen Tüftler aus der amerikanischen Fernsehserie der achtziger Jahre.

          Nach dem Studium ging Kellermann nach München, um im Studio von Nitzan Cohen zu arbeiten, der damals Gastprofessor in Stuttgart war und inzwischen Professor an der Freien Universität Bozen ist. Früher arbeitete Cohen für den Münchner Designer Konstantin Grcic, so wie Stefan Diez, der sich dann ebenfalls in München selbständig machte. Für Diez wiederum arbeitete Ana Relvão.

          Weil sich die untereinander eng verbandelten Münchner Designer so gut verstehen, treffen sie sich einmal im Jahr beim Oktoberfest. Und da lernten sich der damalige Cohen-Mitarbeiter Kellermann und die damalige DiezMitarbeiterin Relvão kennen. Seit diesem Frühjahr sind die beiden verlobt. „Zum Heiraten hatten wir bisher einfach keine Zeit“, sagt die Portugiesin, die 1986 geboren wurde und in Lissabon Design studiert hat.

          Das MAKK in klein: Im Museum für Angewandte Kunst Köln werden zur Möbelmesse Neuheiten gezeigt - als 3-D-Hologramme. Daran beteiligt sind Aussteller, die von der Design-Agentur Stylepark ausgewählt wurden. Bilderstrecke
          Das MAKK in klein: Im Museum für Angewandte Kunst Köln werden zur Möbelmesse Neuheiten gezeigt - als 3-D-Hologramme. Daran beteiligt sind Aussteller, die von der Design-Agentur Stylepark ausgewählt wurden. :

          Das Studio Relvão Kellermann, das es gerade einmal seit drei Jahren gibt, ist glänzend gestartet. Viele Produkte haben sie schon zur Serienreife gebracht. Ihre Arbeiten fallen auf, da sie durchdacht und ungewöhnlich sind. Ihr Garderobenhaken Ring Hook für Schönbuch ist ein gutes Beispiel: Im Grunde ist es nur ein längliches Stück Holz, das vertikal an der Wand befestigt wird. Darüber kann man lose einen Mantel oder einen Taschenriemen hängen. Im Holz ist aber auch ein Edelstahlring für einen Kleiderhaken. Einfach und funktional sei der Ring Hook, sagen die beiden, und auch ohne Behang ein Blickfang und kein störendes Element an der Wand.

          Oft arbeiten Relvão Kellermann mit kleinen Unternehmen zusammen, gerne in Portugal, wie mit der Brillenmanufaktur Sociel aus Gondomar bei Porto. Dort entstehen nach Münchner Entwürfen Gestelle, die von Hand und aus Azetat gefertigt werden. Nach der limitierten RK-Edition Shades entwickelten die beiden die Sonnenbrillen-Serie S1, die von Sociel einzeln angefertigt wird und über die Münchner Marke Seymoure zu haben ist.

          „Wir wollten uns nicht auf Küchendesign festlegen“

          Die Karaffe Dual Set wiederum hat das Designer-Duo für die portugiesische Marke Util entworfen. „Wir waren zunächst nicht begeistert und dachten, nicht noch eine Karaffe mit rundem Boden“, erzählt Ana Relvão. Doch dann habe der Art-Direktor von Util, Manuel Amaral Netto, sie herausgefordert. Die beiden begannen zu recherchieren und fragten sich, wie Wasser in verschiedenen Kulturen dargeboten wird. „In Japan gehört es zur Etikette, dass man erst dem anderen Wasser einschenkt, bevor der einem dann selbst Wasser einschenkt.“ So entstand die Idee zu ihrer Karaffe, die keinen runden, sondern einen ovalen Boden hat. Auch der Hals wirkt wie von beiden Seiten eingedrückt, sodass das mundgeblasene Gefäß zwei Ausgießer hat. Zum Set gehören noch zwei asymmetrisch geformte Gläser und ein Aluminiumtablett.

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