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Paris : Alber Elbaz verlässt Lanvin im Streit

Brachte Lanvin zu altem Glanz: Designer Alber Elbaz Bild: dpa

Der israelische Modeschöpfer Alber Elbaz räumt seinen Posten als Kreativdirektor der Marke Lanvin. Es ist der dritte namhafte Abgang in der Pariser Mode innerhalb weniger Wochen.

          Seine letzte Schau für Lanvin am 1. Oktober wollte Alber Elbaz als Manifest verstanden wissen. Der Designer, seit 14 Jahren Kreativ-Direktor des französischen Traditionshauses, spielte während der Pariser Modewoche mit der Aufmerksamkeit seiner Zuschauer. Es ging hammerhart los, mit Schwarz zu weißen Nähten als Kontrast, mit engen Röcken über Hosen, mit Tweed, der so lange bearbeitet wurde, bis er in Fransen herunterhing. Dann wechselte Elbaz überraschend die Richtung – in supersoft, zeigte viele geschichtete Lagen Weiß. Ein Wechselbad der Fashion-Moods. Die Parodie an ebenjenem System sollte möglichst sichtbar sein. Also schickte Alber Elbaz zum Schluss eine Serie Logo-Kleider über den Laufsteg, mit dem Schriftzug der Marke, mit illustrierten Handtaschen, Halsketten und Schuhen, dazwischen die für das Haus typischen Partydresses.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war wirklich seine allerletzte Kollektion für Lanvin. Alber Elbaz hat Lanvin verlassen, so bestätigte es das Unternehmen am Mittwoch. Alber Elbaz hat bereits sein Büro an der Pariser Rue du Faubourg Saint-Honoré geräumt.

          Der Druck hat sich verschärft

          Der Weggang des 54 Jahre alten israelischen Designers ist der zweite innerhalb von einer Woche. Am Donnerstagabend war Raf Simons als Kreativ-Direktor von Dior überraschend zurückgetreten, um sich künftig anderen Aufgaben zuzuwenden, auch seinem Privatleben. Der Fall hat eine neue Diskussion über den Druck angestoßen, dem Designer an Modehäusern ausgesetzt sind. Bei Lanvin sollen ebenfalls Auseinandersetzungen zwischen Elbaz und dem Vorstand zum Rücktritt geführt haben.

          Systemkritik auf Französisch: Elbaz’ letzte Kollektion

          Die Kreativen und die Geschäftsführer, es scheint dieser Tage in der Zusammenarbeit zu haken. Auch Alexander Wang, ehemaliger Kreativ-Direktor von Balenciaga, hat am 2. Oktober seine letzte Schau für das Pariser Haus gezeigt und möchte sich künftig auf seine eigene Marke konzentrieren. Was ist da los, auf den Fluren der wichtigen Pariser Häuser? Umsatzerwartungen und Gewinnplanung gibt es nicht erst seit gestern. Dennoch, der Druck dürfte sich in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund neuer – und zugleich unsicherer – Märkte um ein Vielfaches verschärft haben.

          Das trifft nicht nur die Ateliers der großen Marken wie Dior mit sechs Schauen pro Jahr, überall auf der Welt. Auch die Marken eine Liga darunter, zu denen Lanvin gehört, müssen sich ständig neu erfinden und weltweit Kunden bedienen. Das schafft nicht ein Kreativ-Direktor alleine, ganz im Gegenteil. So sollen zum Inhalt der Auseinandersetzungen zwischen Alber Elbaz, der Lanvin-Firmenanteile hält, sowie dem Besitzer der Marke und dem Geschäftsführer, auch Fragen über den Verkauf der Vorstands-Anteile gehört haben – und damit über die Zukunft der Marke. Während der Besitzer von Lanvin mit den Mehrheitsanteilen angeblich nicht verkaufen wollte, musste Alber Elbaz dabei zusehen, wie die Marke zunehmend in der Wahrnehmung der Kunden ins Abseits geriet. Elbaz hatte das Haus vor 14 Jahren zu neuem Leben erweckt, mit seinen Partykleidern, dem Statement-Schmuck und einfachen und trotzdem genialen Ballerina-Schuhen. Nur ließen weitere neue Markenzeichen in den vergangenen Saisons vergebens auf sich warten. Für 2015 seien Verluste zu erwarten, zum ersten Mal seit zehn Jahren.

          Ein Wechselbad der Gefühle

          Vergangene Woche war Elbaz in New York. Auf der Veranstaltung „Night of Stars“ sollte er eine zweiminütige Rede halten. Ganze zwei Minuten lang! Alber Elbaz macht daraus 16. „Ich glaube jeder in der Mode braucht dieser Tage mehr Zeit“, verkündete er vom Podium. Händler zum Beispiel hätten keine Zeit mehr, in ihren Läden zu stehen, weil sie von Modewoche zu Modewoche reisen müssten. Von den Modemachern, die diese Schauen ausrichten, ganz zu schweigen. „Wir Designer haben mal als Couturiers angefangen, mit Träumen, Werten und Gefühlen. Dann wurden wir Kreativ-Direktoren. Heute sind wir für das Image zuständig, dazu da, dass die Bilder gut aussehen. Sie müssen von den Bildschirmen schreien.“ Soviel zum Wechselbad der Fashion-Moods. Die Rede sollte Elbaz‘ zweites Manifest in einem Monat sein. Ein paar Worte hatte er auch noch zu seinem ersten zu sagen: „Als ich nach der Schau auf den Laufsteg trat, hatte ich das Gefühl, niemand würde klatschen.“ Nicht nur Designer brauchten dieser Tage bestenfalls mehr als 24 Stunden pro Tag und zwei Köpfe, auch die Modeleute müssten drei Hände haben. Zwei, um als Teil des Publikums zu klatschen, eine weitere, um mit dem iPhone das Finale zu filmen. Der Kurz-Clip ist jetzt wichtiger als die Wertschätzung.

          Alber Elbaz verbeugte sich nach seiner letzten Schau für Lanvin trotzdem tief. Und über seinem Kopf glitzerte das Lanvin-Logo.

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