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FDP-Chef Lindner : Der Rest ist Leere

Guter Lindner, böser Lindner? Der FDP-Chef bei der Präsentation der Wahlkampagne Bild: Hans Christian Plambeck/laif

Christian Lindner macht mit seiner Attraktivität Wahlkampf. Unsere Autorin Jennifer Wiebking findet: Eitelkeit ist auch eine Tugend. Julia Schaaf entgegnet: Allein der Schein wird zelebriert.

          PRO: Ein schöner Anblick

          Wenn Christian Lindner in seiner Düsseldorfer Wohnung aus dem Fenster schaut, einmal über den Spielplatz hinweg, dann sieht er Christian Lindner. Auf einem Stück Grünfläche steht jetzt eines dieser Riesenplakate, die man noch nicht mal übersehen könnte, wenn man mit dem Auto daran auf einer mehrspurigen Ausfallstraße vorbeiführe. In dieser Nachbarschaft, Zone 30, ist es das größte Schild weit und breit. Es ist seinem Haus zugewandt, und Christian Lindner posiert darauf in mittlerweile recht bekannter Manier.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dieser schöne Mann. Klar ist der eitel. Vergangene Woche war es das „Ungeduld ist auch eine Tugend“-Motiv, auf dem der FDP-Vorsitzende nach unten schaut, als würde er gerade die Manschette am rechten Hemdsärmel richten. Dieser Tage ist es jenes mit der Digitalisierung, auf dem Christian Lindner nur ein bisschen größer ist als die Fußgänger, die daran vorbeilaufen, und sich ohne Krawatte ganz locker anlehnt, als leite er im Kreise Gleichgesinnter eine Brainstorming-Session.

          Dabei hat er mehr für dieses Aussehen getan, als eine Kampagnen-Idee abzunicken und sich für den Fotografen entsprechend zu inszenieren. Es hat sich über die Jahre die Dioptrien weglasern lassen, nachdem die Kontaktlinsen nicht mehr verträglich waren, und das Haupthaar auffüllen lassen. Und wenn er jetzt nicht in Schwarz-Weiß auftritt, sondern in echt, dann hat er mit dem Mallorca-Teint für eine gute Grundlage gesorgt, für die Schicht Make-up obendrauf. Er macht was her, und natürlich nutzt er diese Schönheit zur Selbstinszenierung während des Wahlkampfes, der für alle Kandidaten auch eine große Inszenierung ihrer eigenen Person ist. Sie müssen schließlich davon überzeugen, dass sie es sind, die es künftig richten werden, dass sie sich für ein besseres Leben eines jeden Bürgers einsetzen werden.

          Aussage und Aussehen: Verschönerung der Landschaft

          Zumindest wirkt Christian Lindner schon mal optisch wie die Personifizierung dieses besseren Lebens. Die monochrome Schwarz-Weiß-Anmutung hilft natürlich, denn jeder, der mal ein Bild von sich in Schwarzweiß gesehen hat, weiß, dass er so wegen der Kontraste eher besser aussieht. Männer der neueren Sorte machen sich über solche Details Gedanken. Ja, sie sorgen sich echt um ihr Aussehen, und Frauen müssten ihnen für diesen evolutionären Sprung eigentlich applaudieren. Es geht dabei nicht um den Mythos des metrosexuellen Mannes von einst. Männer und ihr Look, das ist heute zunehmend eine selbstverständliche Sache. Also insofern, dass Überfettung nicht mehr einfach eine Begleiterscheinung des Älterwerdens ist, dass es sich durchaus lohnt, mal verschiedene Anzugmarken durchzuprobieren, um das Modell zu finden, das zur Figur passt. Insofern, dass fünf Minuten Nachdenken über die Wahl von Brille und Frisur, mit denen man von seiner Umwelt wahrgenommen wird, nicht verschenkt sind. Natürlich müssen auf die Worte Taten folgen, aber wenn man auch optisch so wirkt wie das, was man erreichen möchte, dann ist das zumindest nicht von Nachteil.

          Warum sollte ein deutscher Politiker nicht diesem Großtrend unter Männern folgen dürfen? Das Aussehen von einem, der hübscher ist als der Durchschnitt, ist scheinbar auch in einem Land, das sich gerne an sein protestantisches Verhältnis zu allem Schönen klammert, ein Diskussionspunkt – um ihn im nächsten Moment als Germany’s Next Topmodel zu belächeln.

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