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Berliner Modewoche : Jetzt wird’s persönlich

Motto Frauenpower: Die Designerin Marina Hoermanseder lässt sich nach der Schau mit ihren Models feiern Bild: Helmut Fricke

Aus dem Mangel an Blockbuster-Marken macht die Berliner Modewoche einen Vorteil: Die Designer inszenieren ihre Kollektionen intim – und erzählen Geschichten von sich selbst.

          Er hat durchgehalten, und das zahlt sich langsam aus. „Schon verrückt, dass ich als letzter Männerdesigner auf dem Schauenplan der ursprünglichen Fashion Week geblieben bin“, sagt Ivan Mandžukić. Die Berliner Modewoche hat in ihren zehn Jahren schon viele Talente stürzen sehen. Der in Serbien geborene Designer, der in Berlin seine Marke Ivanman gründete, macht einfach weiter mit seinem Programm: bringt klassische Mäntel und puffige Jacken in knalligem Grün – und packt Blumenmuster ins Innenfutter. „Männer mögen zwar Details“, sagt er, „aber zu verspielt darf es dann auch nicht sein.“

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht Berlin ist sein wichtigster Markt: „Am besten läuft es in Slowenien und Montenegro, wo die Leute experimentierfreudiger sind. Das ist doch verrückt, wenn man bedenkt, dass da nur zweieinhalb Millionen Menschen wohnen.“

          Slowenien? Montenegro? Deutsche Textil- und Modeunternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa 35 Milliarden Euro, sind in Europa führend und in Sachen technische Textilien sogar Weltmarktführer. Aber der Anteil anspruchsvoller Designermode daran ist, im Vergleich zu Italien oder Frankreich, verschwindend gering. Und was den Konsum angeht, greifen die Deutschen lieber zu Dolce & Gabbana oder Louis Vuitton als zu heimischen Marken. Die Modewoche darf, soll, muss das ändern. Aber kann sie es auch?

          Der „Berliner Salon“ soll es richten

          Der „Berliner Salon“ des Fashion Council Germany (FCG) soll es richten. Nach dem Ausstieg des amerikanischen Veranstalters IMG konzentriert sich Berlin hier wieder aufs Wesentliche: die vielen kleinen kreativen Labels. „Vogue“-Chefin und FCG-Präsidentin Christiane Arp berät die Teilnehmer des Salons im Kronprinzenpalais intensiv und hat eine Auswahl zusammengestellt, die sich international blicken lassen kann. Auch andere Produkte werden nun gezeigt, Möbeln, Duftkerzen, Fotografie – weshalb aus dem „Berliner Modesalon“ die „Mode“ gestrichen wurde. Perret Schaad haben eine Bank für die Möbelmarke Freifrau entworfen. Jörg Ehrlich und Otto Drögsler (Odeeh) sind nun auch für die Porzellanmanufaktur Meissen kreativ tätig (und acht Tage im Monat dort); also gibt es dieses Mal von Odeeh außer Kleidern auch handbemalte Teller. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries freut sich über solche Projekte beim Besuch im Salon: Kultur- und Kreativwirtschaft, meint sie, würden in Deutschland als Wirtschaftsfaktor unterschätzt.

          Isabel Vollraths hat sich bei ihren Kreationen Dickhäutern befasst, in Zusammenarbeit mit der schwedischen Künstlerin Sofia Olander ergaben sich Stoffe mit Elefantenmotiven.

          Mode wird in Berlin nicht mehr am Fließband produziert. Julian Zigerli zum Beispiel arbeitet für die Schau mit Schweizer Künstlern zusammen: „Ich will Modeleute etwas mehr für die Künste begeistern.“ Eine Oberfläche Christopher Füllemanns macht er zum Druck. Aus dem bedruckten Stoff wiederum entsteht eine Skulptur. Die Fotografin Manon Wertenbroek erweitert die Kollektion mit Farbe auf die Körper der Models, die eine Art Performance-Installation aufführen. Und Zigerli hat noch eine originelle Idee: „Ich habe die Saisons gewechselt und zeige und verkaufe hier meine Sommerkollektion. Das macht den Rhythmus entspannter.“

          Mode erzählt persönliche Geschichten

          Die Mode erzählt hier persönliche Geschichten. William Fan lädt am Donnerstagabend zum Abendessen ins Ngon, um ein weiteres Kapitel aus seinem Leben zu erzählen. Nach Ausflügen zum chinesischen Markt und in sein Kinderzimmer stellt er dieses Mal gewissermaßen das Restaurant seiner Eltern in Hannover nach, die in den Sechzigern zu den ersten chinesischen Gastronomen in Deutschland gehörten. Zu Dim Sum zeigt er neben klassisch geschnittenen Silhouetten in gesetzten Tönen Abendgarderobe mit Pailletten und Brokat, präsentiert von Models jedes Alters und sogar der Restaurant-Belegschaft. Die obligatorischen Goldfische gibt es nicht im Aquarium, sondern an den Füßen in Form von Plastikschlappen – Mitbringsel von den Straßenmärkten Hongkongs. Und zu alledem noch ein Glückskeks in Form der „Fortune Bag“, einer neuen Tasche. Dem Vater, der mit Frau gekommen ist, hat die Schau gefallen: „Er wusste schon immer, was er wollte.“

          Mode wird in Berlin nicht mehr am Fließband produziert. Das macht sie umso schöner.

          Und so könnte man weiterzählen, von Marina Hoermanseder, die ihre Frauen-Power-Mode bis an die Grenzen des Vulgären inszeniert, von Leila Piedayesh (Lala Berlin), die eine Pyjama-Performance veranstaltet, von Isabel Vollrath, die bittersüße Fifties-Kleider entworfen hat, von Lena Hoschek, die nun auch Abendkleider so gut beherrscht wie die Dirndl, mit denen sie bekannt wurde, von Dorothee Schumacher, die sich in den Berliner Salon einreiht und ein Beispiel ist für Treue – anders als viele Unternehmen aus dem Westen Deutschlands lässt sie die Modehauptstadt nicht im Stich.

          Totgesagte leben länger

          Und es sind Heimkehrer zu begrüßen. Domir Doma, der kroatischstämmige Designer aus Bayern, der seine Mode in Mailand zeigt, präsentiert seine vielschichtigen Entwürfe zum ersten Mal in großem Rahmen Berlin, unterstützt vom FCG und Mercedes-Benz. „Als Christiane Arp anrief und das Berghain anbot, haben wir sofort zugesagt. Der Club strahlt eine Authentizität und Exklusivität aus, mit der wir uns verbunden fühlen.“

          Nicht zuletzt: Totgesagte leben länger. Nach jahrelanger Abwesenheit ist Strenesse wieder da. Und die Zukunft der Marke aus Nördlingen soll gut sein, was dieser Tage bedeutet: weiblich. „The future is female“ hört man in der Mode ja jetzt oft. Aber keine Angst, Strenesse druckt den Spruch nicht auf noch ein T-Shirt, sondern setzt ihn in den Hintergrund, als Motto. Davor sind die typischen Stücke der Marke zu sehen, mit strengen Hosenanzügen und schützenden Wollmänteln. So kann auch das Alte das Neue sein.

          In der ersten Reihe sitzen die Promis: Die Modenschau des Berliner Labels Perret Schaad im Speisesaal des Kronprinzenpalais

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