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Berliner Modekooperationen : Gemeinsame Sachen machen

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Kein Seepferdchen-Abzeichen: Brosche aus der Kooperation zwischen Designerin Stephanie Hahn und dem Schmucklabel Hornemann Bild: Hersteller

Broschen, Brillen, Schuhe - während der Berliner Modewoche musste man Modelabels ohne Designkooperationen fast schon suchen. Warum machen das gerade alle?

          Badespaß an Frankreichs Küsten - während der Berliner Modewoche befindet sich Stephanie Hahn längst in den Sommerferien, zumindest inspirativ. Mit ihrer Frauen- und Männerkollektion für den kommenden Sommer hat die Düsseldorfer Designerin die Erinnerungen an die Strandtage ihrer Kindheit heraufbeschworen. Für ihr Label 22/4 Hommes Femmes entwarf sie maritim gestreifte leichte Baumwollhemden, lockere Shorts mit Seemanns-Kordeln und sportliche Reißverschlüsse, die an jene auf Taucheranzügen erinnern. Auch die Accessoires erzählen vom Meer: um den Hals baumelnde Badeboxen und das ikonische Seepferdchen-Abzeichen, hier und da auf die Kleider genäht.

          Weitere Abzeichen zieren die Kollektion: Anstecknadeln aus Gold, Silber und Acrylglas in abstrakt-geometrischen Formen, die in dieser Saison gemeinsam mit der Goldschmiede Georg Hornemann entstanden sind. Die Schmuckstücke stehen hier nicht für sportliche Leistungen - sondern für einen künstlerischen Austausch auf hohem handwerklichen Niveau. „Ich hätte früher nie gedacht, dass ich einmal in die Welt des Echtschmucks hinein schnuppere und bin überrascht, wie matchy sich alles zusammen fügt“, sagt Designerin Hahn, deren Kooperation gleich zweimal präsentiert wurde: zur Gruppenausstellung im Berliner Mode Salon sowie im intimeren Rahmen in Hornemanns Showroom in Charlottenburg. „Die Idee, gemeinsam etwas zu gestalten, existiert bereits seit zwei Jahren“, ergänzt Alexander Hornemann, der die Werkstätten der Familienschmiede in diesem Jahr zusammen mit seiner Frau Claudia von Düsseldorf nach Berlin übersiedelte.

          Erinnerungen an Frankreichs Küsten: Entwurf  von Designerin Hahn für ihr Label 22/4 Hommes Femmes Bilderstrecke

          22/4 Hommes Femmes und Georg Hornemann waren nicht die einzigen, die zur Modewoche gemeinsame Sache(n) machten. Die Lust am gestalterischen Dialog ist dieser Tage dermaßen verbreitet, dass man eher nach Labels suchen müsste, die in Berlin keine disziplinübergreifende Kooperation eingegangen sind.

          Designer Hien Le hat sich mit der Porzellankünstlerin Claudia Schoemig zusammengetan, um Knöpfe aus Porzellan für seine Blusen und Röcke zu entwerfen. Michael Sontag, für seine fließenden Satinkleider berühmt, kombiniert die feinen Stoffe zu derbem Schuhwerk, auch hier eine Kooperation. Die Ankle Boots in Referenz auf die 1990er entstanden gemeinsam mit der Berliner Schuhmanufaktur Trippen. Anne Gorke bringt die Drucke der Textilkünstler Teuber Kohlhoff auf ihre Kleider. Und die Münchner Schmuckdesignerin Saskia Diez ist mit zwei Gemeinschaftsprojekten angereist: Bereits zum zweiten Mal präsentiert sie rahmenlose Sonnenbrillen zusammen mit dem Schweizer Eyewear Label VIU, und in diesem Jahr kam dazu Nagellacke in sommerlichen Farben, den sie mit der Berliner Beautymanufaktur Uslu Airlines entwarf.

          Hier kooperieren David und David

          Dass Modemarken miteinander kooperieren, ist kein neues Phänomen. Auf die Spitze treiben das große Marken wie Adidas oder H&M, die sich gerne mit sehr etablierten oder sehr angesagten Designern zusammentun. In der Regel funktioniert der Austausch hier aber nicht diametral: Die Künstler und Designer sind auf die größeren Einnahmen aus und die Multiseller wollen den Glanz  des kreativen Namens nutzen. In der Modeszene in Berlin aber passiert derzeit etwas anderes. Zwar freuen sich auch in Berlin Designer beizeiten, wenn sie dank der Zusammenarbeit mit einer solventen Marke wie Swarovksi die Produktion ihrer nächsten Kollektion gewährleisten können. Doch bei den momentan so verbreiteten Kooperationen tun sich nicht etwa David und Goliath zusammen, sondern David und David: Es geht in erster Linie um den schöpferischen Austausch auf Augenhöhe.

          So steht auch für Alexander Hornemann ganz klar die Freude am künstlerischen Experiment im Vordergrund, und die Zusammenarbeit mit Kreativen ganz unterschiedlicher Disziplinen begleitet bei der Goldschmiede seit jeher die Arbeitspraxis. In der Vergangenheit entstanden so bereits Schmuckstücke mit Rita McBride, Kris Martin, Alicja Kwade oder dem Schweizer Modehaus Akris. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern empfindet er als „horizonterweiternd“, denn jede Kooperation sei von anderen Herausforderungen gezeichnet.

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