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Berliner Modewoche : Endlich Platz für junge Marken

Chefredakteurin der deutschen Vogue: Christiane Arp Bild: Helmut Fricke

Es ist in Deutschland unendlich schwierig für junge Modemacher, bekannt zu werden. Doch mit dem „Berliner Mode-Salon“ der Vogue bietet die Fashion Week ihnen eine Chance – und könnte nun langsam erstklassig werden.

          Tim Labenda ist so ein Beispiel. Ein junger Designer für Männermode mit Talent und Ambition. Er musste nur entdeckt werden. Aber: Wo? Wann? Wie? Und von wem?

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Man muss es zur Berliner Modewoche, die am Montag begann und noch bis zum Freitag dauert, so formulieren: Es ist in Deutschland unendlich schwierig für junge Modemacher, eine eigene Marke aufzubauen, Fans zu finden und zu binden, Mode zu verkaufen und mit den Kleidungsstücken in die Fotostrecken der Magazine zu gelangen.

          Wenn es Tim Labenda nun gelingen sollte, dann hat er es natürlich der Schneiderlehre bei Hugo Boss, dem Modedesign-Studium in Pforzheim, seiner Arbeit bei Kenneth Cole und mehreren Nachwuchspreisen zu verdanken - aber auch Christiane Arp. Denn die Chefredakteurin der deutschen „Vogue“ nahm den Designer in ihre Nachwuchs-Präsentation „Vogue Salon“ auf, die zur Berliner Modewoche im Januar und Juli junge Modemacher den Boutiquen und Kaufhäusern näherzubringen versucht. Im Januar war er schließlich im neuen „Berliner Mode-Salon“ zu sehen, den Arp ebenfalls mitorganisiert.

          Messen in Schwierigkeiten

          Dank der Kontakte ist Tim Labenda nun Herren-Designer des Butzbacher Naturtextilien-Anbieters „Hess-Natur“ - und seine eigene Kollektion darf er mit 24 weiteren „Mode-Salon“-Teilnehmern bis zum 22. August im KaDeWe in Berlin zur Schau und zum Verkauf stellen.

          Die Chancen, die sich da eröffnen, zeigen im Umkehrschluss das Versagen des bisherigen Systems. Der Modehandel verzeichnete im ersten Halbjahr wieder mal ein Minus. Durch die schwächelnden Boutiquen geraten auch die Messen in Schwierigkeiten, wie die „Bread & Butter“ schmerzhaft erfahren musste. Erfolge haben weiterhin vertikal organisierte Ketten mit preiswerter Mode wie H&M oder Zara. Und die großen Luxuskonzerne, die ihre Ware direkt in den margenstarken eigenen Geschäften verkaufen statt in Multi-Label-Stores.

          Wo ist da Platz für junge Marken? Nur bedingt auf der „Mercedes-Benz Fashion Week“ im Zelt am Brandenburger Tor, wo sich von Dorothee Schumacher bis Marc Cain viele etablierte Marken dem Publikum stellen. Denn eine Schau dort ist groß - und teuer.

          Daher hat Christiane Arp nun gemeinsam mit dem Veranstalter Marcus Kurz von der Agentur „Nowadays“ den „Berliner Mode-Salon“ ausgebaut. Am Freitagnachmittag werden im Kronzprinzenpalais Unter den Linden in einer Sammelausstellung mehr als 40 Designer auf Figurinen oder als Schau ihre Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2016 präsentieren. Nach allem, was man im vorläufig ersten „Mode-Salon“ im Januar anhand von damals nur 18 Modemachern gesehen hat, wird diese Veranstaltung so viele spannende Designer an einem Ort präsentieren, wie es das noch nie in der deutschen Geschichte gegeben hat - zumal Christiane Arp auch mit ihrem „Vogue Salon“ aus dem Hotel de Rome die paar Meter herüber in das weitläufige Kronprinzenpalais zieht.

          Starke heimische Szene

          Natürlich ist das alles auch eine marketinggerechte Leistungsschau des Modemagazins in Zeiten, in denen alle Hefte das Veranstaltungsgeschäft für sich entdecken - und die deutsche „Elle“ vergangene Woche sogar einen dreitägigen Pop-up-Store in den Münchner Hofgarten-Arkarden hatte, der auch in anderen deutschen Städten aufpoppen soll.

          Der deutschen Ausgabe der „Vogue“ tut auch eine starke heimische Szene gut - da kommt es nicht darauf an, dass kaum ein Designer des „Mode-Salons“ es sich wird leisten können, eine Anzeigenseite zu buchen. Mit einem konzentrierten Auftritt hoffen Arp und Kurz etwas fürs modische Image Deutschlands zu tun, das in fast zehn Jahren Berliner Modewoche nicht gewachsen ist. Ausländische Einkäufer und Journalisten könnten nun durchaus endlich Designer wie Vladimir Karaleev, Hien Le oder Antonia Zander entdecken.

          „Es war nur eine kleine Idee“, sagt Christiane Arp, die noch bis zum Mittwoch die Couture-Schauen in Paris verfolgt und dann nach Berlin fliegt. „Plötzlich ist sie groß geworden.“ Wegen mehrerer Abgänge deutscher Designer nach Paris und London hatte sie die Sorge, „dass sich alles zerstreut“. Der Rollenwechsel von der Chefredakteurin zur Quasi-Veranstalterin erklärt sich mithin aus der Not der Designer, die zwischen schwierigen wirtschaftlichen Aussichten und mangelnder Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zerrieben werden.

          Christiane Arp als Spielführerin

          Ihre Autorität in der Szene baut die Chefredakteurin auch mit dem „Fashion Council Germany“ aus - „FC Germany“, sagt Christiane Arp, die normalerweise in Fußballdingen unempfänglich ist, aber einen Hang zu dynamischen Labels hat. Der „FC Germany“ ist als einigermaßen neutrale Plattform für Modemacher weit besser geeignet als die bisherigen Branchenverbände oder Messen wie die „Premium“, auch wenn sie schon lange Jungdesigner fördern.

          Das Vorbild für den „FC Germany“ sind weniger die Camera Nazionale della Moda Italiana oder die Fédération Française de la Couture du Prêt-à-Porter des Couturiers et des Créateurs de Mode, die schon vom Namen her umständlich wirken. Vielmehr ist in der Vereinsgründung das „British Fashion Council“ (BFC) zu erkennen, das in den vergangenen Jahren junge Londoner Designer höchst erfolgreich vermarktet hat.

          Christiane Arp, die vor zwei Wochen schon bei einer Konferenz zur Kreativbranche im Europäischen Parlament die Mode vertrat, wird somit eine modepolitische Figur, wie es sie bisher nur in England gab - in Form von Natalie Massenet, die erst Net-A-Porter aufbaute und dann als BFC-Vorsitzende die gesamte Londoner Szene. Die Frage ist nur, ob nun auch die Modeunternehmen, die ohnehin skeptisch auf Berlin blicken, den „FC Germany“ unterstützen. Denn das Ziel, eine weltmeisterliche Modernisierung der deutschen Modeszene, wird eine ehrenamtliche Präsidentin nicht allein erreichen - auch wenn man sie allgemein als Spielführerin ansieht.

          Quelle: F.A.Z.

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