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Uhrenmesse Baselworld : Zur Zeit ziert die Bescheidenheit

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Neues von der Baselworld Bild: Hersteller

Auf der Baselworld dominieren die leisen Töne. Dennoch ist von Krise keine Spur. Neue Uhrwerke und Retro-Design machen Lust auf Mechanik.

          Die Erfolgswelle, auf der die Uhrenbranche in den vergangenen Jahren geritten ist, scheint etwas abzuflachen. Das zeigt sich auf der weltgrößten Uhrenmesse Baselworld beispielsweise dadurch, dass eine stattliche Zahl an - allerdings vorwiegend kleinen - Ausstellern dieses Jahr nicht angetreten ist und auch der Betrieb in den Messehallen im Vergleich zu den Vorjahren geringer ist. Der von vielen euphorisch betrachtete Markt in China schwächelt, und auch die Flüchtlingskrise in Europa beflügelt die Konjunktur nicht gerade. Aber, und das ist die gute Nachricht, von Krise ist keine Spur.

          Trommelwirbel in Form von lautsprecherischer Selbstdarstellung und Uhren der Superluxusklasse zu hohen sechs- und siebenstelligen Preisen sind wohl in diesen Zeiten nicht angebracht. Stattdessen dominieren die leisen Töne. Statt einfach einen boomenden Markt abzuschöpfen, machen sich viele Hersteller Gedanken, wie sie ihre Kundschaft neu von der mechanischen Uhr überzeugen können, nutzen wieder technische Kreativität und schaffen so neue Inhalte.

          Sechsappeal: Diese Speedmaster ist eine von sechs neuen Omegas Bilderstrecke
          Sechsappeal: Diese Speedmaster ist eine von sechs neuen Omegas :

          Beispielsweise Breguet. Hier macht man dem Uhrmachergenie und Markengründer Abraham Louis Breguet alle Ehre, indem alte Prinzipien neu überdacht werden. In einem Projekt arbeiten die Schweizer an einem Reguliersystem, das extrem hohe Schwingfrequenzen zulassen soll. Die Konstrukteure nutzen zwar das grundsätzliche Prinzip der Schweizer Ankerhemmung, nur dass diese ohne mechanischen Kontakt von Anker und Ankerrad funktioniert. Stattdessen werden die Impulse magnetisch gegeben. Nach unserer Meinung stellt sich nicht die Frage, ob das jemals in Produktion gehen wird, sondern wann.

          Breguet ist nicht zuletzt der Erfinder des Tourbillons, also des Gangreglers, der sich um die eigene Achse dreht und so Unregelmäßigkeiten durch die Lage der Uhr ausgleichen soll. Nicht wenige bezeichnen dies als Krone der Uhrmacherei, was folgerichtig auch immer mit einem hohen Preis verbunden ist. Unter 30 000 Euro war eigentlich noch kein Schweizer Tourbillon zu haben, viele nehmen sechsstellige Preise. Nicht so TAG Heuer. Dieser Marke ist innerhalb des Portfolios der LVMH-Gruppe (Louis Vuitton Moët Hennessy) die Rolle zugedacht, erschwinglichen Luxus zu bieten. Das ist den als Sportuhren- und Chronographenspezialisten groß gewordenen Schweizern wirklich gut gelungen. Dort hat man einen Tourbillon-Chronographen entwickelt, der im Frühjahr zu Preisen ab 14 300 Euro in den Handel kommen soll. Kein Preisbrecher, sondern ein ganz normal kalkuliertes Produkt, betont Firmenchef Guy Sémon. Eine smarte Konstruktion, gepaart mit moderner Produktion, ermögliche diesen Preis, sagt der Luft- und Raumfahrtingenieur Sémon, der wegen dieser Preisstellung, die von seinen meisten Wettbewerbern als Dumpingpreis angesehen wird, wohl noch ein paar unfreundliche Worte hören wird.

          Verwendung von amagnetischem Material

          Technisch hochwertige Manufakturprodukte zu vernünftigen Preisen sind seit einigen Jahren auch die Domäne von Omega. Vergangenes Jahr stellte die Swatch-Group-Marke ihr Projekt Master Chronometer vor, eine neue Norm für die Präzision mechanischer Uhrwerke, die deren Magnetfeldresistenz berücksichtigt. Dank der Verwendung von amagnetischem Material für Gangregler und drehende Teile sind diese Kaliber bis 15 000 Gauss magnetfeldresistent. Dieses Jahr stellt Omega gleich sechs Uhrwerke vor, die den Master-Chronometer-Test bestehen: vier Automatikwerke sowie zwei Chronographen. Das Chronographenkaliber 9904 arbeitet etwa in der neuen Speedmaster Professional Moonphase (Edelstahl ab 7700 Euro).

          Die sächsische Omega-Schwester Glashütte Original arbeitet wie gewohnt klassisch. Davon zeugt das neue Automatikwerk Kaliber 36, das nicht nur schön aussieht, sondern auch praktische Vorteile bringt. Die Konstrukteure versuchten die Zahl der Komponenten zu verringern und noch höhere Zuverlässigkeit zu bieten. Premiere feiert dieses Uhrwerk, das als Basis für weitere Konstruktionen dienen soll, im Modell Senator Excellence. Ihr neues Uhrwerk DUW 3001 mit dem hauseigenen Swing-System stellte Glashütte Originals Nachbar Nomos zwar schon vergangenes Jahr vor, doch nun wird es systematisch kommerzialisiert; in Modellen der Neomatik-Linie, die sowohl im runden als im rechteckigen Gehäuse zu haben ist. Erwähnenswert ist dies nicht nur, weil Nomos mit dem Modell Minimatik einige Preise bei Uhrenwahlen abgeräumt hat, sondern weil hier ein Manufakturprodukt für deutlich weniger als 3000 Euro angeboten wird.

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