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Australiens Wahrzeichen : Alles wird Hut

Bei der Arbeit: Glenn Lawrence kontrolliert einen Hut nach dem Pressen. Bild: Picture-Alliance

Der Akubra ist ein Wahrzeichen Australiens. Gefertigt wird der Hut aus Kaninchenflaum auf Maschinen, die mehr als 100 Jahre alt sind. Das interessiert jetzt auch einen Luxusartikel-Hersteller.

          „Jedes tote Kaninchen hier geht durch meine Hände", sagt Rachel Hancey und lacht. Denn natürlich ist es in Wahrheit anders: Die junge Frau watet durch Berge von watteweichem Kaninchenflaum. Er kommt aus Australien oder wird aus Belgien oder Frankreich eingeführt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Und am Ende, nach dem Wiegen und Kämmen, dem Baden, dem Massieren und Walken, dem Ziehen, Strecken, Bedampfen, Pressen, Hämmern und Formen, fehlen nur noch drei Luftlöcher, damit der Akubra-Hut fertig ist. Dafür ist Keiran Cooney zuständig. In gut 400 Hüte täglich drückt er mit der Stanze die drei Löchlein. "Diese Woche habe ich noch keinen Ausschuss produziert", sagt Cooney. „Ich mache das schließlich seit 26 Jahren. Da weiß man, wo man ansetzt.“

          Symbol für das Leben in der Wildnis und die Freiheit

          Viele hier machen ihren Job seit Jahrzehnten. Denn bei Akubra zu arbeiten – das heißt etwas. Nicht nur weil in Kempsey, dem Städtchen im Nordosten Australiens, die Arbeitslosenrate bei etwa 14 Prozent liegt. Sondern auch, weil man hier an Ikonen arbeitet. Mit dem Hut aus 146 Gramm Kaninchenfilz zogen die australischen Soldaten schon in den Ersten Weltkrieg.

          Schulkinder und Olympia-Athleten tragen ihn, der Golfprofi Greg Norman und "Crocodile Dundee", Spitzenpolitiker, Schauspieler, Könige und der Dalai Lama, wenn sie in down under zu Besuch weilen. Das Original in Feldgrau oder Oliv ist über mehr als ein Jahrhundert zum Symbol für den Fünften Kontinent, das Leben in der Wildnis und die Freiheit dort geworden.

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          Heute verkauft sich der Hut besser denn je: "Der Klimawandel hilft uns, denn die Menschen müssen sich stärker vor der Sonne schützen", sagt Roy Wilkinson, der Finanzchef von Akubra. "Und die Öffnung Chinas und Indiens hilft uns ebenfalls. Besonders in China ist der Akubra richtig schick."

          Australische Kaninchen haben den besten Flaum

          Auch das ist so eine Geschichte, von denen es hier viele gibt: "Ein Tibeter hat die Hüte in Sydney gesehen. Als er zurück in Lhasa war, hat er 50 Stück bestellt. Wir haben erst gezweifelt, ob wir jemals Geld dafür sehen werden", erzählt Wilkinson. "Aber das ging alles wie geschmiert. Heute verkaufen wir über ihn schon 300 Hüte in der Woche in China."

          Gut 15 Prozent der Hüte aus Kempsey werden ins Ausland verschickt - viel zu wenig, wenn es nach Wilkinson geht. Doch viel mehr würde die Fabrik auch gar nicht ausstoßen können. Zumal der Aufstieg Chinas den Markt verändert: "China kauft selbst immer mehr Flaum, um daraus Spielzeug zu produzieren. Das hat den Preis verdreifacht." Und weil er, wie alle hier, ein echter Australier ist, schiebt er nach: "Die besten Hüte machen wir immer noch aus dem Flaum wilder australischer Kaninchen."

          Louis-Vuitton ist an Akubra interessiert

          Gut eine Woche dauert es, bis in der alten Fabrik in Kempsey aus dem watteweichen Flaumknäuel ein Hut gefertigt ist. Und doch fängt sein Leben dann erst an. Ein wirklicher Akubra braucht Schweißflecken von der Arbeit unter der stechenden Sonne im Outback, braucht den Abdruck eines Hundezahns, braucht den Staub, den eine Rinderherde aufwirbelt. Deshalb werden gebrauchte Akubras heute auch schon auf Antik-Märkten in Melbourne oder Sydney feilgeboten.

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