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New Yorker Fashionweek : Die nächste Saison ist eine Fiktion

So lässt sich’s am Laufsteg leben: Auf der Bühne von Bottega Veneta schauen Models ihrer Kollegin Adwoa Aboah bei der Arbeit zu. Bild: Helmut Fricke

Abschiede und Anfänge, Misserfolge und Glücksgefühle, Fehlgriffe und Meisterwerke: In New York kommt es noch immer auf die große Show an – natürlich auch auf der Modewoche.

          Das musste so kommen: Jason Wu hört bei Hugo Boss auf. Der New Yorker Designer prägte fünf Jahre lang die Damenkollektionen des Herrenmodeanbieters. Am Dienstagabend war nach der Präsentation der Kollektion für Herbst und Winter Schluss. Das ist schon deshalb seltsam, weil man mit Herrenmode nicht so viel Aufsehen erregt wie mit Entwürfen für Frauen. Ein wichtiges Marketinginstrument geht also verloren. Aber in der Boss-Zentrale in Metzingen wird man sich das schon alles ausgerechnet haben: Was kostet ein eigenes Boss-Damen-Atelier mit mehreren Mitarbeitern in Manhattan, eine große Schau zur Fashion Week, das mutmaßlich siebenstellige Jahresgehalt für den Designer? Und was bringt uns das, wenn die Damenmode ohnehin nur zehn Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet? Boss-Chef Mark Langer kappt somit eine der letzten Erfindungen seines Vorgängers Claus-Dietrich Lahrs. Jason Wu hatte es schon länger geahnt und die Lust verloren. Schade, denn am Wochenende zeigte der Modemacher mit seiner Kollektion unter eigenem Namen, dass er einer der größten amerikanischen Designer ist – und Michelle Obama aus guten Gründen ein Fan.

          Alfons  Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Claus-Dietrich Lahrs wiederum, der schon bei Dior gelernt hatte, was Designer bedeuten (und erbringen) können, verbucht in New York einen Erfolg mit seinem neuen Arbeitgeber. Der CEO von Bottega Veneta eröffnete mit seinem ebenfalls aus Deutschland stammenden Designer Tomas Maier nicht nur das neue fünfstöckige Geschäft an der Madison Avenue, eine gigantische Investition in die Zukunft des stationären Einzelhandels – er lud auch zu großer Schau und Party in die alte Börse. Das war einer der wenigen Höhepunkte einer schlecht kuratierten und überlangen Modewoche, die sich über geschlagene zehn Tage hinzog.

          Schon Jackie Kennedy ausgestattet

          Und noch ein Abschied: Carolina Herrera hört auf. In Amerika ist die Achtundsiebzigjährige weltbekannt, schließlich hat sie schon Jackie Kennedy ausgestattet und vor allem mit Parfums ein Vermögen gemacht; der Markenumsatz liegt angeblich bei fast anderthalb Milliarden Dollar im Jahr. So schön wie einst ihre Kleider ist der Hintergrund ihres Abschieds als Kreativdirektorin nicht. Angeblich hat der spanische Konzern Puig, dem die Marke gehört, die Gründerin dazu gebracht, als ihren Nachfolger den jetzt schon bei ihr tätigen 31 Jahre alten Wes Gordon zu benennen. Am Montag also war ihr letzter Auftritt auf großer Bühne, im Museum of Modern Art. Unklar ist, ob Carolina Herrera dort jetzt auch selbst ausgestellt wird. Oder ob sie wirklich als „Botschafterin“ weiter ihre Marke vertritt, bei der auch ihre beiden Töchter arbeiten. Zur Sicherheit zeigte sie sich zum Applaus gemeinsam mit Wes Gordon – als wären sie ein Herz und eine Seele.

          Trends ruft man in New York besser noch nicht aus, denn es folgen die Schauen in London, Mailand und Paris. Zudem ist das alles noch undurchsichtig: Wird die nächste Saison vulgär wie bei Tom Ford oder geschmackvoll wie bei Victoria Beckham? Fein wie bei Rosetta Getty oder sexy wie bei Alexander Wang? Mit genialem Layering wie bei Phillip Lim oder schnarchiger Eleganz wie bei Oscar de la Renta? Und nicht einmal Materialmix ist ein neues Thema. Also abwarten und Matcha trinken. Die Rede von der „nächsten Saison“ ist übrigens bei ständigen Nachlieferungen und wichtiger werdenden Zwischenkollektionen ein Konstrukt aus vergangener Zeit. In New York werden Saisons nun ohnehin aufgelöst: Alexander Wang will in Zukunft wirklich im Juni und im Dezember seine Kollektionen zeigen. Und der Designerverband ist nun in Versuchung, Labels, die an Paris verlorengingen, mit einer spannenden Umgestaltung des Kalenders wieder von New York überzeugen zu können. In Paris wird man darüber lachen. Im Rest der Welt nicht – da interessiert’s nämlich niemanden.

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