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Trendstück Skinny : Der Abschied von der Röhrenjeans

Tschüs, Skinny: Ohne Kate Moss wäre die Röhrenjeans wohl in der Mottenkiste geblieben. Bild: Matrix Media Group/face to face

Wie kein anderes Stück prägten Skinny Jeans den Look der vergangenen zwölf Jahre. Jetzt ist ihr Ende in Sicht. Doch was soll danach kommen?

          Für ein Trendstück, das anfangs weder unbequemer hätte aussehen noch einschüchternder heißen können, hielt sie sich dann doch überraschend lange: die Skinny Jeans. Mit „anfangs“ sind hier die frühen nuller Jahre gemeint, die Zeit, als Menschen, die Kate Moss toll fanden, noch Jeans trugen, die am Bund eng, am Po und den Oberschenkeln ebenfalls eng waren, dann aber einigermaßen großzügig Richtung Fesseln zuliefen. Boot-Cut nannte man diesen Style, weil selbst für den Schaft aus Leder noch Platz sein sollte. Aber viel öfter sah man Boot-Cut-Jeans sowieso kombiniert mit Ballerinas.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kate Moss war damals schon weiter, sie torkelte in Jeans aus dem Londoner Luxusnachtclub Boujis, die oben eng waren, in der Mitte eng, die aber auf der Zielgeraden an den Waden nicht wie gewohnt das bisschen mehr an Platz spendierten, sondern eng blieben, thromboseriskanteng. Wer Arzt war, sagte dazu, was von ihm erwartet wurde, und alle anderen hörten doch auf Kates unmissverständlichen Rat: Tragt Röhrenjeans! Dazu musste das Model, das gerade dabei war, sich faszinierend schnell aus einem Kokain-Skandälchen herauszuarbeiten, und schon bald frischer, stärker, cooler denn je sein sollte, gar nichts sagen. Die Bilder genügten.

          Im Übrigen hatte Karl Lagerfeld gerade gut 40 Kilogramm abgenommen und war dementsprechend ebenfalls frischer, stärker, cooler denn je. Auch er trug jetzt die hautengen Anzüge von Hedi Slimane, jenem Dior-Designer, der schon in seiner Jugend von David Bowie und Keith Richards in streichholzschmalen Hosen so fasziniert war, dass er es zu seiner Mission machte, jedes Bisschen Überfluss an Stoff einfach zu streichen.

          Ohne Hedi Slimane und Kate Moss wären die engen Teile damals vor gut zwölf Jahren vermutlich in der Mottenkiste geblieben, bei den Bildern der ausgehungert aussehenden Rock-Stars der Siebziger. Bei den peinlichen Erzählungen von mittelalten Menschen, die sich ständig erinnert fühlten an die Zeit, als die Sex Pistols, The Ramones, The Clash, überhaupt jede wichtige Gruppe, enge Jeans trugen. Jene Bands, die vor geraumer Zeit auch die später mittelalten Menschen dazu gebracht hatten, sich mit ihren Mitbewohnern und neuen Hosen in die WG-Badewannen zu legen, um, ja warum eigentlich? Damit sich eine Jeans, die von Anfang an nicht passte, plötzlich richtig anfühlen sollte? Um so der eigenen Unangepasstheit den sofort ersichtlichen Rahmen zu geben, bevor, scheinbar noch radikaler, die Jeans in den Achtzigern dann aufgeschlitzt und durchlöchert wurden? Ein paar Jahrzehnte weiter und Kate Moss trägt hellgraue Röhren um die Beine und den Arm von Bad Boy Pete Doherty um den Nacken.

          In jeder Hinsicht sehr bequem

          Also doch Skinny Jeans. Wer zum ersten Mal mit so einer in den Nullern in der Umkleidekabine verschwand, obwohl er gar nicht „skinny“ war, musste die Bedenken draußen lassen. Kleiner Trost: Zur Boot-Cut-Jeans trugen ja auch die wenigsten Boots. Statt den harten Denim-Stoff locker über die Waden ziehen zu können, musste man jetzt schon ein bisschen quetschen, aber dann saß sie auch, die Skinny.

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          Sie saß nicht nur, hatte man sich einmal an das kompressionsartige Beinkleid gewöhnt, wurde es sehr schnell sehr bequem, in jeder Hinsicht. Dem hohen Stretchanteil sei Dank, konnte sich so selbst robuster Denim-Stoff um jede Form des menschlichen Beins schmiegen und dieses inszenieren. So kamen Skinny Jeans nicht nur Models um die zwanzig gerade recht, die sie auf Castings zu kurzen Oberteilen trugen, um möglichst viel von ihren Beinen zeigen zu können, ohne gleich Shorts anziehen zu müssen. Frauen um die siebzig, die sich weder so alt fühlten noch so aussahen, quetschten sich ebenso gerne in ein Modell, das sie gar nicht gequetscht aussehen ließ. Zumindest kam es so mit der Zeit, denn über die Regentschaft der Skinny Jeans hinweg wurde aus ihrem Stretch ein High-Tech-Stoff. „Toch and feel“ der Modelle von heute sind kaum mehr vergleichbar mit älteren.

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